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Sicher Autofahren im Alter: Fahrtüchtigkeit von Senioren erkennen und erhalten

Die Fahrtüchtigkeit von Senioren ist nicht nur in der Politik häufig diskutiert, sondern in vielen Familien ein drängendes Problem. Wie können Angehörige sicherstellen, dass ihre Eltern oder Großeltern noch sicher fahren können? Und wie können Senioren möglichst lange mobil bleiben? Wir geben eine Hilfestellung für alle Betroffenen. 

Gerade für ältere Menschen ist das eigene Auto ein wichtiges Symbol ihrer Freiheit. Mit einem fahrbaren Untersatz bleiben sie unabhängig von der Hilfe anderer und können ihren Alltag eigenständig gestalten. Umso schwerer fällt es, die eigene Fahrtüchtigkeit in Frage zu stellen und sich zunehmend darauf einzustellen, eventuell nicht mehr selbst Auto zu fahren. Nicht nur die Akzeptanz fällt schwer, auch verändern sich die eigenen Fähigkeiten oft so schleichend, dass man selbst nicht merkt, wie es um die eigene Fahrtüchtigkeit bestellt ist. Umso schwerer haben es Angehörige, wenn sie die Fahreinschränkung der eigenen Eltern ansprechen. 

Die Zahlen geben besorgten Angehörigen allerdings Recht. Denn die Statistik zeigt: Senioren verursachen häufiger Unfälle als Pkw-Fahrer mittleren Alters. Während die Unfallverursacher-Rate pro 1 Million Kilometer bei Personen zwischen 35 und 64 Jahren bei 0,45 liegt, steigt sie bei Menschen zwischen 65 und 74 Jahren auf 0,68 an und erreicht bei Fahrern jenseits der 75 sogar einen Wert von 0,86. Das bestätigt auch Prof. Dr. Klaus O. Rompe, ehemaliger Präsident der Gesellschaft für Ursachenforschung bei Verkehrsunfällen (GUVU) und fügt hinzu: "Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Senioren als Hauptverursacher bei Pkw-Unfällen mit Personenschaden wieder zu." 

Verschiedene Probleme erschweren das Autofahren

Höchst aufschlussreich sind dabei die "Schwerpunkte im Fehlverhalten" der Senioren, die die Bundesstatistiker bei Unfällen ermittelten: So verursachen ältere überdurchschnittlich viele Unfälle im Zusammenhang mit Fußgängern, Vorfahrtsverletzungen oder Abbiegefehlern. Dafür gibt es Erklärungen. Rompe: "Senioren können Bewegungen schlechter wahrnehmen, haben ein begrenztes peripheres Sichtfeld und Probleme bei der Selektion relevanter Objekte."  Doch nicht nur die Wahrnehmungsfähigkeit leidet mit zunehmendem Alter. Die Fahrtüchtigkeit kann durch mehrere weiteren Faktoren beeinflusst werden. Zu den entschiedensten Faktoren für eine abnehmende Fahrtüchtigkeit zählen etwa:

  • Verschlechtertes Sehvermögen (z.B. Sehschärfe, Sehstärke bei Dämmerung) 
  • Verschlechterte Hörfähigkeit
  • Bewegungsunfähigkeit (z.B. Probleme beim Schulterblick oder fehlendes Gefühl in den Füßen beim Treten der Pedale)
  • Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Demenz, Parkinson oder Schlaganfall)
     
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Fahrtraining für ACV Mitglieder

Mit einem Fahrsicherheitstraining sind Senioren besser auf brenzlige Situationen im Straßenverkehr vorbereitet und können Schwächen durch ein verbessertes Fahrverhalten zum Teil wieder ausgleichen. So können unter Umständen Unfälle vermeiden und die Fahrtauglichkeit länger erhalten werden. Der ACV unterstützt seine Mitglieder dabei. Wer ein Fahrtraining bei einer örtlichen Verkehrswacht absolviert, erhält einen finanziellen Zuschuss. Alle Informationen zum Fahrsicherheitstraining beim ACV finden Sie hier: Fahrsicherheitstraining.

Fahrtüchtigkeit feststellen und ansprechen

Angehörige von älteren Menschen oder Senioren sollten sich immer wieder ein Bild vom Fahrverhalten machen, um auf eventuelle Verschlechterungen der Fahrtüchtigkeit rechtzeitig reagieren zu können.

