Kia Optima 1.7 CRDi und Mazda6 2.2 D

Kia Optima 1.7 CRDi und Mazda6 2.2 D

Kia Optima und Mazda6: Zwei aus­ge­wach­sene Diesel-​Limousinen aus Korea und Japan mes­sen sich im ACV-​Vergleich.

Kia Optima 1.7 CRDi und Mazda6 2.2 D
Alter­na­ti­ven in der geho­be­nen Mit­tel­klasse: Kia Optima 1.7 CRDi (links) und Mazda6 2.2 D

Ist das wirk­lich ein Kia?“ Der Pas­sant im Ham­bur­ger Edel­quar­tier Pösel­dorf staunt und bekennt: „Wusste gar nicht, dass die auch so große Autos bauen.“ Und damit ist er nicht allein. Heim­lich, still und leise hat sich die Hyundai-​Schwestermarke in den letz­ten zehn Jah­ren vom fern­öst­li­chen Bil­lig­hei­mer zu einer fes­ten Größe in Europa ent­wi­ckelt und ist mit dem Kia Optima inzwi­schen auch in der geho­be­nen Mit­tel­klasse ver­tre­ten.

Wobei sich das „geho­ben“ nicht nur auf die statt­li­chen Abmes­sun­gen bezieht: Auch sie­ben (!) Jahre Garan­tie spre­chen für Kia, und das vom ehe­ma­li­gen Audi-​Chefstylisten Peter Schreyer ver­ant­wor­tete Design des Optima kann sich mit sei­nen kla­ren Linien und ansehn­li­chen Pro­por­tio­nen auch in bes­se­ren Krei­sen sehen las­sen.

Eben­falls sehr reprä­sen­ta­tiv, aber ganz anders prä­sen­tiert sich der neue Mazda6: Ob die schwung­vol­len Fal­ten im Blech eher auf­ge­setzt oder ele­gant wir­ken, bleibt dem Geschmack des Betrach­ters über­las­sen. Unstrit­tig aber ist, dass seine etwas nied­ri­gere Karos­se­rie mit bes­se­rer Raumöko­no­mie auf­war­tet. Das merkt man an der üppi­ge­ren Kopf­frei­heit auf der Rück­bank ebenso wie beim Bela­den, was dank der gro­ßen Heck­klappe des 6ers erheb­lich leich­ter fällt als durch den klei­nen Kof­fer­raum­de­ckel des Optima. Und wer rich­tig laden will, dem bleibt hier ohne­hin keine Wahl: Den Mazda gibt es zum glei­chen Preis auch als Kombi, der Kia ist nur als Limou­sine zu haben.

Mazda-​Sitze: zu weich für lange Stre­cken

Mazda6 2.2 D
Obwohl län­ger und brei­ter als der Kia, wirkt der Mazda 6 mit sei­ner schwung­voll gestyl­ten Karosse und den grö­ße­ren Glas­flä­chen zier­li­cher

Fah­rer und Pas­sa­giere dage­gen haben in bei­den Autos wenig zu bean­stan­den. Raum­ge­fühl und Mate­ri­al­an­mu­tung sind sehr ordent­lich, leichte Abstri­che gibt es nur für die Mazda-​Sitze, die sehr weich gepols­tert sind und den Rücken auf län­ge­ren Stre­cken eher ermü­den las­sen als in den ange­nehm straf­fen und in der Top-​Ausstattung „Spi­rit“ auch teil­be­le­der­ten sowie elek­trisch ver­stell– und beheiz­ba­ren Kia-​Sesseln. Auch sonst ver­wöhnt der Korea­ner seine Insas­sen in die­ser Ver­sion mit allem erdenk­li­chen Kom­fort: Ein Sound­sys­tem mit zwölf Laut­spre­chern und exter­ner End­stufe ist ebenso an Bord wie ein intui­tiv bedien­ba­res Navi­ga­ti­ons­sys­tem mit 7-​Zoll-​Display – und für kla­ren Durch– und Rück­blick sor­gen Xenon-​Scheinwerfer sowie eine Rück­fahr­ka­mera. Der 3000 Euro güns­ti­gere Mazda hat da weni­ger zu bie­ten, ver­fügt aber immer­hin über eine Kli­ma­ti­sie­rungs­au­to­ma­tik, einen Not­brems­as­sis­ten­ten und ein 5,8-Zoll-Display, das sich zum Auf­preis von 500 Euro mit einem ein­fach gestrick­ten Tomtom-​Navi bestü­cken lässt.

Kia-​Antrieb: wenig Hub­raum, viel Durst

Kia Optima 1.7 CRDi
Glatte Flä­chen, große Räder, aber im Fond wird es eng: Das cha­rak­ter­starke Design des Kia Optima wirkt durch­aus reprä­sen­ta­tiv, birgt aber auch prak­ti­sche Nach­teile

Deut­li­che Unter­schiede fin­den sich auch bei der Hard­ware: Der immer­hin 1,6 Ton­nen schwere Optima beschei­det sich mit einem 1,7-l–Tur­bo­die­sel, der mit 136 PS und rela­tiv mode­ra­tem Dreh­mo­ment keine fahr­dy­na­mi­schen Wun­der voll­bring.

