VW Touran

VW Touran und Renault Scénic

Die neuen Kom­pakt­vans VW Tou­ran aus Wolfs­burg und Renault Scé­nic aus Paris punk­ten mit ganz unter­schied­li­chen Wer­ten. Wel­cher Wagen bes­ser zu Ihnen passt, fin­den Sie in unse­rem Ver­gleich her­aus.

Renault Scénic
Renault Scé­nic: Der Hin­gu­cker unter den Vans

Vans sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Zeit­gleich zu den ste­tig stei­gen­den Ver­kaufs­zah­len der SUVs ten­dierte der Absatz der Familien-​Transporter in den letz­ten Jah­ren immer wei­ter nach unten. Dabei bie­ten die kom­pak­ten Raum­fahr­zeuge gegen­über hoch­bei­ni­gen Pseudo-​Offroadern deut­lich mehr Nutz­wert. Dank varia­bler Lade­räume kann man mit ihnen auch klei­nere Umzüge oder grö­ßere Ikea-​Einkäufe erle­di­gen und wenn eine dritte Sitz­reihe an Bord ist, lässt sich auch mal eine halbe Fuß­ball­mann­schaft trans­por­tie­ren.

Dumm nur, dass die meis­ten Vans auch wie Vans aus­se­hen: Der spröde Charme der Kas­ten­form ist nun mal nicht jeder­manns Sache und die lässt sich auch bei der zwei­ten Gene­ra­tion des Tou­ran nicht ver­leug­nen. Die VW-​Designer haben seine Grund­form zwar etwas ange­schärft, doch irgend­wie ähnelt er immer noch mehr einem Lie­fer­wa­gen als einem Fami­li­en­auto. Mehr Mut bewie­sen die Cou­turi­ers bei Renault: Rie­sige 20-​Zoll-​Räder, eine ange­deu­tete Wes­pen­taille und die ori­gi­nelle Fens­ter­gra­fik machen den Scé­nic zum Hin­gu­cker und mit ein wenig Fan­ta­sie lässt sich in ihm fast schon ein SUV erken­nen.

Der VW wirkt gedie­gen, der Renault ori­gi­nell

Neue Ideen prä­gen auch die Innen­ar­chi­tek­tur des Fran­zo­sen: Das spär­lich instru­men­tierte Cock­pit (Tacho, Kühl­was­ser– und Tank­an­zeige, basta!) wirkt ebenso cool wie das hoch­for­ma­tige Dis­play über dem Schalt­he­bel. Eine wahl­weise auch in den Fond ver­schieb­bare Mit­tel­kon­sole bringt Abla­gen dahin, wo sie gebraucht wer­den und im optio­na­len Relax-​Paket (590 Euro) ist sogar eine Mas­sa­ge­funk­tion am Vor­der­sitz ent­hal­ten. Für zusätz­li­che Varia­bi­li­tät sorgt die um 16 Zen­ti­me­ter ver­schieb­bare Rück­bank, was wahl­weise den Fond­pas­sa­gie­ren zu mehr Knie­raum oder dem Gepäck zu mehr Platz ver­hilft. Der Tou­ran dage­gen ver­strömt VW übli­che Gedie­gen­heit: Anmu­tung und Ver­ar­bei­tung sind tadel­los, wir­ken im direk­ten Ver­gleich aber nur wenig ori­gi­nell. Einen objek­ti­ven Plus­punkt erhält der VW jedoch für seine hin­tere Hälfte: Die Rück­bank lässt sich zwar nicht ver­schie­ben, dank der um 12 Zen­ti­me­ter län­ge­ren Karos­se­rie wer­den aber hier trotz­dem mehr Knie– und Kof­fer­raum als im Scé­nic gebo­ten.

