BMW 2 Active Tourer und VW Golf Sportsvan

Vans können alles, nur nicht sportlich? Mit dem Active Tourer und dem Sportsvan wollen BMW und VW das Gegenteil beweisen. Welcher der sportlichere ist, zeigen wir Ihnen in unserem Vergleich.

Mit einem Minivan macht man beim Nachbarn nicht allzu viel her. Im Unterschied zu gleich großen und ähnlich teuren SUVs sind die kompakten Großraum-Vehikel mit einem eher tristen Image behaftet. Schlimmer noch: Speziell der verblichene Golf Plus und die alte B-Klasse von Mercedes gelten unter bösartigen Zeitgenossen ob der Mehrheit ihrer Fahrer und deren zumeist lethargischer Performance im Straßenverkehr als rollende Seniorenheime.

Flotte Namen: Der Zeitgeist lässt grüßen

Nicht zuletzt deswegen verpassten die VW-Strategen dem Nachfolger des schon optisch betulich wirkenden Golf Plus neben einer knackigeren Optik auch einen flotteren Namen. Ähnlich dachte man offenbar auch bei BMW: Der erste Van in der Firmengeschichte hört auf die zeitgeistige Modellbezeichnung Active Tourer und soll damit vor allem freizeitaktive Jungfamilien ansprechen. Hinzu kommen bei ihm zwei weitere Innovationen: Um mehr Raum in Fond und Gepäckabteil zu schaffen, wichen die BMW-Entwickler erstmals von ihrer bisherigen Heckantriebs-Monokultur ab und im Basismodell 218i sorgen erstmals nur drei Zylinder für den Vortrieb.

Die Optik der bis auf wenige Zentimeter identisch großen Kontrahenten unterscheidet sich fundamental: Der Sportsvan wirkt mit seinen klaren Linien und dem reduzierten Design nicht mehr so plump wie sein Vorgänger und sieht auf den ersten Blick aus wie ein ganz normaler Golf. Dass er 13 Zentimeter länger ist als das Basismodell, fällt kaum auf. Der Active Tourer dagegen entspricht mit seinem klassischen One-Box-Design herkömmlichen Van-Idealen und lässt sich auf Anhieb nur angesichts der Frontpartie mit dem Nierengrill als BMW identifizieren.

Cockpit: Beim BMW heimischer, beim VW edler

Im Cockpit gelingt die Differenzierung vom Van-Einerlei schon eher. Abgesehen von der leicht erhöhten Sitzposition werden sich BMW-Fahrer im Active Tourer sofort heimisch fühlen und feststellen, dass Material– und Verarbeitungsqualität den von den Bayern in dieser Preisklasse gewohnten Standard sogar leicht übertreffen. Auch am Platzangebot gibt es nichts zu mäkeln: Kopf– und Beinfreiheit sind auf allen Plätzen reichlich vorhanden und der variabel gestaltbare Laderaum umfasst bei umgeklappter Fondbank ein Volumen von 1,5 Kubikmetern. Fast identisch ist das maximale Schluckvermögen des Sportsvan-Frachtabteils, das allerdings bei aufrechter Stellung der serienmäßig verschiebbaren Rückbank etwas mehr Raum zu bieten hat. Zudem punktet der VW bei der Bewertung des Innenraums mit seiner noch edleren Materialanmutung und der besseren Übersichtlichkeit.

Leistungsunterschiede der Sportvans

Eine gewisse Überlegenheit des VW gegenüber dem BMW hätten wir auch in Sachen Antrieb erwartet. Schließlich gilt der 125 PS starke 1,4-l-Direkteinspritzer aus Wolfsburg mit seinem seidigen Lauf und dem überzeugenden Kompromiss aus Leistung und Verbrauch als Musterknabe seiner Gattung. Da mitzuhalten dürfte einem Dreizylinder schwerfallen, dachten wir, wurden aber angenehm überrascht. Der gleiche Motor, der in anderer Konfiguration auch den Hybrid-Sportwagen i8 befeuert, erweist sich im Active Tourer als ebenso leistungsstarker wie kultivierter Antrieb. Die bei einem Dreizylinder konstruktionsbedingt auftretenden Massenkräfte werden von einer Ausgleichswelle und Schwingungsdämpfern wirkungsvoll unterdrückt und seine 136 PS reichen aus, um den Golf beim Sprint von 0 auf 100 km/h abzuhängen. Zudem sind sie so genügsam, dass sie den Verbrauch des VW-Motors noch unterbieten.

Die Überraschung: BMW kann auch Frontantrieb

Die zweite Überraschung lieferte der Bayern-Van in Sachen Fahrverhalten. Wer glaubte, BMW könne nur Heckantrieb, sieht sich hier eines Besseren belehrt. Ob Einlenkverhalten, Lenkpräzision oder Traktion in Kurven der Active Tourer macht hier seinem Namen alle Ehre und fährt sich noch agiler als der schon auf sehr hohem Niveau angesiedelte Sportsvan. Der wiederum dürfte komfortorientierten Insassen unter Umständen trotzdem besser gefallen, weil er fühlbar weicher über den Asphalt gleitet als der doch recht straff gefederte BMW. Beide Modelle beweisen auf eindrucksvolle Weise, dass kleine Vans nicht aussehen müssen wie Schuhkartons und dass sie fast alles besser können als ein etwa gleich großer SUV: Sie fahren sich komfortabler und handlicher, verbrauchen weniger Sprit, bieten mehr Platz für Passagiere und Gepäck als ein BMW X1 oder ein VW Tiguan, kosten aber deutlich weniger. Allenfalls im Gelände ziehen sie den Kürzeren, aber mal ganz ehrlich: Wer will da schon hin?

Fazit

BMW 2 Active Tourer oder VW Golf Sportsvan

Ein Golf ist nun mal ein Golf: Nicht billig, aber dafür auch fast perfekt. Aber ein BMW im Van-Format, dazu noch mit Frontantrieb und nur drei Zylindern? Puristen werden da die Nase rümpfen. Doch dazu besteht kein Anlass: Die Bayern haben es auf eindrucksvolle Weise geschafft, das Praktische mit dem Sportlichen zu verbinden. Der Active Tourer fährt sich so handlich, wie man es von einem BMW erwartet und selbst mit dem kleinsten Motor muss man nicht auf markentypisches Temperament verzichten. Schade nur, dass sich die konstruktiv weniger aufwendige Bauweise nicht auch im Kaufpreis niederschlägt.

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