Dacia Sandero und Hyundai i10

Sie wollen wenig zahlen, aber gut fahren? Der Sandero von Dacia und der i10 von Hyundai zählen zu den billigsten Autos in Deutschland – aber nicht zu den schlechtesten. Wir haben die beiden Neuwagen getestet.

Kleinwageneigner waren früher eine bedauernswerte Spezies. Mit den rollenden Zwergen kam man zwar trocken von A nach B, musste sich aber mit unschönen Begleiterscheinungen arrangieren. Rachitische Motoren, rumpelnde Fahrwerke, knappes Platzangebot, karges Ambiente und teilweise erschütternde Crashtest-Resultate erinnerten Fahrer und Passagiere stets an ihren Status am unteren Ende der automobilen Fahnenstange. Das hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Kleinwagen sind zwar immer noch klein, bieten aber inzwischen einen Standard, mit dem es sich gut leben lässt.

Dacia: Viel Platz für wenig Geld

Das gilt sogar für das billigste Auto auf dem deutschen Markt, den Dacia Sandero. Der ist mit einer Länge von mehr als vier Metern noch nicht einmal klein, sondern überragt sogar den VW Polo, während er ihn preislich fast um die Hälfte unterbietet: Der Einstiegs-Sandero ist schon für 6890 Euro zu haben. Nicht ganz so günstig und deutlich kürzer ist der derzeit wohl beste Kleinwagen auf dem Markt: Der Hyundai i10 kostet in der Basisversion 9950 Euro. Und während sich in den gehobenen Klassen allein die Aufpreise nicht selten zu fünfstelligen Summen addieren, bleiben die Kleinen auch hier bescheiden: Trotz Top-Ausstattung kosten beide Testwagen immer noch weniger als ein Polo in der Grundversion.

Dem Sandero sieht man seine Bescheidenheit auch an: Optisch gibt er sich eher unauffällig, der Innenraum wirkt nicht wirklich heimelig, das Gepäck lagert auf simplem Nadelfilz, aber funktional kann das in Marokko gefertigte Preiswunder der rumänischen Renault-Tochter durchaus überzeugen. Die Sitze bieten langstreckentauglichen Komfort für fünf ausgewachsene Menschen, das Navigationssystem zum konkurrenzlos günstigen Preis von 279 Euro lässt sich intuitiv bedienen, und die Serienausstattung samt Radio, elektrischen Fensterhebern und Außenspiegeln, höhenverstellbarem Fahrersitz und Lenkrad sowie Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung wirkt ebenfalls erfreulich komplett.

Hyundai: Charmant, aber etwas eng

Optisch ansprechender kommt der kleinste Hyundai daher: Auf 3,67 Meter Kürze haben Designer zwar wenig Spielraum, doch den haben die Koreaner genutzt: Ein gewisser Charme lässt sich dem i10 nicht absprechen, schon gar nicht im Passagierabteil: Auch das Cockpit ist appetitlich gestylt und sinnvoll sortiert, die Rückbank ist durch die serienmäßigen hinteren Türen leicht erreichbar und bietet zur Not selbst Erwachsenen ausreichenden Raum. Auch hier sind die wichtigsten Extras serienmäßig, im Unterschied zum Sandero Lauréate sind beim i10 Style sogar Leichtmetallräder und eine Klimaanlage inklusive, doch ein werksinstalliertes Navigationssystem sucht man sogar in der Aufpreisliste vergebens.

Hyundai: Der Motor könnte stärker sein

Arg minimalistisch geht es unter der Motorhaube des Hyundai zu: Der 1,0-l-Dreizylinder leistet gerade mal 67 PS und bringt den relativ schweren i10 in den oberen Gängen damit nur zäh auf Trab. Positiv bemerkbar macht sich das Aggregat aber mit niedrigem Verbrauch und kultivierten Manieren: Das für Dreizylinder typische Schnattern ist wirkungsvoll gedämmt und das Getriebe lässt sich so sauber und knackig schalten wie bei einem Premium-Mobil. Im Vergleich dazu wirkt sogar die Antriebseinheit eines VW Up ziemlich billig.

Auch der Sandero kann hier nur bedingt mithalten: Das Turbo-geladene 0,9-l-Motörchen produziert bei relativ hoher Drehzahl immerhin 90 PS, mit denen es sich auch auf der Autobahn gut mitschwimmen lässt. Abstriche machen muss man allerdings beim Antriebskomfort: Motor und Getriebe gehen ziemlich lautstark zu Werke und schnelle Schaltmanöver scheitern häufig am hakelnden Getriebe.

Dacia: Viel Komfort dank langer Federwege

Dafür bietet der Dacia überraschend viel Fahrkomfort: Lange Federwege und eine weiche Dämpfung nehmen selbst schlechten Straßen ihren Schrecken, sorgen jedoch bei flotter Fahrweise auch für starke Seitenneigung in Kurven. Sportliche Fahreigenschaften standen aber ohnehin wohl nicht im Lastenheft der Sandero-Entwickler – ansonsten hätten sie vermutlich auch die Lenkung etwas präziser ausgelegt. Viel handlicher und immer noch ausreichend komfortabel gefedert fährt sich der Hyundai: Obwohl sehr leichtgängig, vermittelt die Lenkung guten Kontakt zur Fahrbahn, und dank knapper Abmessungen und kleinen Wendekreises ist der i10 geradezu prädestiniert für Parkmanöver auf engstem Raum. Damit schont er die Brieftasche auch noch nach dem Kauf: Wo größere Autos ins teure Parkhaus müssen, findet sich für den Hyundai fast immer noch eine preiswerte Lücke.

Fazit

Dacia Sandero oder Hyundai i10

Der Sandero ist ein vollwertiger Volks-Wagen. Er erfüllt in Sachen Motor, Fahrwerk und Sicherheit die Grunderwartungen an ein Automobil, hat Platz für fünf Personen mit Gepäck, verzichtet auf stilistische Gags ebenso wie auf technische Kinkerlitzchen, ist konkurrenzlos billig und obendrein noch mit einer Dreijahresgarantie versehen. Noch zwei Jahre länger bürgt Hyundai für den i10, der sich mit mehr Chic und weniger Raum eher als Stadtmobil oder Zweitwagen für die junge Familie empfiehlt. Dabei ist der höhere Preis für das kleinere Auto unter Umständen durchaus gut angelegt: Konzeptionell, stilistisch und qualitativ bildet der Koreaner die eindeutig bessere Alternative.

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Nissan Pulsar und Opel Astra

    Neuwagentest

    Nissan Pulsar und Opel Astra heißen die jüngsten Wettbewerber in der Kompaktklasse. Was sie können zeigt unser Vergleich.
    Nissan Pulsar und Opel Astra
  • Jaguar F-Type und Porsche Cayman

    Neuwagentest

    Nach 40-jähriger Abstinenz hat Jaguar wieder einen echten Sportwagen im Angebot: Wie schlägt sich der F-Type in unserem ACV-Vergleich mit dem Porsche Cayman?
    Jaguar F-Type und Porsche Cayman
  • Hyundai i20 und Opel Corsa

    Neuwagentest

    Der neue Hyundai i20 ist der absolute Hingucker in der Kleinwagenklasse. Wie es um seine inneren Qualitäten steht, zeigt Ihnen unser Vergleich mit dem neuen Opel Corsa.
    Hyundai i20 und Opel Corsa