Mazda3 und Peugeot 308

Mazda3 und Peugeot 308

Mazda3 und Peu­geot 308: Die bei­den inter­es­san­ten Alter­na­ti­ven zum VW Golf stel­len sich dem ACV zum Ver­gleich

Wer dem VW Golf in Deutsch­land ernst­haft Kon­kur­renz machen will, muss sich schon was ein­fal­len las­sen. Ford und Opel sägen mit Focus und Astra hin und wie­der ein wenig an sei­nem Thron, aus­län­di­sche Her­stel­ler müs­sen sich im Schat­ten des ewi­gen Tabel­len­füh­rers der Zulas­sungs­sta­tis­tik mit einem Mau­er­blüm­chen­da­sein begnü­gen. Trotz­dem geben sie nicht auf. Die jüngs­ten Golf-​Gegner kom­men aus Japan und Frank­reich, hei­ßen Mazda3 und Peu­geot 308 und ver­fol­gen das­selbe Ziel mit gegen­läu­fi­gen Ansät­zen. Wäh­rend Mazda beim neuen 3er mit expres­si­vem Design und üppi­gem Hub­raum eine Mehr-​ist-​mehr-​Philosophie ver­folgt, hul­digt Peu­geot mit schlich­tem Sty­ling und klein­vo­lu­mi­gem Tur­bo­mo­tor einem eher mini­ma­lis­ti­schen Ansatz.

Peu­geot: Wo sind die Knöpfe geblie­ben?

Peugeot 308
Peu­geot 308: Vier wei­tere Ben­zi­ner und drei Die­sel sind alter­na­tiv im Ange­bot

Noch redu­zier­ter als die Karos­se­rie wirkt das Cock­pit des Peu­geot 308: Das extrem kleine Lenk­rad ist sehr tief instal­liert und eröff­net damit den freien Blick auf die Instru­mente, die eben­falls recht beschei­den dimen­sio­niert sind. Fast schon rat­los macht zunächst auch der fast völ­lige Ver­zicht auf Knöpfe und Schal­ter – immer­hin han­delt es sich beim Test­wa­gen um die Voll­aus­stat­tung „Allure“, bei der es doch eini­ges zu dre­hen und zu drü­cken geben sollte. Des Rät­sels Lösung ver­steckt sich hin­ter dem zen­tral ange­ord­ne­ten Touch­screen, über den neben Radio und Navi­ga­tion auch fast alle wei­te­ren Funk­tio­nen gesteu­ert wer­den müs­sen. Das sieht zwar auf­ge­räumt aus, erfor­dert aber stets ner­vi­ges Gefum­mel, wenn bei­spiels­weise die Innen­raum­tem­pe­ra­tur gere­gelt wer­den soll.

Mazda: Hohe Zula­dung, klei­ner Kof­fer­raum

Posi­tive Folge des neuen Interieur-​Konzepts ist ein sehr groß­zü­gi­ges Raum­ge­fühl: Obwohl 22 Zen­ti­me­ter kür­zer als der Mazda wirkt der Peu­geot sub­jek­tiv innen deut­lich geräu­mi­ger – und glänzt auch mit dem grö­ße­ren Kof­fer­raum. Das Gepäck sollte aller­dings nicht allzu schwer sein, denn die erlaubte Zula­dung fällt mit nur 395 Kilo eher spär­lich aus. Deut­lich mehr zula­den darf man im Mazda3, des­sen Län­gen­vor­teil vor allem im Fond spür­bar wird: Dank üppi­ge­rer Kopf– und Knie­frei­heit dürf­ten hier selbst groß gewach­sene Pas­sa­giere län­gere Stre­cken beschwer­de­frei über­ste­hen. Auch in der ers­ten Reihe gibt es nichts zu meckern: Alle Schal­ter sind da, wo man sie erwar­tet – und auf dem Arma­tu­ren­brett thront ein 7-​Zoll-​Display im schnie­ken iPad-​Look, das nicht betatscht wer­den muss, son­dern sich – ohne den Blick von der Fahr­bahn zu len­ken – auch über einen Dreh-​Drücksteller auf der Mit­tel­kon­sole ansteu­ern lässt. Eben­falls seri­en­mä­ßig an Bord: ein Head-​up-​Display, das die wich­tigs­ten Fah­r­in­for­ma­tio­nen direkt ins Blick­feld des Fah­rers spie­gelt.