Tou­ran: Leis­tet viel, schluckt wenig

VW Touran
Klare Kan­ten und viel Kom­fort: Der VW Tou­ran glänzt mit inne­rer Größe

Klare Vor­teile ver­bucht der Tou­ran bei der Antriebs­tech­nik. Obwohl mit 1,6 Liter Hub­raum nur spär­lich moto­ri­siert, sor­gen die 115 PS für ordent­li­che Fahr­leis­tun­gen. Das über einen brei­ten Dreh­zahl­be­reich pro­du­zierte maxi­male Dreh­mo­ment erlaubt eine schalt­faule Fahr­weise ohne Tem­pe­ra­ments­ein­bu­ßen und die Lauf­kul­tur ist ebenso dezent wie der Sprit­kon­sum: Für einen hoch bau­en­den 1,5-Tonner fiel der Test­ver­brauch mit 6,8 l/​100 km recht güns­tig aus. Der Basis-​Diesel des Scé­nic muss mit noch rund 100 Kubik­zen­ti­me­tern weni­ger aus­kom­men und das wirkt sich nega­ti­ver aus, als es sich liest. Der Acht­ven­ti­ler macht mehr Lärm, will man­gels ent­spre­chen­der Elas­ti­zi­tät häu­fi­ger geschal­tet wer­den, legt weni­ger Tem­pe­ra­ment an den Tag und über­trifft das VW-​Triebwerk nur beim Ver­brauch: 7,2 Liter sind ange­sichts des Gebo­te­nen schlicht zu viel und wer­fen ein­mal mehr die Frage auf, wie wohl der Norm­ver­brauch von 3,9 l/​100 km erzielt wurde.

Nicht so ganz über­zeu­gen kann der Renault auch im Fahr­be­trieb: Obwohl klei­ner und leich­ter als der Tou­ran, fühlt er sich schwer­fäl­li­ger an, rollt ziem­lich rup­pig über Kopf­stein­pflas­ter und Fahr­bahn­fu­gen und nervt seine Insas­sen auf der Auto­bahn mit pene­tran­ten Wind­ge­räu­schen. Deut­lich kom­for­ta­bler geht es im Tou­ran zu: Seine Fede­rung absor­biert die meis­ten Stra­ßen­schä­den nahezu per­fekt, die Hand­lich­keit ent­spricht der eines Golfs und Wind­ge­räu­sche blei­ben selbst bei 180 km/​h weit­ge­hend außen vor.

Scé­nic: Auch im XXL-​Format erhält­lich

Renault Scénic
Ähn­lich­kei­ten mit einem SUV sind beim Renault Scé­nic durch­aus beab­sich­tigt

Auf nahezu glei­chem Niveau lie­gen die bei­den Kon­tra­hen­ten beim Ange­bot an Sicher­heits­ex­tras: Seri­en­mä­ßig sind Not­brems­as­sis­ten­ten, gegen Auf­preis las­sen sich adap­tive Tem­po­ma­ten, Fernlicht-​Assistenten, LED-​Scheinwerfer, Totwinkel-​Warner sowie Ein­park­hil­fen samt Rück­fahr­ka­mera ordern. Nur für den Renault erhält­lich ist dage­gen ein Head-​up-​Display, das wich­tige Fah­r­in­for­ma­tio­nen direkt ins Blick­feld des Fah­rers ein­blen­det.

Wer dage­gen auf eine im Gepäck­raum­bo­den ver­senk­bare dritte Sitz­reihe Wert legt, muss statt eines Scé­nic den 1300 Euro teu­re­ren und 23 Zen­ti­me­ter län­ge­ren Grand Scé­nic ordern. Beim Tou­ran lässt sich zum Auf­preis von 770 Euro eine dritte Reihe in die nor­male Karos­se­rie inte­grie­ren

Fazit: Renault Scé­nic oder VW Tou­ran

Die fröh­li­che Krea­ti­vi­tät der fran­zö­si­schen Desi­gner kann kaum dar­über hin­weg­täu­schen, dass der Renault in Sachen Antrieb und Fahr­werk nicht ganz das sehr hohe tech­ni­sche Niveau des VW erreicht. Rein ratio­nal betrach­tet ist der Tou­ran also ein­deu­tig die bes­sere Alter­na­tive. Wer jedoch fran­zö­si­schen Charme mehr schätzt als deut­sche Gründ­lich­keit, wird sich im Scé­nic ver­mut­lich nicht nur bes­ser auf­ge­ho­ben füh­len, son­dern kann sich neben­bei noch über den deut­lich güns­ti­ge­ren Preis und die fünf­jäh­rige Garan­tiel­auf­zeit freuen.