| Rubrik: Pres­se­mit­tei­lun­gen emp­feh­len

ACV kri­ti­siert Führerschein-​​Zwangsumtausch

Wer heute noch mit einem grauen oder rosa­far­be­nen Papier­füh­rer­schein unter­wegs ist, muss sei­nen alten Lap­pen in eine neue Fahr­li­zenz umtau­schen. Hin­ter­grund ist eine EU-​​Richtlinie, die Deutsch­land jetzt mit der soge­nann­ten Anlage 8e zur Fahr­er­laub­nis­ver­ord­nung umsetzt. Danach müs­sen alle Füh­rer­scheine, die vor dem 19. Januar 2013 aus­ge­stellt wur­den, bis zum 19. Januar 2033 umge­tauscht wer­den. Der ACV kri­ti­siert, dass für die Auto­fah­rer durch den Zwangs­um­tausch Kos­ten ent­ste­hen. Zudem kann sich der Gel­tungs­um­fang der Fahr­er­laub­nis in ein­zel­nen Fäl­len ändern, was dann zu einer Ver­schlech­te­rung führt. Wei­tere Kri­tik betrifft die gel­tende Auto­ma­tik­re­ge­lung: Hier for­dert der ACV, einen Anreiz für Füh­rer­schein­be­wer­ber zu schaf­fen, die ihre Aus­bil­dung auf einem Auto­ma­tik­auto absol­vie­ren möch­ten. Dies würde die Anschaf­fung umwelt­freund­li­cher Modelle mit Hybrid– oder Vollelektro-​​Antrieben för­dern. Im Fol­gen­den Ant­wor­ten auf die wich­tigs­ten Fra­gen zum Führerschein-​​Zwangsumtausch:

 

Was benö­tigt man, wenn man einen ganz alten Füh­rer­schein umtau­schen will?

Nach Aus­sage des Bun­des­ver­ban­des der Fahr­leh­rer­ver­bände BVF hat das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­rium BMVI die 13. Ände­rungs­ver­ord­nung zur Fahr­er­laub­nis­ver­ord­nung in den ver­gan­ge­nen Tagen unter­schrie­ben. Dem­nach wird es nach den Vor­ga­ben der EU in den kom­men­den Jah­ren bis 2033 einen Zwangs­um­tausch für alte Füh­rer­scheine in EU-​​Plastikkarten mit bio­me­tri­schen Daten geben. Die rund 15 Mil­lio­nen alten Papier­füh­rer­scheine, die vor dem Jahr 1999 aus­ge­stellt wor­den sind, sol­len spä­tes­tens bis 19. Januar 2025 umge­tauscht sein. Der Stu­fen­plan ist nach dem Alter der Füh­rer­schein­in­ha­ber gestaf­felt – begin­nend mit den Jahr­gän­gen 1953 bis 1958, für die eine Umtausch­frist bis 19. Januar 2022 gilt. Ältere Füh­rer­schein­in­ha­ber sind von der Pflicht zum vor­ge­zo­ge­nen Umtausch befreit. Für die ca. 28 Mil­lio­nen ab dem Jahr 1999 aus­ge­stell­ten Kar­ten­füh­rer­scheine sieht der Bun­des­rats­be­schluss von 2026 bis 2033 gestaf­felte Umtausch­fris­ten nach dem jewei­li­gen Alter der Doku­mente vor.

Detail­lierte Auf­stel­lun­gen zum Ablauf der Umtausch­re­ge­lung haben der Fahr­leh­rer­ver­band und der Bun­des­rat zusam­men­ge­stellt.

 

Was benö­tigt man, wenn man einen ganz alten Füh­rer­schein umtau­schen will?

Prin­zi­pi­ell wird nicht unter­schie­den, ob es sich um einen alten „grauen Lap­pen“ oder den jün­ge­ren rosa EU-​​Führerschein han­delt: In allen Fäl­len muss ein aktu­el­les Licht­bild zusam­men mit dem alten Füh­rer­schein­do­ku­ment für den Antrag bei der Füh­rer­schein­be­hörde ein­ge­reicht wer­den.

 

Was kann pas­sie­ren, wenn man den Umtausch­ter­min igno­riert?

Über Buß­geld­vor­schrif­ten ist aktu­ell nichts bekannt, auch nicht beim BVF. Nach Aus­sage des BVF han­delt ein Füh­rer­schein­be­sit­zer, der den Umtausch nicht durch­führt, aber nicht ver­gleich­bar mit einem Fahr­zeug­füh­rer, der ganz ohne Fahr­er­laub­nis fährt. Die Fahr­er­laub­nis an sich liegt ja vor, nur die aktu­elle Form des Doku­ments nicht. Dies dürfte sich im Zwei­fels­fall bei einer Poli­zei­kon­trolle posi­tiv aus­wir­ken, so dass maxi­mal mit einer Geld­buße im Rah­men einer Ord­nungs­wid­rig­keit zu rech­nen wäre.

