Opel Mokka 1.4 T und Renault Captur dci 90

Kompaktwagen sind derzeit schwer gefragt. Im ACV-Vergleich: die Verkaufsrenner von Opel und Renault: Opel Mokka 1.4 T und Renault Captur dci 90

Renault definiert den Captur als „urbanen Crossover, der jeden Tag zum Abenteuer macht.“ Opel sieht im Mokka „Lifestyle im Kompakt-Format“. Der Begriff SUV taucht nur noch schamhaft im Kleingedruckten auf: Renault versichert, im Captur „die Qualitäten eines SUVs, eines Kompaktvans und einer Kompaktlimousine“ kombiniert zu haben. Opel will im Mokka „die Vorzüge eines SUV mit der Effizienz und Fahrdynamik eines Stadtautos“ vereint haben – und das Konzept kommt offenbar an: Mit 7493 verkauften Einheiten war der Mokka im ersten Quartal 2014 der meistverkaufte SUV in Deutschland – und der Captur lag mit mehr als 3000 Exemplaren ebenfalls ziemlich weit vorn.

Unabhängig vom Marketing-Wortgeklingel darf man feststellen, dass sich beide Modelle wohltuend vom notorischen Macho-Erscheinungsbild der SUV-Klasse abheben. Der Mokka ist kaum länger als ein Golf, der Capture sogar deutlich kürzer, und das Styling der Karosserie fiel beim Opel eher dezent, im Fall des Capture sehr jugendlich aus. Auch bei der Interieur-Gestaltung scheiden sich die Geister: Im Mokka geht es gewohnt opelig zu: Nicht wirklich überzeugen kann die nur nach intensivem Studium der Betriebsanleitung bedienbare Armada von wenig sinnhaft verteilten Tasten auf der Mittelkonsole. Sehr gute Sitze, ein eher konservativ gestyltes Cockpit und das langstreckentaugliche Raumangebot auch im Fond hinterlassen jedoch einen soliden Eindruck, wobei der lifestylige Anspruch allerdings nicht so recht rüberkommt.

Renault Captur: Der Zeitgeist lässt grüßen

Umso frischer dagegen umweht der Zeitgeist Fahrer und Passagiere im Captur. Der vornehmlich mit simplem Hartplastik verkleidete Innenraum wirkt im Vergleich zum gediegenen Mokka-Apartment wie eine Studentenbude: Fröhliche Farbakzente, eine cool gestylte Mittelkonsole und originelle Details wie das Schubladen-Handschuhfach oder die gegen Aufpreis per Reißverschluss abziehbaren und damit in der Waschmaschine zu reinigenden Sitzbezüge sind praktisch und ansehnlich zugleich – und die um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank erlaubt die Wahl zwischen viel Knie- und weniger Kofferraum oder umgekehrt. Obwohl deutlich kürzer und flacher als der Mokka, bietet der Captur subjektiv sogar ein luftigeres Raumgefühl und fast genau so viel Kapazität im Ladeabteil. Geschmackssache allerdings sind die straff gepolsterten und wenig Seitenhalt bietenden Sitze. Wer gesteigerten Wert auf gutes Sitzen legt, wird im Opel eher glücklich.

Auch die Triebwerke sind geschrumpft

Geschrumpft sind die Kontrahenten auch unter der Motorhaube. Bei beiden sorgen putzig kleine Turbo-Triebwerke mit knapp 1,5 l Hubraum für den Vortrieb, allerdings mit einem fundamentalen Unterschied: Beim Mokka ist es ein 140 PS starker Benziner, im Captur werkelt ein Diesel mit nur 90 PS, die aber mit dem 100 Kilo leichteren Fahrzeug problemlos klarkommen. Auch wenn der Anlauf bis zur möglichen Höchstgeschwindigkeit relativ lange dauert – untermotorisiert fühlt man sich im Renault keineswegs, eher schon unterkühlt: Bei winterlichen Temperaturen dauert es entschieden zu lange, bis im Innenraum wohnliche Temperaturen erreicht werden.

Ansonsten glänzt der Diesel mit guten Manieren, läuft für einen Selbstzünder sehr kultiviert und bleibt auch beim Tanken bescheiden: Der Testverbrauch von 6,1 l/100 km ist aller Ehren wert. Der Opel schluckt da allein schon konzeptbedingt deutlich mehr, sein um 100 Kilo höheres Gewicht kommt erschwerend hinzu. Dafür ist man aber auch deutlich souveräner unterwegs: Elastizität und Leistungsreserven erlauben eine schaltfaule Fahrweise, an Autobahnsteigungen muss man nur selten zurückschalten.

Allradantrieb: Beim Renault nicht zu haben

Im Stadtverkehr spielt der Captur ebenfalls seinen Gewichtsvorteil sowie die kompakteren Abmessungen aus. Sein deutlich kleinerer Wendekreis macht ihn agiler – und eine Rückfahrkamera, wie sie beim ziemlich unübersichtlichen Mokka dringend anzuraten ist (Aufpreis: 290 Euro), kann man sich hier sparen. Auf Autobahnen und Landstraßen fühlt man sich fahrwerksmäßig im Opel besser aufgehoben: Obwohl recht straff gefedert und mit großen 18-Zoll-Rädern bestückt, absorbiert der Mokka Straßenschäden aller Art ziemlich effektiv und liegt auch satter auf der Piste als der Renault, der sich in Kurven stark zur Seite neigt und dabei mit seiner etwas diffusen Servolenkung den Fahrspaß nicht unbedingt fördert. Völlig untauglich ist der Captur dagegen abseits befestigter Straßen: Abgesehen von einem hochbeinigen Fahrwerk hat der Franzose hier keine Qualitäten zu bieten, einen optionalen Allradantrieb sucht man in der Preisliste vergebens. Beim Opel ist das kein Problem, abgesehen von den dafür zu berappenden 1860 Euro Aufpreis.

Fazit

Opel Mokka 1.4 T und Renault Captur dci 90

Na bitte, geht doch! Wer unbedingt hoch sitzen und zeitgeistig daherkommen möchte, muss sich nicht unbedingt ein teures Zwei-Tonnen-Monstrum zulegen. Für den täglichen Pendelverkehr zwischen Arbeitsplatz, Kita und Supermarkt reicht der ebenso handliche wie preisgünstige Captur völlig aus. Auf langen Strecken fühlt man sich im souverän motorisierten und satter auf der Straße liegenden Mokka besser aufgehoben. Einschränken müssen sich Opel– und Renault-Käufer allerdings gleichermaßen beim Gepäck: Ist die Rückbank besetzt, bleibt dahinter nicht mehr viel Platz zum Laden – und die maximale Zuladung setzt den Mitnahme-Kapazitäten ebenfalls enge Grenzen.

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