Opel Karl

Opel Karl und Renault Twingo

Klei­ner geht’s kaum: Opel Karl und Renault Twingo lie­gen am unte­ren Ende der Preis­skala für Neu­wa­gen. Trotz­dem bie­ten sie über­ra­schende Qua­li­tä­ten.

Das beginnt schon mit dem Design des Renault. Im Unter­schied zum brav gestyl­ten Vor­gän­ger­mo­dell wirkt der neue Twingo mit sei­ner knuffi­gen Front­par­tie und dem nach hin­ten abfal­len­den Dach ziem­lich ori­gi­nell, was nicht unbe­dingt hei­ßen muss, dass jeder ihn als schön emp­fin­det. Deut­lich unauf­fäl­li­ger dage­gen mutet der kleine Opel an, doch das schlichte Design passt gut zum alt­deut­schen Namen Karl, mit dem die Rüs­sels­hei­mer an den ältes­ten Sohn ihres Fir­men­grün­ders erin­nern wol­len.

Innen­raum: Klas­sisch im Opel, fröh­lich und eng im Renault

Renault Twingo
Renault Twingo: Das ideale Stadt­auto, schlap­per Motor, aber sehr wen­dig

Dazu pas­send gestal­tet ist auch der Innen­raum des Opel, in dem es sehr klas­sisch zugeht: Stoffe, Ver­klei­dun­gen und Cock­pit prä­sen­tie­ren sich in nüch­ter­nem Schwarz, wobei in den geho­be­nen Aus­stat­tungs­ver­sio­nen immer­hin ein wenig Kla­vier­lack glän­zende Akzente setzt. Im Ver­gleich dazu wirkt das helle Twingo-​Interieur mit sei­ner Zwei­far­big­keit und der rund­li­chen For­men­spra­che frisch und fröh­lich, es beschränkt sich aber auf das Nötigste, und das merkt man nicht nur an der Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät: Der Twingo-​Chauffeur muss sogar auf einen Dreh­zahl­mes­ser ver­zich­ten, und auf der Rück­bank geht es sehr beengt zu.

Dafür kön­nen auch die prak­ti­schen und je nach Aus­stat­tung mehr oder weni­ger zahl­reich vor­han­de­nen Stau­fä­cher kaum ent­schä­di­gen. Im Gegen­satz dazu wirkt der Karl fast schon wie ein klei­ner Van: Vier Erwach­sene fin­den im ver­gleichs­weise auf­wen­dig ver­ar­bei­te­ten Inte­ri­eur locker Platz und sit­zen dank grö­ße­rer Kopf-​, Knie– und Ellen­bo­gen­frei­heit auch in der zwei­ten Reihe noch deut­lich kom­for­ta­bler. Die Kof­fer­räume der Kan­di­da­ten sind in etwa gleich knapp bemes­sen, was ange­sichts der kur­zen Außen­maße in der Natur der Sache liegt. Auch hier kas­siert der Re­nault jedoch wegen der sehr hohen Lade­kante ein paar Minus­punkte.

Vor­teile bei Opel, Nach­teile bei Renault

Ver­ant­wort­lich für die hoch lie­gende Lade­flä­che ist der unter dem Kof­fer­raum plat­zierte Motor, der aber nicht nur auf­grund sei­ner Ein­bau­lage wenig Freude berei­tet. Der bil­lig klin­gende und durch­zugs­schwa­che Drei­zy­lin­der bringt den Twingo nur müh­sam auf Trab, ver­fehlte die Werks­an­gabe für die Beschleu­ni­gung von 0 auf 100 km/​h um mehr als eine Sekunde und macht noch nicht mal beim Tan­ken Freude: Ange­sichts der gebo­te­nen Fahr­leis­tun­gen und der man­gel­haf­ten Lauf­kul­tur ist der Test­ver­brauch von 6,5 Litern ein­deu­tig zu hoch. Wie es bes­ser geht, zeigt der Opel: Obwohl nomi­nell nur vier PS stär­ker, holen seine drei Zylin­der in Ver­bin­dung mit dem kurz über­setz­ten Getriebe viel mehr Tem­pe­ra­ment aus dem glei­chen Hub­raum, hal­ten sich akus­tisch vor­nehm zurück und ver­feu­ern auch noch weni­ger Sprit.