Mazda3 und Pegueot 308: Was die Moto­ren kön­nen

Mazda3
Mazda3: Auch mit zwei klei­ne­ren Ben­zi­nern und einem 150-​PS-​Diesel zu haben

Moto­risch sind beide Test­wa­gen üppig bestückt: Die 165 PS im Mazda sor­gen ebenso für sou­ve­räne Fahr­leis­tun­gen wie die 155 PS des Peu­geot – und wer weni­ger Leis­tung braucht, fin­det bei bei­den Anbie­tern zahl­rei­che Alter­na­ti­ven. Unter­schiede zei­gen sich aber bei der Leis­tungs­ent­fal­tung: Wäh­rend der kernig-​knurrige Mazda-​Saugmotor hohe Dreh­zah­len braucht, um sein vol­les Tem­pe­ra­ment an die Vor­der­achse zu brin­gen, lässt sich der sämig weich lau­fende Turbo-​Treibsatz im Peu­geot deut­lich ent­spann­ter fah­ren. Stö­rend dabei wirkt nur das Getriebe: Häu­fige Gang­wech­sel sind wegen der lan­gen Über­set­zung an der Tages­ord­nung, und die gestal­ten sich wegen der etwas hake­li­gen Schalt­ku­lisse nicht son­der­lich flüs­sig. Wie es bes­ser geht, zeigt der Mazda: Auch er ist in den obe­ren Gän­gen zwar rela­tiv lang über­setzt, hier flutscht der Schalt­he­bel aber deut­lich kna­cki­ger. Dafür über­rascht der Mazda mit sei­nem rela­tiv hohen Ver­brauch: Obwohl deut­lich leich­ter als der Peu­geot und zudem noch mit einem rege­ne­ra­ti­ven Brems­sys­tem (i-​Eloop) bestückt, schluckte er im Test mehr als sein Kon­tra­hent.

Fahr­ver­hal­ten: Flot­ter Feger oder wei­che Welle?

Gra­vie­rende Unter­schiede offen­ba­ren die bei­den Kan­di­da­ten beim Fahr­ver­hal­ten. Im Peu­geuot 308 beein­dru­cken die sen­si­ble Fede­rung, die Fahr­bahn­stöße weit­ge­hend absor­biert, sowie die fast schon spie­le­risch anmu­tende Hand­lich­keit, die aus dem klei­nen Lenk­rad resul­tiert. Wer mit dem Peu­geot um die Ecken wedelt, fühlt sich in Anbe­tracht der erstaun­li­chen Dis­kre­panz zwi­schen Lenk­aufwand und erziel­tem Resul­tat fast schon wie in einem Video­spiel. Doch das bedarf auch einer gewis­sen Gewöh­nung: 308-​Novizen tun leicht des Guten zu viel und fah­ren dann zacki­ger um die Ecken als sie eigent­lich woll­ten. Die wirk­lich sport­li­chere Alter­na­tive bil­det der Mazda. Sein straff abge­stimm­tes Fahr­werk und die fein­füh­lige Len­kung ver­mit­teln fühl­bar mehr Fahr­spaß, wer­den aber auch mit diver­sen Komfort-​Defiziten erkauft: Die Abroll­ge­räu­sche der Rei­fen sind deut­lich schlech­ter gedämpft, der Wen­de­kreis von fast 12 Metern trägt nicht gerade zur Hand­lich­keit bei – und die harte Fede­rung lässt bis­wei­len sogar die Karos­se­rie vibrie­ren. Ein­ge­fleischte Golf-​Fans las­sen sich damit nicht wirk­lich beglü­cken.

Fazit: Mazda3 oder Peu­geot 308

Der Peu­geot punk­tet mit unauf­ge­reg­tem Design, neuen Ideen, gelas­se­nem Tem­pe­ra­ment und viel Kom­fort. Der Mazda bil­det den exak­ten Gegen­ent­wurf: Dyna­mi­sches Sty­ling, klas­si­sche Funk­tio­na­li­tät, ein fast schon kra­wal­li­ger Motor und jede Menge Fahr­spaß spre­chen eine völ­lig andere Kund­schaft an. Wer sich in einem die­ser Cha­rak­tere wie­der­fin­det, kann damit glück­lich wer­den. Wer jedoch den Kom­pro­miss zwi­schen den bei­den Extre­men sucht – der lan­det fast zwangs­läu­fig in einem Golf.