Jaguar F-Type

Jaguar F-Type und Porsche Cayman

Nach 40-​jähriger Absti­nenz hat Jaguar wie­der einen ech­ten Sport­wa­gen im Ange­bot: Wie schlägt sich der F-​Type in unse­rem ACV-​Vergleich mit dem Por­sche Cayman?

Nach E kommt F, das ist eigent­lich ganz nor­mal. Nicht nor­mal ist es, wenn dazwi­schen 40 Jahre lie­gen, so wie bei Jaguar. Vier Jahr­zehnte nach der Pro­duk­ti­ons­ein­stel­lung des legen­dä­ren E-​Type brach­ten die Bri­ten wie­der einen ech­ten Sport­wa­gen auf die Straße. Und was für einen: Lange Motor­haube, sinn­li­che Kur­ven und eine bild­schöne Heck­par­tie ver­mit­teln dem F-​Type per­fekte Pro­por­tio­nen und ein hin­rei­ßen­des Erschei­nungs­bild. Fast unschein­bar nimmt sich im direk­ten Ver­gleich der Por­sche Cayman aus: Obwohl nur sie­ben Zen­ti­me­ter kür­zer und drei Zen­ti­me­ter fla­cher als der Schön­ling von der Insel, wirkt der fili­gran gestylte Kon­kur­rent aus Stutt­gart dage­gen fast wie ein Spiel­zeug­auto.

F-​Type: Außen hui, innen eher beschei­den

Porsche Cayman
Der Por­sche Cayman macht optisch Eini­ges her

Nach dem Ein­stei­gen sieht das schon ganz anders aus, denn der Innen­raum des F-​Type kann mit der äuße­ren Erschei­nung nicht ganz mit­hal­ten: Die klot­zig gestylte Mit­tel­kon­sole, das etwas anti­quierte Infotainment-​System und die ver­wen­de­ten Mate­ria­lien sind zwar gut ver­ar­bei­tet, wir­ken aber nicht son­der­lich hoch­klas­sig und trotz grö­ße­rer Abmes­sun­gen fühlt sich das Inte­ri­eur beeng­ter an als im Por­sche. Ab einer Kör­per­größe von 1,90 Metern schub­bert die Fri­sur am Dach­him­mel.

Für einen Sport­wa­gen gera­dezu üppig ist dage­gen der Kof­fer­raum bemes­sen: Die maxi­mal zwei Insas­sen müs­sen sich beim Bela­den kaum ein­schrän­ken.

Cayman: Zwei Gepäck­räume, aber innen weni­ger Platz

Porsche Cayman
Kein Gramm Fett zu viel: Der Por­sche Cayman ist heute das, was der Elfer frü­her war

Im Cayman geht es edler, aber auch enger zu: Bedingt durch die Mittelmotor-​Bauweise ver­fügt der Por­sche unter Front­haube und Heck­de­ckel zwar über zwei Gepäck­ab­teile, die aber jeweils nur für die Auf­nahme von klei­nem Gepäck geeig­net sind. Sitz­tech­nisch fühlt man sich im Cayman dank der stark aus­ge­form­ten Sitz­scha­len aber woh­ler, als auf den zwar sport­lich aus­se­hen­den, aber weni­ger Sei­ten­füh­rung ver­mit­teln­den Ses­seln des F-​Type. Mehr sport­li­ches Flair ver­mit­teln auch Porsche-​typische Schman­kerl wie die extrem tiefe Sitz­po­si­tion, der mit­tig plat­zierte Dreh­zahl­mes­ser und das mit feins­tem Alcant­ara bezo­gene Lenk­rad, das man am liebs­ten gar nicht mehr los­las­sen möchte.

Zwei Moto­ren­kon­zepte: Kom­pres­sor gegen Sau­ger

Jaguar F-Type
E-​Type reloa­ded: Der Jaguar F-​Type lässt die Tra­di­tion des Vor­gän­gers auf­le­ben

Höchst unter­schied­li­che Kon­zepte ver­fol­gen Jaguar und Por­sche beim Antrieb. Den Bri­ten befeu­ert ein 3-​Liter-​Sechszylinder unter der Front­haube, der per Kom­pres­sor unter Druck gesetzt wird, bei Bedarf 380 PS auf die Hin­ter­achse wuch­tet und unter­stützt von der zügig schal­ten­den 8-​Gang-​Automatik für eine Katapult-​ähnliche Beschleu­ni­gung sorgt. In gerade mal 4,9 Sekun­den schnellt der F-​Type unter mar­ker­schüt­tern­dem Grol­len aus dem Stand auf Tempo 100 und wer das Gas­pe­dal lange genug durch­tritt, erreicht mit ihm eine Spitze von 275 km/​h. Weit mehr als genug also, allen­falls aus­ge­spro­chene Puris­ten dürf­ten sich an der linea­ren Leis­tungs­kurve und der monoton-​dröhnenden Geräusch­ku­lisse stö­ren.