Fahr­werk: Der Twingo ist Wendekreis-​Weltmeister

Auch in Sachen Fahr­werk wirkt der Opel aus­ge­wo­ge­ner als der Renault. Beide Kon­tra­hen­ten sind rela­tiv straff gefe­dert, doch beim Fahr­ver­hal­ten schei­den sich die Geis­ter. Dank sei­ner rela­tiv direkt über­setz­ten und prä­zi­sen Len­kung lässt sich der Karl gera­dezu spie­le­risch fah­ren und auch mal flott um die Ecken bewe­gen, wäh­rend die Twingo-​Steuerung sehr syn­the­tisch wirkt und dem Fah­rer nur wenig Rück­mel­dung ver­mit­telt. Das ist umso über­ra­schen­der, weil Fahr­zeu­gen mit Heck­mo­tor nor­ma­ler­weise der Ruf vor­aus­eilt, beson­ders hand­lich zu sein. Doch die­sen Trumpf kann der Twingo nur im Stadt­ver­kehr aus­spie­len – dann näm­lich, wenn es darum geht, in engen Lücken ein­zu­par­ken oder ohne Zurück­set­zen in einem Zug auf der Straße zu wen­den. Die Vor­gabe, keine Antriebs­wel­len an der Vor­der­achse unter­brin­gen zu müs­sen, nutz­ten die Renault-​Entwickler, um den Vor­der­rä­dern höhere Ein­schlags­win­kel zu gestat­ten und so den Wen­de­kreis auf impo­sante 8,9 Meter zu redu­zie­ren. Hier haben Karl-​Fahrer das Nach­se­hen – der Opel benö­tigt zum Wen­den in einem Zug eine Stra­ßen­breite von min­des­tens 10,5 Metern.

Opel Karl
Opel Karl: nur acht Zen­ti­me­ter län­ger, aber innen deut­lich grö­ßer

Info­tain­ment: Online-​Anbindung inklu­sive

Ziem­lich weit vorn sind die bei­den Winz­linge dafür in einer Dis­zi­plin, die vor allem bei der jugend­li­chen Kund­schaft hohe Prio­ri­tät hat. Beide ver­fü­gen in der getes­te­ten Aus­stat­tung über sehr ordent­li­che Audio-​Anlagen mit vier Laut­spre­chern, die sich gegen Auf­preis zu moder­nen Multimedia-​Systemen erwei­tern las­sen. So beinhal­tet das 990 Euro teure Techno-​Paket für den Renault neben einer Rück­fahr­ka­mera und einer akus­ti­schen Ein­park­hilfe das Online-​System R-​Link, das per Lenk­rad­fern­be­die­nung und über einen 7-​Zoll-​Touchscreen den Zugriff auf ein Tomtom-​Navi sowie Tele­fon– und Internet-​Funktionen bie­tet. Noch prak­ti­scher ist das IntelliLink-​Radio (Auf­preis: 600 Euro) des Opels, das sich per Apple Car­Play und Android Auto mit den meis­ten Smart­pho­nes ver­net­zen lässt und daher keine eigene Navi­ga­ti­ons­soft­ware benö­tigt. Dar­über hin­aus erlaubt das Sys­tem auch die Nut­zung zahl­rei­cher Apps über das 7-​Zoll-​Display, Frei­spre­chen mit­tels Bluetooth-​Verbindung sowie das Vor­le­sen und Dik­tie­ren von Text­nach­rich­ten. Mehr Infotainment-​Komfort ist selbst für deut­lich grö­ßere und teu­rere Autos kaum zu haben.

Fazit: Opel Karl oder Renault Twingo

Wer sich für einen Klein­wa­gen in der 10 000-​Euro-​Klasse inter­es­siert, hat keine allzu große Aus­wahl. Außer dem Hyun­dai i10 und dem VW Up gibt es für die bei­den Test­kan­di­da­ten kaum ernst­hafte Kon­kur­renz. Die Qua­li­tä­ten des Opel Karl rei­chen locker aus, um im Ver­gleich mit den bis­he­ri­gen Platz­hir­schen locker mit­zu­hal­ten und das gilt auch für seine Preis­ge­stal­tung. Der Renault dage­gen kann da nicht mit­hal­ten. Auf­grund sei­ner außer­or­dent­li­chen Hand­lich­keit kommt er im Stadt­verkehr zwar ganz groß raus, lange Stre­cken las­sen sich aber mit den Wett­be­wer­bern deut­lich ent­spann­ter zurück­le­gen.