Seat Toledo und VW Golf

Wir lassen Seat Toledo und VW Golf gegeneinander antreten. Im ACV-Vergleich misst sich die spanische Alternative zum Golf mit dem Bestseller aus Wolfsburg.

Mehr Auto als einen Golf braucht kein Mensch, sagt man. Und das zu Recht: Der Dauerbrenner von VW überzeugt auch in der siebten Generation auf ganzer Linie mit hoher Qualität, ordentlichem Platzangebot, modernen Motoren und einem ebenso agilen wie komfortablen Fahrwerk. Einziger Haken ist der hohe Preis: Ein Golf-Käufer muss mindestens 17 175 Euro in das gute Stück investieren. Deutlich günstiger ist der neue Toledo der Konzerntochter Seat, der ebenso wie sein Schwestermodell Skoda Rapid im tschechischen Mlada Boleslav vom Band läuft und technisch noch weitgehend auf dem Vorgänger des aktuellen Golf VII basiert. Wer hier das Basismodell kauft, spart mehr als 3000 Euro und bekommt dafür eine durchaus ansehnliche Stufenheck-Limousine, die den Golf sowohl in der Länge wie auch in der Ladekapazität deutlich überragt.

Toledo: viel Raum gibt es vor allem im Heck

Unterschiede gibt es auch bei den inneren Werten: Selbst in der Top-Ausstattung „Style“ wirkt das Seat-Interieur zwar solide, insgesamt aber doch ein wenig schlichter als beim Golf, der in der gehobenen Comfortline-Version mit sehr bequemen Komfortsitzen, zahlreichen Ablagefächern und edel wirkenden Details fast schon für Premium-Atmosphäre sorgt. Das Raumangebot für die Toledo-Passagiere fällt ebenfalls knapper aus: Die acht Zentimeter breitere Golf-Karosse vermittelt den VW-Insassen deutlich mehr Ellenbogenfreiheit. Deutlich großzügiger geht es dafür unter der riesigen Heckklappe des Toledo zu: Hobby-Spediteure können den mit 550 Liter Volumen ohnehin schon riesigen Kofferraum per Umklappen der Rückbank auf eine Kapazität von anderthalb Kubikmetern erweitern – da kommt der Golf nicht mit.

VW Golf: Die Ausstattung punktet

Einen Pluspunkt verbucht der VW aber bei der Ausstattung: Beide Modelle sind zwar serienmäßig mit Klimaanlage, Radio und Leichtmetallrädern bestückt, der Golf verwöhnt seinen Fahrer aber zudem noch mit einer akustischen und optischen Einparkhilfe – und bietet darüber hinaus zu teils happigen Aufpreisen fast jeden erdenklichen Luxus: Von diversen Assistenzsystemen über Xenon-Scheinwerfer und Leder-Ausstattungen bis hin zum festplattenbasierten Navigationssystem samt riesigem TFT-Display bietet die Preisliste jede Menge Möglichkeiten, den Golf noch besser – und teurer – werden zu lassen. Bei Seat gibt man sich da eher bodenständig: Die Liste der möglichen Sonderausstattungen umfasst vier Pakete, fünf Media-Systeme und zehn weitere Posten – fertig.

Golf: wenig Leistung, hoher Verbrauch

Unter der Haube steckt bei beiden Modellen der gleiche Motor, allerdings mit unterschiedlichen Leistungsdaten. Im Fall des Golf ist es die schwächste aller möglichen Motorisierungen, bei der ein Turbolader dem 1.2-l-TSI-Benziner zu bescheidenen 86 PS verhilft, die dank ordentlichen Drehmoments im unteren Drehzahlbereich zum problemlosen Mitrollen im Alltagsverkehr durchaus reichen.

Auf flott gefahrenen Autobahnetappen dagegen zeigt sich die Kehrseite der Medaille: Dann nämlich mutiert das ansonsten recht genügsame Triebwerk zum argen Schlucker und treibt den Durchschnittsverbrauch sogar deutlich über die Achtlitermarke.

Zum fast identischen Preis bekommt der Seat-Kunde eine sparsamere Motorvariante mit deutlich mehr Temperament: Dank höheren Ladedrucks produziert das gleiche Aggregat hier 105 PS und bietet damit nicht nur deutlich spritzigere Fahrleistungen.

Der im Unterschied zum Golf hier serienmäßige sechste Gang hält den Verbrauch auch jenseits der Richtgeschwindigkeit in vernünftigen Dimensionen. Getrübt wird der Fahrspaß jedoch durch die unangenehm hohe Geräuschentwicklung: Vor allem unter Volllast röhrt der Motor ziemlich ordinär, und ab Tempo 150 nerven hier im Unterschied zum Golf ziemlich penetrante Windgeräusche.

Beim Fahrwerk hat der Golf mehr zu bieten

Wer besonderen Wert auf hohen Fahrkomfort legt, ist ohnehin im Golf besser aufgehoben. Die VW-Entwickler haben für ihren Bestseller ein Fahrwerk entwickelt, das in dieser Klasse den Maßstab setzt. Selbst grobe Straßenschäden lassen Fahrzeug und Insassen weitgehend unbeeindruckt, Abroll- und Poltergeräusche sind auf ein Minimum reduziert. Und der konstruktive Spagat zwischen Komfort und Handlichkeit wurde ebenfalls perfekt realisiert: Mit präzisen Lenkeigenschaften, agilem Einlenkverhalten und geringer Seitenneigung in Kurven wird der Golf auch Freunde der zügigen Fortbewegung überzeugen. Letzteres gilt auch für den Toledo, doch hier ist die Agilität hart erkauft: Die sehr straff ausgelegte Federung reagiert empfindlich auf kurze Fahrbahnstöße und kann Wellen in der Fahrbahn nur schlecht ausbügeln. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Fazit

Seat Toledo und VW Golf

„So schön kann praktisch sein“, trommelt die Seat-Werbung für den Toledo. Doch das trifft nicht ganz den Punkt. Schöner, vor allem im Innenraum, ist ganz klar der Golf, der auch in Sachen Technik und Ausstattung mehr zu bieten hat. Ob man das auch wirklich braucht, steht auf einem anderen Blatt. Die Attraktivität des Toledo resultiert vor allem aus der Tatsache, dass er fürs gleiche Geld mehr Temperament, mehr Effizienz und mehr praktischen Nutzen bietet als der Platzhirsch in der Kompaktklasse. Um es anders zu sagen: So preiswert kann praktisch sein.

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