Erste Warnsignale, dass die Fahrtüchtigkeit mehr und mehr abnimmt, können sein:

  • Kratzer oder Dellen am Auto oder in der Garage
  • Auffallender unsicherer Fahrstil
  • Kein vorausschauendes Fahren
  • Koordination & motorische Probleme
  • Unsicherheit auch in gewohnter Umgebung 
  • Das Aufschieben oder Vermeiden von Fahrten wie zum Einkaufen oder Arztbesuchen

Das Thematisieren der Fahrtüchtigkeit gegenüber den eigenen Eltern ist für allen Beteiligten zumeist keine leichte Situation. Zwar tun sie dieses zum Schutz der älteren Menschen, diese sehen darin aber auch häufig einen Angriff ihrer Person. Daher sollten Angehörige in der Kommunikation immer versuchen positiv zu sprechen und niemanden direkt zu beschuldigen. Überlegen Sie unbedingt, welches Ziel Sie im Gespräch erreichen wollen und prüfen sie die Möglichkeiten, die sich hinsichtlich der Einschränkungen bieten. Führen Sie das eigentliche Gespräch in einem entspannten Moment, ohne Druck aufzubauen. Behutsam, sachlich und mit viel Fingerspitzengefühl. Bieten Sie Ihre Hilfe an und vermeiden Sie Vorwürfe. 

Fahrtüchtigkeit von Senioren: Lösungen anbieten

Je nach Einschränkung können schon Ratschläge helfen, das Fahrverhalten zu verbessern und so älteren Menschen wieder mehr Sicherheit beim Autofahren zu geben. Angehörige können diese gemeinsam mit ihren Verwandten besprechen, etwa folgende Tipps können helfen: 

  • Bei alltäglichen Besorgungen immer die gewohnte Strecke fahren 
  • Fahrten bei Dämmerung und Dunkelheit vermeiden
  • Fahrten bei unsicheren Straßenverhältnissen, etwa Glätte, Schnee oder Starkregen vermeiden
  • Strecken mit unübersichtlichen Verkehrssituationen umfahren

Wenn körperliche Defizite auftreten, kann auch ein Arztbesuch die Situation deutlich verbessern. Bei Einschränkungen der Sehkraft kann etwa der Augenarzt Lösungen wie eine Operation anbieten und damit oft einen guten Anteil der Sehkraft wieder herstellen. Auch etwa die Hörgeräte neu einstellen zu lassen, kann dabei helfen, dass Senioren wieder sicherer unterwegs sind.

Assistenzsysteme können Schwächen ausgleichen

Auch im Bereich Assistenzsysteme gibt es inzwischen einige technische Helfer, die älteren Menschen das Autofahren erleichtern und Defizite ausgleichen. Dazu zählen nicht nur "denkende" Gurtkraftbegrenzer, die die Gurtbelastung abhängig von Größe und Gewicht der Insassen abstufen, sondern auch adaptive Airbags, mit denen sich die Belastung des bei Senioren besonders empfindlichen Brustkorbs reduzieren lässt.

Hinzu kommen weitere Kriterien, die Senioren beim Kauf eines neuen Fahrzeugs berücksichtigen sollten. So begünstigen eine höhere Sitzposition und große Fensterflächen die Rundumsicht, während moderne Assistenzsysteme schon heute zahlreiche kritische Verkehrssituationen wirkungsvoll entschärfen können: Totwinkel-Assistenten, Spurverlassens-Warner, Nachtsichtgeräte und automatische Notbremssysteme sind zwar kostspielig, können sich aber unter Umständen durchaus als lebensrettend erweisen. 

Zum Kennenlernen neuer Sicherheitstechniken oder beim Umstieg auf Fahrzeuge mit moderner Technik ist zudem in vielen Fällen ein Fahrsicherheitstraining sinnvoll. Ein Fahrsicherheitstraining speziell für Senioren kann älteren Menschen zudem nicht nur die Sicherheit auf der Straße wiedergeben, sondern auch die eigene Wahrnehmung für die eigene Fahrtüchtigkeit schärfen. 

ACV TippTipp

Hilfen für Senioren und Angehörige

Um die Fahrtauglichkeit zu erhalten und zu verbessern, bietet sich ein Fahrsicherheitstraining speziell für ältere Autofahrer an. Dies wird oft etwa von Fahrschulen, dem TÜV oder auch von den Verkehrswachten angeboten. Bei diesen Fahrtrainings nimmt man mit dem eigenen Auto teil, erhält vom Fahrlehrer individuelle Tipps und kann Schwächen im eigenen Fahrverhalten offen besprechen und für diese Situationen trainieren. Als ACV Mitglied erhalten Sie Vergünstigungen auf ein Fahrtraining

Wer weiterführende Informationen und Tipps zur Sicherheit im Straßenverkehr von älteren Autofahrern sucht, wird in der Broschüre "Offen gesagt" der Deutschen Seniorenliga fündig. 

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