Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse

Der A4 von Audi, der BMW 3er und die Mercedes C-Klasse zählen zu den 20 meistverkauften Autos in Deutschland. Diese drei Kombi-Varianten haben wir für Sie getestet.

Und das hat seinen Grund. Denn zumindest auf dem deutschen Markt werden in dieser Klasse deutlich mehr Kombis als Limousinen verkauft. Kein Wunder: Ein Heckklappen-Vehikel lässt sich nicht nur variabler nutzen, sondern macht auch optisch mehr her als eine schlichte Limousine. Offenbar gibt es doch noch Kunden, die ein klassisch-elegantes Design dem klobigen Pomp der SUVs vorziehen, egal ob in Form des geradlinig und eher kühl gestylten Audi oder der von schwungvollen Blechfalten gezierten Wettbewerber.

BMW: Nüchterner Innenraum

Eleganz wird auch im Interieur von Audi und Mercedes großgeschrieben, der BMW wirkt im direkten Vergleich ein wenig schlichter.

Hervorragende Sitze mit hohem Langstreckenkomfort bieten dagegen alle drei, im BMW müssen Rückbank-Passagiere jedoch den kompakteren Außenmaßen Tribut zollen: Der 3er ist zehn Zentimeter kürzer als der A4  und die gehen hier zu Lasten der Kniefreiheit.Einig waren sich die Konstrukteure aber offenbar bei der Bemessung des Ladevolumens, das in allen drei Fahrzeugen so gut wie identisch ist.

Audi: Toller Motor, aber komplizierte Bedienung

Fast ohne Fehl und Tadel sind die Cockpits der Kontrahenten. Bei allen serienmäßig sind hochauflösende Displays, die nicht betatscht werden müssen, sondern sich simpel per Dreh-/Drücksteller auf der Mittelkonsole bedienen lassen. Auch sonst lässt sich über mangelnde Funktionalität nicht klagen, es sei denn, man hat für den Audi das brandneue und sündteure Infotainmentsystem „MMI Navigation plus“ (Aufpreis: 2810 Euro) geordert, das zwar unglaublich viel kann, dessen Bedienung sich aber selbst digitalen Routiniers nicht intuitiv erschließt.

Fahren dagegen kann der A4 dafür besser als die Konkurrenten. Das neue 2.0-Turbo-Triebwerk sorgt für die flottesten Fahrleistungen des Trios, läuft so seidig wie ein Sechszylinder und glänzt dabei dank eines neuen Brennverfahrens auch noch mit dem niedrigsten Spritkonsum: Der Testverbrauch von 8,7 l/100 km ist für einen 1,5 Tonnen schweren und 190 PS starken Benziner aller Ehren wert und wer es darauf anlegt, kann durchaus auch mit weniger als acht Litern vorankommen. Hinzu kommt seine ausgewogene Fahrwerksabstimmung: Die Balance zwischen Komfort und Agilität ist hier perfekt gelungen.

Der BMW ist fühlbar sportlicher ausgelegt

Vor allem im beladenen Zustand lässt er seine Insassen deutlich spüren, wo die Fahrbahndecke dringend mal erneuert werden sollte. Dafür bietet er auf guten Straßen und vor allem in Kurven den meisten Fahrspaß: Die Lenkpräzision ist vom Feinsten, und ein simuliertes Ausweichmanöver absolviert der 3er unaufgeregter als seine Kontrahenten. Weniger überzeugen kann der Motor: Auch hier steckt ein Turbo-Vierzylinder unter der Haube, der aber nicht so spontan antritt, wie man es von einem 184 PS starken BMW erwarten könnte und obendrein auch noch deutlich mehr verbraucht.

Mercedes: Unten träge, oben laut

Nicht hundertprozentig überzeugen kann auch das ebenfalls turbogeladene Mercedes-Aggregat. Im unteren Drehzahlbereich wirkt es ziemlich träge, kommt beim weiteren Ausdrehen zwar ordentlich zur Sache, entwickelt dann aber auch ein Geräuschniveau, das komfortorientierte Daimler-Fahrer wohl eher als störend empfinden dürften.

Voll den Geschmacksnerv der Klientel getroffen haben die Entwickler dagegen mit der Fahrwerksabstimmung: Die C-Klasse federt die meisten Unebenheiten souverän ab, ohne dabei sänftenmäßigen Luxus zu vermitteln. Damit lässt sie sich zwar nicht so spielerisch bewegen wie der BMW und wirkt etwas schwerfälliger als der Audi, bietet aber unter dem Strich ein höchst souveränes Fahrgefühl.

Preisgestaltung: Nach oben offen

Souveränität ist auch gefragt, wenn es an das Studium der Preislisten geht. 88 Seiten umfasst der Katalog der Versuchungen beim BMW, und wer beim Ankreuzen der Optionen nicht strenge Disziplin walten lässt, kann wie auch bei Audi und Mercedes locker auf Endpreise weit jenseits der 50 000-Euro-Schwelle kommen. Das fängt mit der Lackierung an: Alles andere als schwarz oder weiß kostet Aufpreis. Es geht weiter mit Doppelkupplungs-Getrieben, ganzen Paketen von Assistenzsystemen, monströsen 19-Zoll-Rädern, diversen Licht– und Leder-Optionen und endet bei Sound-Systemen von Edelmarken wie Bang & Olufsen (Audi) oder Burmester (Mercedes). Ob man so was braucht ist Geschmackssache. Von Mittelklasse kann hier ohnehin keine Rede mehr sein.

Fazit

Audi A4, BMW 3er oder Mercedes C-Klasse

Premium kostet extra, das ist bei Autos dasselbe wie bei Möbeln, Lebensmitteln oder Fahrrädern. Angesichts dreier Testkandidaten, die haarscharf an der Grenze zur Perfektion entlangschrammen, relativieren sich so auch die (Grund-)Preise, die fast exakt durchschnittlichen Arbeitnehmer-Jahreseinkommen entsprechen. Andererseits: Für rund 10 000 Euro weniger gibt es nicht ganz so perfekte, aber durchaus empfehlenswerte Alternativen (Ford Mondeo Turnier, Opel Insignia), die sogar noch mehr Platz bieten. Ein Premium-Prestige-Paket findet man aber bei ihnen noch nicht mal in der Aufpreisliste.

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