Pfingstwochenende, Reisezeit: Was auf deutschen Autobahnen nervt

Zum bevorstehenden langen Wochenende müssen Autofahrer wieder mit einigen wohlbekannten Ärgernissen rechnen. Der ACV Automobil-Club Verkehr gibt Tipps, wie man trotzdem entspannt und sicher ans Ziel kommt.

Immer das gleiche Bild: Eine dreispurige Autobahn, normales Verkehrsaufkommen, genug Platz für alle – aber plötzlich taucht auf der mittleren Spur ein langsames Fahrzeug auf, obwohl rechts alles frei ist. Mittelspurschleicher nennt der Volksmund diese Verkehrsteilnehmer, Autofahrer, die das Rechtsfahrgebot nach Paragraph 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ignorieren. Demnach müssen alle Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum möglichst weit rechts fahren, innerorts wie außerorts. Für den nachfolgenden Verkehr verursacht ein Mittelspurschleicher nervige, oft gefährliche Überholmanöver. Denn der Blockierer zwingt die schnelleren Fahrer zum Wechsel zweier Fahrspuren. Nähert sich dann von hinten ein Fahrer mit noch deutlich höherer Geschwindigkeit, kommt es zu brenzligen Situationen mit dem großen Risiko eines Auffahrunfalls. Der ACV erinnert deshalb alle Verkehrsteilnehmer an das geltende Rechtsfahrgebot und fordert zu mehr Rücksichtnahme auf der Autobahn auf. ACV Sprecher Gerrit Reichel: „Viele Autofahrer finden es bequem, dauerhaft die mittlere Spur zu nutzen. Das ist zwar verständlich, denn so spart man sich die Spurwechsel beim Umfahren langsamer Verkehrsteilnehmer wie zum Beispiel Lkw. Dieses Verhalten ist aber nicht nur verkehrswidrig, sondern auch extrem rücksichtslos gegenüber den nachfolgenden Fahrern.“ Der ACV fordert mehr Aufklärung, zum Beispiel durch Sicherheitskampagnen an den Autobahnen. Wer selbst auf einen Mittelspurblockierer auffährt, sollte keinesfalls übereilt reagieren, rechts überholen oder sich gar zur Nötigung verleiten lassen. Gerrit Reichel: „Besser tief durchatmen und warten, bis sich eine sichere Möglichkeit zum Überholen ergibt oder das andere Fahrzeug doch auf die rechte Spur wechselt.“ Grundsätzlich kann man Mittelspurschleicher zwar anzeigen. Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering. Ein ausführlicher Ratgeber zum Thema Mittelspurschleicher findet sich auf der ACV Ratgeber-Website.

Luftdruckprüfer

Ein weiteres Ärgernis: Kostenpflichtige Luftdruckgeräte. An immer mehr Tankstellen müssen Autofahrer für die Anpassung ihres Reifendrucks Geld bezahlen. Oft sind die Geräte auch schlicht dauerhaft kaputt. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es besser geht: In den europäischen Nachbarländern, zum Beispiel in Frankreich, sind Luftdruckprüfer an der Autobahn frei verfügbar, Plakate rücken das Thema ins Bewusstsein. Zu Recht, denn laut statistischem Bundesamt sind in Deutschland im Schnitt etwa 1.000 Verkehrsunfälle pro Jahr auf technische Mängel an den Reifen zurückzuführen. Eine regelmäßige Überprüfung des Reifendrucks ist unerlässlich. ACV Sprecher Gerrit Reichel: „Mehr als hundert Euro für eine Tankfüllung kassieren und dann noch einen Euro für den Luftprüfer, das ist reine Abzocke. Der ACV fordert von Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern, die Nutzung der Geräte im Sinne der Verkehrssicherheit kostenlos zu ermöglichen und die einwandfreie Funktion zu gewährleisten.“ Tipp für Autofahrer: Kaufen Sie sich einen geeigneten Akku-Kompressor zum Verbleib im Fahrzeug. Damit ersparen Sie sich dauerhaft den Luftdruck-Frust an der Tankstelle!

WC-Anlagen

Um Druck geht es auch bei Ärgernis Nummer drei: Verdreckte, defekte oder kostenpflichtige Autobahn-Toiletten. Kostenlose Toilettenhäuschen befinden sich nur auf unbewirtschafteten Parkplätzen. Die Hygiene dieser rund 1.500 Anlagen lässt in den meisten Fällen zu wünschen übrig. Sauberer, aber eben auch kostenpflichtig sind die Toiletten des Monopolisten Sanifair von Tank & Rast. Ende 2022 hat dieser seine Preise erhöht: Ein WC-Besuch an einer der rund 400 Toilettenanlagen entlang der Autobahn kostet nun einen Euro pro Person. Das Einlösen des Wertbons in der Autobahnraststätte geht jetzt nur noch einzeln, also nur ein Bon pro Artikel.
ACV Sprecher Gerrit Reichel: „Die Toiletten-Nutzung ist gekoppelt an einen Kaufzwang in den völlig überteuerten Autobahn-Shops. Ein Beispiel: Fährt eine fünfköpfige Familie von Flensburg nach Garmisch in den Urlaub und macht dabei drei Mal Halt an Sanifair-Anlagen, zahlt sie 15 Euro. Für das Einlösen der WC-Gutscheine müsste die Familie 15 verschiedene Artikel kaufen. Das leppert sich in der Summe schnell auf nochmal 30 Euro oder mehr.“ Die Politik ist offenkundig nicht gewillt, diese Wucherei auf deutschen Autobahnen zu bekämpfen. Der ACV rät deshalb Autofahrern, sich für lange Reisen von zuhause Proviant mitzunehmen oder unterwegs einen Abstecher zum Discounter einzuplanen.

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