Daran gibt es im Cayman nichts zu meckern. Der direkt hin­ter den Sit­zen ein­ge­zwängte Sechszylinder-​Boxer hat alle Porsche-​typischen Ton­ar­ten drauf die Skala reicht vom hei­ser hecheln­den Leer­lauf bis zum zor­ni­gen Bel­len bei vol­ler Dreh­zahl, und dem­ent­spre­chend pro­du­ziert er auch seine Leis­tung: Bei mode­ra­ten Stadtverkehrs-​Drehzahlen gibt er sich eher ver­hal­ten, erst ab 5000 Tou­ren strömt das volle Pfund von der Kur­bel­welle, und dann spielt das nomi­nelle Leis­tungs­de­fi­zit auch keine Rolle mehr. Das im Ver­gleich zum F-​Type deut­lich nied­ri­gere Gewicht macht die 40 PS Min­der­leis­tung mehr als wett und sorgt gleich­zei­tig auch noch für gerin­gere Ver­brauchs­werte: Wer will, kann den Cayman mit weni­ger als 10 l/​100 km fah­ren, bei art­ge­rech­ter Fahr­weise schluckt der Por­sche zwar natur­ge­mäß mehr, ist aber immer noch deut­lich spar­sa­mer als der Jaguar.

Fahr­spaß: Der Mit­tel­mo­tor macht den Unter­schied

Jaguar F-Type
Der Jaguar F-​Type im Ein­satz

Mehr Finesse offen­bart der Cayman auch in der Fahr­werks­ab­stim­mung. Die Len­kung ver­mit­telt mehr Stra­ßen­kon­takt, die Fede­rung ist nicht gerade kom­for­ta­bel, aber ehr­lich und auf Boden­wel­len bleibt der Por­sche stets stur in der Spur. Vor allem Letz­te­res lässt sich vom F-​Type nicht wirk­lich behaup­ten: Bei hohem Tempo will der Brite kon­zen­trier­ter gesteu­ert wer­den, um auf Kurs zu blei­ben. Für weni­ger Fahr­spaß sorgt auch die ungüns­ti­gere Gewichts­ver­tei­lung: Der Front­mo­tor macht den Jaguar ziem­lich kopf­las­tig und ver­gleichs­weise schwer­fäl­lig, wäh­rend der Por­sche mit Leich­tig­keit um die Ecken wedelt. Etwas leich­ter ist der Por­sche übri­gens auch in einer ande­ren Dis­zi­plin: 2000 Euro Preis­vor­teil spie­len in die­sen Regio­nen zwar keine große Rolle, aber man kann das auch anders sehen: Den auch nicht gerade lah­men Basis-​Cayman mit 275 PS gibt es schon für 51 385 Euro, für den schwächs­ten F-​Type (340 PS) sind min­des­tens 65 000 Euro fäl­lig.

Fazit: Jaguar F-​Type oder Por­sche Cayman

Echte Fas­zi­na­tion ver­sprüht der Jaguar nur mit sei­nem Design, in tech­ni­scher Hin­sicht kann er der Kon­kur­renz aus Stutt­gart nicht das Was­ser rei­chen. Front­mo­tor und Kom­pres­sor­auf­la­dung ent­spre­chen zwar der Jaguar-​Tradition, bil­den aber nicht die ideale Basis für sport­li­ches Fahr­ver­hal­ten, das sollte sich trotz 40-​jähriger Sport­wa­gen­ab­sti­nenz auch bis nach Eng­land her­um­ge­spro­chen haben. Da lie­fert Por­sche das exakte Gegen­bei­spiel: Der ver­gleichs­weise harm­los anmu­tende Cayman strotzt unter dem Blech von High­Tech und bie­tet weit mehr Fahr­spaß als der F-​Type. Ver­mut­lich ist es auch eine Frage der Kon­ti­nui­tät: In Zuf­fen­hau­sen wur­den auch wäh­rend der letz­ten 40 Jahre flei­ßig Sport­wa­gen gebaut.