Opel Astra

Nissan Pulsar und Opel Astra

Nis­san Pul­sar und Opel Astra hei­ßen die jüngs­ten Wett­be­wer­ber in der Kom­pakt­klasse. Was sie kön­nen zeigt unser Ver­gleich.

Ein wenig muss man sie schon bewun­dern, die Desi­gner und Kon­struk­teure, die in regel­mä­ßi­gen Abstän­den die Königs­auf­gabe zu bewäl­ti­gen haben, ein neues Modell im Kom­pakt­seg­ment auf die Räder zu stel­len. Das klas­si­sche Fünftürer-​Format ist weit­ge­hend aus­ge­reizt, für sti­lis­ti­sche und tech­ni­sche Höhen­flüge bleibt bei opti­ma­ler Raum­aus­nut­zung auf vier­ein­halb Metern wenig Gestal­tungs­spiel­raum. Exem­pla­risch dafür steht der Nis­san Pul­sar, der obwohl völ­lig neu unter sei­nen Klas­sen­ka­me­ra­den kaum auf­fällt. Dass es mit ent­spre­chen­der Moti­va­tion und tech­ni­schem Know-​how auch anders geht, demons­triert Opel mit der fünf­ten Gene­ra­tion des Astra.

Mehr Platz im Nis­san, mehr chic im Opel

Nissan Pulsar
Nis­san Pul­sar: Spar­sa­mes Fahr­zeug

Das zeigt sich schon bei der Form­ge­bung: Der Astra wirkt dank nied­ri­ger Bau­höhe, einem kes­sen Knick in den hin­te­ren Sei­ten­schei­ben und dem nach hin­ten abfal­len­den Dach fast schon wie ein Coupé, auch der Ver­zicht auf modi­sche Fal­ten und Wülste im Blech wirkt sich posi­tiv auf sein schnörkellos-​elegantes Erschei­nungs­bild aus. Beim ver­gleichs­weise pum­me­li­gen Pul­sar dage­gen konn­ten die Desi­gner den viel­fäl­ti­gen Mög­lich­kei­ten moder­ner Blech­pres­sen nicht wider­ste­hen. Der Nis­san folgt dem all­ge­mei­nen Trend zur drei­di­men­sio­na­len Karos­se­rie­ge­stal­tung, was ihn eben des­we­gen auch ziem­lich ver­wech­sel­bar macht und die höher auf­ra­gende Karos­se­rie trägt eben­falls nicht gerade zur opti­schen Gran­dezza bei.

Zumin­dest Letz­te­res wirkt sich jedoch recht posi­tiv auf den Innen­raum aus. Der Pul­sar über­rascht mit einem unge­wöhn­lich luf­ti­gen Raum­ge­fühl, das nicht nur aus der üppi­gen Kopf– und Bein­frei­heit im Fond resul­tiert. Große Fens­ter­flä­chen und schlanke Dach­säu­len ver­mit­teln im Ver­bund mit der rela­tiv hohen Sitz­po­si­tion deut­lich bes­sere Aus­sich­ten als der Astra, des­sen Fah­rer mit weni­ger Kopf­raum und Über­sicht für das flotte Design büßen muss. Trös­ten kön­nen sich die Opel-​Insassen mit dem wohn­li­che­ren Ambi­ente. Optio­nal lässt sich der Astra mit edlen opti­schen Akzen­ten und außer­ge­wöhn­lich guten Sit­zen bestü­cken, wäh­rend der Nis­san selbst in der Top-​Ausstattung zwar auch viele Komfort-​Extras, aber kein son­der­lich anspre­chen­des Inte­ri­eur bie­tet. Im Pul­sar ist zwar alles da, wo man es braucht, über das doch recht lieb­los gestal­tete Kunststoff-​Umfeld lässt sich aber bes­ten­falls sagen, dass es gut ver­ar­bei­tet ist.

