Ford Kuga und Toyota RAV4

Alle reden vom Sparen, aber kompakte SUVs zählen nach wie vor zu den Bestsellern am Markt. Der ACV testet die zweite Auflage des Ford Kuga und die vierte Generation des Toyota RAV4.

Toyota: Bullige Optik mit innerer Größe

Dem eher dezent gestylten Ford sieht man das auf Anhieb gar nicht an, dem Toyota dafür umso mehr: Die bullig geformte Frontpartie und die stark ausgestellten Kotflügel lassen den RAV4 noch größer wirken, als er tatsächlich ist. Immerhin glänzt der Toyota auch mit innerer Größe: Sämtliche Passagiere dürfen sich über großzügige Kopf-, Ellenbogen- und Beinfreiheit freuen und müssen auch beim Gepäck nicht geizen. Schon das normale Stauabteil ist mit 615 Litern üppig dimensioniert – und wer mit wenigen Handgriffen die Rückbank flachlegt, erhält eine glatte Ladefläche und ein fast schon umzugstaugliches Ladevolumen von mehr als 1,7 Kubikmetern. Im Kuga geht es da insgesamt schon ein wenig beengter zu, und die 575 Euro Aufpreis für die elektrische, aber quälend langsam öffnende und schließende Heckklappe kann man sich getrost sparen.

Dafür glänzt der Kuga in der Topausstattung Titanium mit seinem eleganten Interieur. Flottes Design, fließende Formen und bequeme Teilledersitze vermitteln auf Anhieb eine gewisse Wohlfühlathmosphäre. Lediglich die wuchtige, mit wenig sinnhaft sortierten Schaltern übersäte Mittelkonsole und das fast schon lächerlich kleine Navigationsdisplay werden nicht jeden überzeugen. Alles in allem aber erwartet die Ford-Passagiere ein wohnlicheres Ambiente als im RAV4 mit seinem skurrilen Materialmix aus mattschwarzem und glänzendem Kunststoff, Alu- und Kohlefaser-Imitaten und vereinzelten Leder-Applikationen. Keinen sonderlich positiven Eindruck hinterlassen auch die Sitze im Fond des Japaners, deren Sitzfläche eindeutig zu kurz geraten ist und Erwachsenen auf langen Strecken keinen wirklichen Sitzkomfort bietet. Als höchst angenehm erweist sich dagegen die in den höheren Ausstattungsversionen serienmäßige Rückfahrkamera, die das Einparken des großen Wagens in engen Lücken maßgeblich erleichtert.

Motoren: Der RAV4 ist stärker und sparsamer

Eine überzeugende Vorstellung liefert der Toyota in der Antriebswertung. Der 2,3-Liter-Turbodiesel unter der Haube wirft lässig 150 PS und beachtliche 340 Newtonmeter Drehmoment von der Kurbelwelle, ohne sich dabei hörbar anzustrengen. Zwei Ausgleichswellen sorgen für fast vibrationsfreie Laufkultur, und das gut schaltbare Sechsganggetriebe lässt den Wunsch nach einer Automatik (Aufpreis: 1700 Euro) eigentlich gar nicht erst aufkommen. Flott unterwegs ist man auch so: Bei Bedarf sprintet der RAV4 in weniger als zehn Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Angesichts des nicht zuletzt durch den Allradantrieb bedingten hohen Gewichts ist auch der Durst des Triebwerks noch vertretbar. 7,8 Liter pro 100 Kilometer sind ein ordentlicher Wert.

Dass es auch schlechter geht, beweist der Ford: Obwohl mit kleinerem Hubraum und weniger Leistung unterwegs, verbrennt sein Triebwerk gut einen halben Liter mehr Diesel pro 100 Kilometer und entwickelt dabei auch noch fühlbar weniger Temperament. 100 Kilo mehr auf der Waage und das geringere Drehmoment erweisen sich vor allem bei Überholvorgängen auf der Landstraße als nicht gerade hilfreich. Vornehm zurück hält sich das Kuga-Aggregat dankenswerterweise auch in Sachen Geräuschaufkommen, und das im Testwagen installierte Doppelkupplungs-Automatikgetriebe bügelt die latente Antriebsschwäche zumindest teilweise aus. Selbst beim vollen Beschleunigen sind keine Schaltrucke zu spüren, die intelligente Steuerelektronik macht manuelle Eingriffe überflüssig.

Fahrwerk: Hier hat der Ford die Nase vorn

In Sachen Fahrwerk dagegen beweist der Kuga ein weiteres Mal, dass die Kölner Entwickler in dieser Disziplin die Nase ganz weit vorn haben. Obwohl nicht unkomfortabel gefedert, beeindruckt er mit mustergültiger Handlichkeit – ein Eindruck, der von der direkt ausgelegten Lenkung und den gut dosierbaren Bremsen noch verstärkt wird. Trotz der konzeptbedingten Hochbeinigkeit lässt sich der Ford fast wie eine ganz normale Limousine fahren, was man vom Toyota beim besten Willen nicht sagen kann. Der RAV4 ist weicher gefedert, bremst schlechter und lenkt schwammiger ein, was neben dem Fahrspaß auch das Sicherheitsgefühl trübt. In Kurven gerät der Aufbau mächtig ins Wanken, und vor allem bei Nässe setzt die Stabilitätskontrolle dem kräftigen Vortrieb häufig erstaunlich frühe Grenzen. Mehr Leistung nutzt wenig, wenn man sie nicht auf die Straße bringen kann.

Fazit

Ford Kuga und Toyota RAV4

Endlich mal wieder ein klarer Sieger: Trotz kleiner Schwächen ist der Kuga in der Summe seiner Eigenschaften die bessere Wahl und lässt den RAV4 vor allem in puncto Handlichkeit ziemlich alt aussehen. Mehr Temperament bei schlechterer Straßenlage ist auch nicht unbedingt ein Argument für den Toyota, und die hohen Versicherungseinstufungen gehen mehr ins Geld, als man mit dem niedrigeren Verbrauch einsparen kann. Zu beiden gäbe es allerdings auch eine interessante Alternative: einen großen Kombi, der dank seines niedrigeren Schwerpunkts satter auf der Straße liegt und mit geringerem Luftwiderstand weniger verbraucht. Auf eine Rückfahrkamera ließe sich dann auch verzichten.

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