Mazda 2 und Seat Ibiza

Wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht dasselbe. Mazda 2 und Seat Ibiza sind zwar gleich groß und gleich stark, ansonsten aber ziemlich gegensätzlich, wie unser Vergleich zeigt.

Als „so schön wie immer“ preisen die Marketingstrategen von Seat den neuen Ibiza  und meinen damit: Der Neue sieht bis auf ein paar Details genauso aus wie der Alte. Von der jüngsten Generation des Mazda 2 kann man das nicht behaupten. Der kleine Japaner wuchs im Vergleich zu seinem Vorgänger um stolze 14 Zentimeter, kommt in einem völlig neuen Outfit daher, wurde in seinem Heimatland zum schönsten Auto des Jahres gewählt und bereichert auch das deutsche Kleinwagensegment um eine ansehnliche Alternative. Wobei der Kleinwagenbegriff hier eigentlich kaum noch zutrifft: Beide Autos sind exakt vier Zentimeter länger als der gute alte Golf III, der zu seiner Zeit als Musterbeispiel eines Kompaktwagens galt.

Wohnlich ist es nur in der ersten Reihe

Damit sollte eigentlich auch klar sein, dass beide Autos relativ viel Platz für vier Erwachsene bieten, doch das gilt nur für die erste Reihe: Im Fond haben Ibiza-Passagiere mehr Knie-, aber weniger Kopffreiheit als im Mazda 2. Trotzdem fühlt man sich auf der Seat-Rückbank subjektiv wohler, weil im Mazda die hohe Fensterkante und eine tiefe Sitzposition den Blick nach draußen nicht gerade erleichtern. Ob man sich im nüchtern gestalteten Ibiza-Cockpit wohler fühlt als im lifestylig aufgebrezelten Mazda-Interieur, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Luftdüsen im Audi-Look und einen zentral angeordneten Drehzahlmesser wie bei Porsche kann man toll finden, muss man aber nicht. Zwei Vorteile dagegen kann der Seat auf langen Strecken verbuchen: Seine Sitze erweisen sich speziell auf die Dauer als deutlich komfortabler und in den Kofferraum passt deutlich mehr Gepäck.

Netter Gag: Im Connect ist ein Smartphone drin

In Sachen Infotainment sind beide Modelle voll auf der Höhe der Zeit. Serienmäßig verfügen sie neben einem guten Audio-System über gestochen scharfe Displays, integrierte Freisprechanlage sowie Bluetooth- und USB-Schnittstellen samt Internet- und Smartphone-Konnektivität.

Zuzahlen muss man bei den getesteten Ausstattungsversionen nur für ein integriertes Navigationssystem, das bei Mazda 690 Euro und bei Seat 400 Euro kostet. In der Connect-Version des Ibiza ist sogar ein Smartphone (Samsung Galaxy A3) enthalten, während der Japaner mit einem Detail aufwartet, das es sonst nur in der Oberklasse gibt: Mazda-Fahrer müssen nicht auf dem Touchscreen herumfummeln, sondern können das Display über einen Dreh-Drück-Controller auf der Mittelkonsole ansteuern.

Deutliche Unterschiede trotz identischer Leistung gibt es dagegen beim Antrieb. Der Ibiza generiert seine 90 PS aus einem 1,2-Liter-Maschinchen, dem ein Turbolader auf die Sprünge hilft und damit schon im unteren Drehzahlbereich für ordentlichen Schub gesorgt ist. Schon bei 1600 Umdrehungen pro Minute strömt das volle Drehmoment von der Kurbelwelle, was das Geräuschniveau im Innenraum reduziert und schaltfaulen Fahrern entgegenkommt.  

Vorteile bei der Leistung

Häufiger zum Schalthebel greifen muss man im Mazda, dessen vergleichsweise simpel gestrickter, aber sehr hoch verdichteter 1,5-l-Saugmotor die Leistung über die Drehzahl holt und fleißiges Schalten, vorausgesetzt auch für bessere Fahrleistungen sorgt. Auf den Verbrauch wirkt sich das Mehr an Temperament nicht negativ aus, im Gegenteil: Im Test konsumierte der Mazda sogar etwas weniger Sprit als der Seat. Eher dynamisch veranlagte Fahrer dürften sich auch wohl kaum an der ziemlich straff ausgelegten Federungsabstimmung des Mazda 2 stören, zumal sie ebenso wie die präzise Lenkung der Fahrdynamik zu Gute kommt. Nicht ganz so zielgenau und handlich, dafür aber komfortabler fährt sich der Seat, dessen Federung Wellen und Fugen in der Fahrbahn deutlich besser ausbügelt.

Volles Programm: Edle Extras für den Mazda

Ungewöhnlich für diese Fahrzeugklasse ist bei Mazda das Spektrum an optionalen Ausstattungen, die sonst nur für deutlich teurere Fahrzeuge zu haben sind: Im 900 Euro teuren Technikpaket sind neben Fernlicht-, Spurhalte- und Spurwechselassistenten auch ein Head-up-Display und eine Einparkhilfe enthalten. Wer auch noch das Lichtpaket bucht, bekommt für 650 Euro Voll-LED-Scheinwerfer samt LED-Tagfahrlicht dazu. So weit ist man bei Seat noch nicht. Immerhin gibt es für den Spanier aber Bi-Xenon-Scheinwerfer (550 Euro), eine Rückfahrkamera (270 Euro) sowie eine Einparkhilfe für vorn und hinten (410 Euro).

Der Ibiza ist tatsächlich nur „so schön wie immer“, der Mazda entspricht in punkto Design und verfügbaren Sicherheits-Accessoires schon eher dem Zeitgeist. Wer darauf keinen sonderlichen Wert legt, ist aber mit dem Seat ebenfalls gut und auch noch komfortabler bedient.

Fazit

Mazda 2 oder Seat Ibiza

Kleinwagen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Im Lauf der Zeit wurden sie nicht nur deutlich größer, komfortabler und sicherer als früher, sondern damit auch zwangsläufig entsprechend teurer. Kein Wunder, dass schon die Basisversionen der getesteten Modelle mit jeweils 75 PS und karger Ausstattung deutlich mehr als 13 000 Euro kosten. Mit entsprechenden Extras und vielleicht auch stärkeren Motoren (Mazda bis 115 PS, Seat bis 192 PS) kratzt man unter Umständen sogar an der 20 000-Euro-Schwelle, was sich aber dadurch relativiert, dass Kleinwagen heute auch deutlich mehr bieten. „Mehr als einen Golf braucht kein Mensch“, hieß es früher. Heute gilt das schon für den Polo und seine Klassenkameraden.

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