Hyundai i20 und Opel Corsa

Der neue Hyundai i20 ist der absolute Hingucker in der Kleinwagenklasse. Wie es um seine inneren Qualitäten steht, zeigt Ihnen unser Vergleich mit dem neuen Opel Corsa.

Als Claudia Schiffer beim Pariser Salon unter großem Tamtam den Opel Corsa der fünften Generation enthüllte, hielt sich die Begeisterung in Grenzen: Der Neue ähnelte weniger einem Supermodel, sondern sah im Großen und Ganzen aus wie der Alte. Anders war das bei einem anderen Neuzugang im Kleinwagensegment: Mit der Neuauflage des i20 stellte Hyundai im Frühjahr einen attraktiv gestylten Neuling an den Start: Im Vergleich zum Vorgänger deutlich gewachsen und dank seiner geschwärzten C-Säule fast schon wie ein Coupé wirkend, erwarb sich der gar nicht mehr so kleine Koreaner auf Anhieb viele Bewunderer

Hyundai: Extras gibt’s nur paketweise

Durchaus attraktiv gibt sich der Hyundai auch im Interieur. Die großen Fensterflächen verstärken noch das großzügige Raumgefühl, klar gezeichnete Instrumente, intuitiv bedienbare Schalter und eine griffsympathische Materialauswahl sorgen für ein angenehmes und ergonomisch durchdachtes Ambiente. Einbußen beim Komfort gibt es lediglich für die Fondpassagiere: Die Polsterung der Rückbank fiel ziemlich dünn aus, auf langen Strecken wird es hier ziemlich unbequem.

Die große Qual der Wahl haben i20-Käufer bei der Ausstattung. Im Basismodell (1,2 l, 75 PS) für 11 950 Euro sind zwar immerhin schon ein Bordcomputer, elektrische Fensterheber und ein höhenverstellbarer Fahrersitz enthalten, darüber hinaus gibt es aber noch vieles mehr, was man eventuell zu brauchen glaubt, vom Spurhalteassistenten bis hin zum beheizbaren Lenkrad: das meiste davon jedoch nur in den ohnehin schon hochpreisigen Ausstattungsvarianten im Paketverbund mit anderen mehr oder weniger wichtigen Extras.

Corsa: Gut vernetzt mit Intellilink

Bei Opel gibt man sich da deutlich kundenfreundlicher: Das 70 PS starke Einstiegsmodell „Selection” kostet zwar 30 Euro mehr, lässt sich aber auch ohne Paketzwang individuell mit Extras wie Klimaanlage, Rückfahrkamera oder einem Parkassistenten bestücken. Vor allem aber bietet der Corsa im Unterschied zum i20 mit dem Multimediasystem Intellilink fast alle Möglichkeiten moderner Kommunikation: Schon die Basisversion lässt sich für 950 Euro damit ordern und ist dann mit einem brillanten 7-Zoll-Display bestückt, das neben Radio- und Navigationsfunktionen auch die Vernetzung mit mobilen Endgeräten per Bluetooth oder USP-Buchse erlaubt, sich mit fünf Mobiltelefonen koppeln und mit Sprachbefehlen steuern lässt. Auch sonst mangelt es der Corsa-Besatzung nicht an Komfort: Die Bedienung ist absolut problemlos, die Sitze sind wie üblich bei Opel gut konturiert und gepolstert, nur auf der Rückbank geht es etwas enger zu als im Hyundai. Viel Platz dagegen bietet der Rüsselsheimer unter der Motorhaube, denn hier residiert nur ein 999 cm3 kleiner Dreizylinder. Doch der hat es, Turbo sei Dank, faustdick unter den Kolben: Spontan ansprechende und relativ laufruhige 90 PS sowie ein ordentliches Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen sorgen im Verbund mit dem spielerisch schaltbaren und gut übersetzten Getriebe für ausreichendes Temperament bei moderatem Verbrauch.

Hyundai i20: Mehrzylinder, weniger Drehmoment

Ganz anders sieht das beim Hyundai aus, dessen 1,4-l-Sauger auf dem Papier zwar einen Zylinder und zehn PS mehr zu bieten hat, die ihm aber in der Praxis kaum Vorteile verschaffen. Die Fahrleistungen sind zwar einen Hauch besser, doch der Weg dorthin bereitet wenig Freude. Die volle Leistung liefert er erst bei hohen Drehzahlen, die man wegen des sehr lang übersetzten Getriebes im fünften Gang nur mühsam und im sechsten gar nicht erreicht. Dabei dröhnt er dann so lautstark vor sich hin, dass man freiwillig vom Gas geht, was angesichts der Verbrauchswerte auch ganz ratsam ist: Auf flott gefahrenen Autobahnetappen schluckt der i20 locker 9 Liter pro 100 Kilometer, was angesichts der gebotenen Fahrleistungen entschieden zu viel ist.

Technisch hat der Opel deutlich mehr drauf

Ein wenig Feinarbeit würde auch dem Fahrwerk des Koreaners nicht schaden. Bis zu einem gewissen Punkt bügelt die Federung zwar die meisten Fahrbahnstöße ordentlich weg, grobe Wellen oder gar Schlaglöcher gibt sie aber weitgehend ungefiltert an die Insassen weiter. Ähnlich ist es beim Fahrverhalten: Bei moderatem Tempo zieht der Hyundai brav seine Bahn, ambitionierte Fahrer werden ihn aber eher als Spaßbremse empfinden: Zackige Lenkmanöver sind seine Sache nicht, in Kurven gibt er sich eher schwerfällig. Lediglich die fast schon giftig ansprechenden Bremsen können hier voll und ganz überzeugen. Der Corsa bildet in Sachen Fahrdynamik den exakten Gegenentwurf: Obwohl sehr komfortabel gefedert, mangelt es ihm nicht an Agilität. Leichtfüßig und präzise wieselt er um die Ecken und zeigt auch hier, dass er seinem Vorgänger zwar ziemlich ähnlich sieht, technisch aber deutlich mehr draufhat.

Fazit

Hyundai i20 0der Opel Corsa

Opel wirbt für seinen Corsa unter anderem mit dem Begriff der „deutschen Ingenieurskunst”. Das liest sich ein wenig pathetisch, doch da ist was dran. Zwar können auch die Koreaner inzwischen schöne, solide und sichere Autos bauen, die normalen Ansprüchen durchaus genügen. Genau hier liegt aber der Unterschied: Das letzte Quentchen Raffinesse, das beispielsweise den ebenso sparsamen wie spritzigen Antrieb oder das sportlich-komfortable Fahrwerk des Corsa auszeichnet, sucht man im i20 vergebens. Solche Qualitäten sind vielen Kunden offenbar immer noch wichtiger als ein innovatives Design oder die fünfjährige (!) Hyundai-Garantie: Allein im Juni kauften 5000 Opel-Kunden einen neuen Corsa, bei den koreanischen Händlern rollten im gleichen Zeitraum nur 1700 Exemplare des i20 vom Hof.

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