Erst nach lan­gem Anlauf knackt der Korea­ner die 200-​km/​h-​Marke und will dafür auch noch ganz ordent­lich getränkt wer­den: Der Test­ver­brauch von 7,7 Litern pro 100 Kilo­me­ter ist kein Ruh­mes­blatt für ein Trieb­werk, das zudem aus dem Selbstzünder-​Prinzip kei­nen Hehl macht und sich in Sachen Lauf­kul­tur als nicht son­der­lich vor­nehm erweist. Laut Her­stel­ler soll die Geräusch­däm­mung bei den Exem­pla­ren ab Modell­jahr 2014 aber effek­ti­ver aus­fal­len.

Mazda-​Motor: sprit­zig und spar­sam

Der Mazda-​Diesel ist da von ganz ande­rem Kali­ber: Aus­gleichs­wel­len redu­zie­ren bei ihm die Vibra­tio­nen, und üppige 2,2 Liter Hub­raum samt zwei­stu­fi­ger Tur­bo­auf­la­dung sor­gen für fühl­bar mehr Tem­pe­ra­ment. Mit sei­nem deut­lich höhe­ren Dreh­mo­ment lässt der Mazda den Kia beim Beschleu­ni­gen locker hin­ter sich, und an der Zapf­säule ist er eben­falls schnel­ler fer­tig: Trotz höhe­rer Leis­tung blieb er im Test unter der Sieben-​Liter-​Marke, und da lässt wohl auch sein nied­ri­ge­res Gewicht grü­ßen: Schließ­lich müs­sen hier rund 100 Kilo weni­ger auf Trab – und um die Ecken – gebracht wer­den.

Fol­ge­rich­tig wirkt sich der Gewichts­vor­teil auch in der Hand­ha­bung aus: Der 6er spur­tet nicht nur sprit­zig von dan­nen, son­dern fährt sich auch für ein Auto sei­ner Größe außer­or­dent­lich hand­lich. In enge Park­lü­cken lässt er sich genauso gut manö­vrie­ren wie über gewun­dene Land­stra­ßen, wo sich jedoch die um die Mit­tel­lage zu leicht­gän­gige Len­kung bis­wei­len als klei­nes Manko erweist. Plus­punkte dage­gen erwirbt sich der große Mazda mit sei­ner Brems­an­lage, die mit gutem Pedal­ge­fühl und sehr kur­zen Anhal­te­we­gen über­zeugt.

Kia: zur wah­ren Größe fehlt noch was

Sänf­ten­mä­ßi­gen Kom­fort darf man bei sol­chen Fahr­werks­qua­li­tä­ten natür­lich nicht erwar­ten. Wer lie­ber kom­mod unter­wegs ist, wird sich daher im Kia woh­ler füh­len, des­sen Fede­rung Uneben­hei­ten aller Art bes­ser absor­biert, die Agi­li­tät aber nicht unbe­dingt för­dert. Spe­zi­ell auf kur­ven­rei­chen Stre­cken wirkt der Optima sub­jek­tiv noch schwe­rer, als er ohne­hin schon ist – und das liegt nicht nur an der wenig Rück­mel­dung ver­mit­teln­den Len­kung oder den ver­gleichs­weise schwach zupa­cken­den Brem­sen. Das sehr früh und hef­tig ein­grei­fende ESP-​System legt den Ver­dacht nahe, dass das Fahr­werk in Kur­ven schnell an seine Gren­zen kommt. Und wer die Stabilitäts-​Elektronik abschal­tet, bekommt diese Ver­mu­tung schnell bestä­tigt: Bei abrup­ten Last­wech­seln in Kur­ven ten­diert das Heck schnell zum Aus­bre­chen. Zu wah­rer Größe fehlt hier noch ein wenig Fein­ar­beit.

Fazit: Kia Optima 1.7 CRDi und Mazda6 2.2 D

Um die ein­gangs gestellte Frage zu beant­wor­ten: Beide Kan­di­da­ten sind nicht nur groß, son­dern auch ziem­lich gut. Selbst wenn der Kia Optima in Sachen Motor und Fahr­werk noch nicht dem letz­ten Stand der Tech­nik ent­spricht, ist er trotz­dem ein ein­drucks­vol­les State­ment der Korea­ner. Andere Her­stel­ler haben schon län­ger gebraucht, um in die­ser Klasse ein anstän­di­ges Auto auf die Räder zu stel­len – und man­che haben es sogar nie geschafft. Hoch­ach­tung ver­dient aber auch der Mazda, der in sei­ner Gesamt­qua­li­tät durch­aus mit einem VW Pas­sat eben­bür­tig ist. Sti­lis­tisch lässt er den deut­schen Platz­hirsch sogar ein wenig blass aus­se­hen.