 

Wer­den die Inha­ber älte­rer Füh­rer­scheine noch ein­mal geson­dert ange­schrie­ben und zum Umtausch auf­ge­for­dert, oder muss sich der Füh­rer­schein­be­sit­zer selbst darum küm­mern?

Auch hierzu lie­gen bis­lang keine Infor­ma­tio­nen vor.

 

Wird der Gel­tungs­um­fang der alten Fahr­er­laub­nis in vol­lem Umfang über­nom­men beim Umtausch auf den neuen Füh­rer­schein?

Dies ist nicht immer der Fall. Bei­spiel: Besit­zer einer alten Fahr­er­laub­nis der Klasse 3 dür­fen Lkw bis zu einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht von 7,5 fah­ren sowie Züge bis zu einer zuläs­si­gen Gesamt­masse von 18 Ton­nen. Die­ses Recht behal­ten sie beim Umtausch nur auf geson­der­ten Antrag. Ab einem Alter von 50 Jah­ren ist über­dies zusätz­lich eine ärzt­li­che Unter­su­chung erfor­der­lich. Die Kos­ten hier­für – etwa 100 Euro – muss der Antrag­stel­ler selbst tra­gen. Ohne den Zusatz­an­trag besteht nach dem Umtausch nur noch das Recht zum Füh­ren von Zügen bis 12 Ton­nen Gesamt­masse. Fazit: Der Umtausch kann sich auch nega­tiv aus­wir­ken.

 

Wir ver­hält es sich beim Fah­ren mit Auto­ma­tik­fahr­zeu­gen?

Bis 1986 gab es eine so genannte Auto­ma­tik­re­ge­lung. Wer seine Prü­fung auf einem Auto­ma­tik­fahr­zeug abge­legt hatte, musste zusätz­lich 6 Schalt­stun­den nach­wei­sen, um auch mit Schalt­wa­gen fah­ren zu dür­fen. Ab 1986 musste zudem zwin­gend eine geson­derte Schalt­prü­fung für Schalt­wa­gen erfol­gen. Füh­rer­schein­in­ha­ber, die im grauen Füh­rer­schein einen Stem­pel haben mit dem Hin­weis „Prü­fung auf Auto­ma­tik­fahr­zeug“ dür­fen auch nach dem Umtausch mit Schalt­wa­gen fah­ren. Ent­halt der Füh­rer­schein hin­ge­gen den Zusatz „darf nur Auto­ma­tik fah­ren“, wird diese Auf­lage auch in den neuen Füh­rer­schein über­nom­men mit der Schlüs­sel­zahl CE78.

 

Aktu­ell liegt der Anteil an Füh­rer­schein­be­wer­bern, die ihre Aus­bil­dung aus­schließ­lich für Auto­ma­tik­fahr­zeuge absol­vie­ren, auf einem sehr nied­ri­gen Niveau. Die wenigs­ten Bewer­ber möch­ten sich ent­spre­chend ein­schrän­ken. Aller­dings wäre es nach Ansicht des ACV durch­aus sinn­voll, einen Anreiz für die Aus­bil­dung auf einem Auto­ma­tik­auto zu schaf­fen. Dies würde die Anschaf­fung umwelt­freund­li­cher Modelle mit Hybrid– oder Vollelektro-​​Antrieben för­dern, die aus tech­ni­schen Grün­den prin­zi­pi­ell nicht mit Schalt­ge­triebe zu haben sind. Ohne­hin geht der Anteil an Autos mit Schalt­ge­triebe bei den Neu­zu­las­sun­gen zurück.

 

Für Füh­rer­schein­be­wer­ber hin­ge­gen, die spä­ter einen Schalt­wa­gen fah­ren möch­ten, hal­ten Exper­ten eine Min­dest­aus­bil­dung von 10 Stun­den mit Schalt­ge­triebe für not­wen­dig gegen­über den aktu­ell erfor­der­li­chen sechs Stun­den. Nach Auf­fas­sung des BVF ließe sich die­ser Teil ohne außer­or­dent­li­che Belas­tung in die Aus­bil­dung inte­grie­ren in Form einer kom­bi­nier­ten Schu­lung auf Schalt– und Automatik-​​Getriebe. Der ACV hält eine sorg­fäl­tige Aus­bil­dung auf einem Schalt­fahr­zeug gerade für junge Bewer­ber für sinn­voll und not­wen­dig. Denn diese Ziel­gruppe ist aus Kos­ten­grün­den beim Kauf des ers­ten eige­nen Autos häu­fig auf Gebraucht­wa­gen mit Schalt­ge­triebe ange­wie­sen.