Polestar1: Der Elektro-Extremist

Nicht wenige Pkw-Hersteller haben Europa in den letzten Jahren verlassen oder mussten die Produktion ganz einstellen. Da freut man sich, wenn mal wieder eine neue Automarke am Horizont erscheint. Ein Fahrbericht.

Auto-Hersteller Polestar hätte sicher nichts dagegen, sich künftig als Fixpunkt zu etablieren, so wie der leuchtkraftstarke Namensgeber Polarstern. Mit dem Polestar 1 ist die Volvo-Submarke daher gleich mal mit dem Spitzenmodell gestartet. Wichtigste Attribute: leistungsstarker Plug-in-Hybridantrieb und überaus exaltiertes Design.

Flache Silhouette, breiter Kühlergrill, hohe Gürtellinie und Coupé-Kuppeldach – jedes für sich als Merkmal im Automobilbau nichts Besonderes, in dieser Kombination jedoch ein optischer Genuss. Auf der Straße kann (noch) fast niemand etwas mit der neuen Marke anfangen, von Citroen bis Maserati gingen die Tipps. Dabei erinnert im Innenraum – etwa bei Instrumentierung, Navigation, Startknopf – vieles an die schwedische Mutter Volvo.

Polestar 1: Geschmeidige Motoren

Der Plug-in-Hybrid geizt weder mit Leistung (609 PS) noch mit Drehmoment (1.000 Newtonmeter), die er auch in entsprechende Fahrleistungen umsetzt: Nach 4,2 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, bis zu 250 km/h Spitze sind drin. Zustande kommen die Werte aus dem Zusammenspiel eines Vierzylinder-Benziners mit 2,0 Litern Hubraum, der von Turbolader und Kompressor unterstützt wird, und zwei auf der Hinterachse liegenden Elektro-Motoren mit je 116 PS. Ein dritter E-Motor mit 68 PS arbeitet als Starter-Generator. Der hat auch die Aufgabe, den Benzinmotor vor dem Zuschalten vorbereitend auf Touren zu bringen. So arbeitet das Motoren-Quartett überraschend geschmeidig. Zudem haben die Schweden ihrem Erstling ein großes Akku-Paket mit 34,5 Kilowattstunden eingebaut, was theoretisch eine rein elektrische Reichweite von 125 Kilometern erlaubt, wovon 100 Kilometer bei ziviler Fahrweise auf jeden Fall drin sind. 
 

Bildergalerie: Der Polestar1

Polestar 1: Kräftig, aber kein Sportwagen

Trotz vielversprechender Optik, starker Motorisierung und Top-Fahrwerten: Ein Sportwagen ist der Polestar 1 nicht. Dafür lastet das Leergewicht von immerhin 2.350 Kilo zu schwer auf den Achsen. Der Zweitürer geht zwar beherzt nach vorne, doch in der Königsdisziplin eines Sportlers – schnell gefahrene Kurven und Kehren – hat der Polarstern Schwierigkeiten. Und er hat das Problem ausnahmslos aller Plug-in-Hybriden: Ist der Akku leer, muss der Benziner so hart arbeiten, um die fast 2,4 Tonnen zu bewegen, dass der Spritverbrauch schnell die 10-Liter-Marke reißt.

Schlanke 155.000 Euro ruft der Hersteller für sein erstes Kind auf, Vollausstattung inklusive. Maximal 1.500 Exemplare werden gebaut – der erste Polestar ist also als Markenbotschafter zu verstehen. Das nächste Modell, der Polestar 2, seht schon in den Startlöchern. 

Ausblick

Der nächste Polarstern

Ab Sommer 2020 soll der Polestar 2 als Einstiegsmodell Kunden locken. Hier handelt es sich um eine Limousine mit reinem Elektroantrieb, 408 PS Leistung und einer Reichweite von 500 Kilometern. Der Preis beträgt zunächst 59.000 Euro, später soll eine technisch abgespeckte Variante für rund 40.000 Euro folgen.

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