Pul­sar: Spar­sam aber kein Tem­pe­ra­ments­bol­zen

Opel Astra
Kom­pakt­li­mou­sine im Coupé-​Look: Opel Astra

Die Antriebs­tech­nik der Kon­tra­hen­ten ist kon­zep­tio­nell weit­ge­hend iden­tisch. Die bei­den tur­bo­ge­la­de­nen Vierventil-​Vierzylinder unter­schei­den sich auf dem Papier nur im Hub­raum­vo­lu­men, im Fahr­be­trieb jedoch offen­ba­ren sie ganz unter­schied­li­che Cha­rak­tere: Wäh­rend der Opel aus sei­nem Hubraum-​Plus etwas mehr Leis­tung und Dreh­mo­ment schöpft und damit trotz sei­nes rela­tiv hohen Gewichts recht tem­pe­ra­ment­voll zur Sache geht, emp­fiehlt sich der Nis­san eher Lieb­ha­bern einer gemäch­li­chen Gang­art. Sein ohne­hin schon etwas schwä­che­rer Motor wird durch die lange Über­set­zung der obe­ren Gänge noch zusätz­lich ein­ge­bremst, was sich aber immer­hin posi­tiv auf den Ver­brauch aus­wirkt.

In der Kom­pakt­klasse muss man einen Ben­zi­ner, der sich bei zurück­hal­ten­der Fahr­weise mit deut­lich weni­ger als sechs Litern pro 100 Kilo­me­ter begnügt, lange suchen. Abge­se­hen davon passt die zurück­hal­tende Leis­tungs­ab­gabe gut zur Gesamt­cha­rak­te­ris­tik des Pul­sar, weil er auch fahr­werks­mä­ßig keine sport­li­chen Ambi­tio­nen weckt. Federn und Dämp­fer sind im Nis­san sehr kom­for­ta­bel abge­stimmt, was der Fahr­si­cher­heit zwar kei­nen Abbruch tut, die Karos­se­rie in zügig gefah­re­nen Kur­ven aber deut­lich mehr ins Wan­ken bringt als die des kna­ckig gefe­der­ten Astra. Der lässt sich dafür nicht nur prä­zi­ser len­ken, son­dern ist auch mit schär­fer zupa­cken­den Brem­sen bestückt als sein japa­ni­scher Kon­tra­hent.

Der Opel ist güns­ti­ger, der Nis­san bes­ser aus­ge­stat­tet

Bei der Preis­ge­stal­tung lie­gen die Test­kan­di­da­ten auf ähn­li­chem Niveau. Die Basis­ver­sion des Astra (Selec­tion 1.4, 100 PS: 17 260 Euro) ist zwar rund 700 Euro bil­li­ger als der güns­tigste Pul­sar (Visia 1.2, 115 PS: 17 990 Euro), hat dafür gegen­über dem Japa­ner aber auch einige Defi­zite: Neben ein paar PS ver­misst man im Einstiegs-​Opel auch so ange­nehme Dinge wie einen Tem­po­mat, eine Bluetooth-​Schnittstelle fürs Tele­fon und ein CD-​Radio, durch­aus nütz­li­che Extras, die der Nis­san schon seri­en­mä­ßig mit­bringt. Ähn­lich erklärt sich die Preis­dif­fe­renz auch bei den getes­te­ten Top­ver­sio­nen Inno­va­tion und Tekna: Der Pul­sar kos­tet zwar 1200 Euro mehr, ist dafür aber auch mit LED-​Scheinwerfern (Auf­preis bei Opel: 1450 Euro) bestückt.

Fazit: Nis­san Pul­sar oder Opel Astra

Ob so gewollt oder nicht: Die Ent­wick­ler bei Nis­san und Opel haben zwei Autos kon­zi­piert, die vor allem Kun­den anspre­chen dürf­ten, die nicht den eier­le­gen­den Woll­milch­golf, son­dern eine klare Pola­ri­sie­rung suchen. Der Pul­sar zielt ganz klar auf eine ver­nunft– und kom­fort­ori­en­tierte Kli­en­tel, die vor allem gemüt­lich unter­wegs sein will. Der Astra weckt sowohl optisch wie tech­nisch deut­lich mehr Emo­tio­nen und dürfte in ers­ter Linie Zeit­ge­nos­sen anspre­chen, denen Fahr­spaß mehr bedeu­tet als ent­spann­tes Dahin­rol­len. Wer sich klar zu einer die­ser Frak­tio­nen bekennt, kann mit einem der Kan­di­da­ten durch­aus glück­lich wer­den.