VW Passat

Ford Mondeo und VW Passat

Die ehe­ma­li­gen Jedermann-​Limousinen heben ab: Ford und VW stre­ben mit Mon­deo und Pas­sat in die Ober­klasse, lei­der auch bei den Prei­sen, wie Sie in unse­rem Ver­gleich erfah­ren.

Mon­deo gegen Pas­sat: Ein klas­si­sches Duell in der auto­mo­bi­len Mit­tel­klasse, ver­gleich­bar etwa mit einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Ein­tracht Frank­furt und Wer­der Bre­men, die ihr Bundesliga-​Dasein in der Regel im Mit­tel­feld der Tabelle fris­ten. Das galt bis­lang auch für die mit­tel­präch­ti­gen Modelle aus Köln und Wolfs­burg: Immer mit Respekt­ab­stand zu den gro­ßen Namen an der Tabel­len­spitze, aber zumeist ohne Abstiegs­sor­gen. Die neue Gene­ra­tion der bei­den Kon­tra­hen­ten als Mit­tel­kläss­ler zu defi­nie­ren, greift aber schon optisch zu kurz: Mit rund 4,80 Meter Länge errei­chen sowohl der Ford wie auch der VW Ober­klas­se­di­men­sio­nen, und ihr Design geht auch über das hin­aus, was man von einer bra­ven Fami­li­en­li­mou­sine erwar­tet.

Pas­sat: Nur noch das Logo erin­nert an VW

Ford Mondeo
Der neue Ford Mon­deo: Er hat deut­lich an Sta­tur gewon­nen

Der Mon­deo weckt im Front­be­reich sogar unver­kenn­bare Asso­zia­tio­nen zu den Edel-​Rennern von Aston Mar­tin und impo­niert auch im wei­te­ren Ver­lauf der Karos­se­rie mit sei­ner zwar bul­li­gen, aber sau­be­ren Lini­en­füh­rung. Völ­lig anders gestrickt ist der Pas­sat, der sich nur noch von vorn und hin­ten dank der gro­ßen Mar­ken­em­bleme als Volks­wa­gen outet, ansons­ten aber mit sei­nem brei­ten Küh­ler­grill und den kla­ren, redu­zier­ten Linien den Pre­mi­um­anspruch der Marke ver­kör­pert. Ziem­lich nobel in Qua­li­tätsan­mu­tung, Platz­an­ge­bot und zumin­dest bei den Top-​Ausstattungen Tita­nium (Ford) und High­line (VW) fast schon über­la­den mit Tas­ten und Knöp­fen prä­sen­tie­ren sich die Innen­räume. Rich­tig ärgern aber kann man sich über den Touch­screen im Mon­deo, über den das Audio– und Navi­ga­ti­ons­sys­tem ebenso wie das Tele­fon und die Kli­ma­ti­sie­rung bedient wer­den kön­nen, was aber auf­grund der wir­ren Benut­zer­füh­rung und der trä­gen Umset­zung zu einer ner­vi­gen Gedulds­probe wird. Wie es bes­ser geht, zeigt der Pas­sat und das nicht nur mit sei­nem gro­ßen, leicht zu bedie­nen­den Touch­screen.

Mon­deo: Außen grö­ßer, aber innen klei­ner

Auch in Sachen Raumöko­no­mie liegt der VW erstaun­li­cher­weise vorn. Obwohl kür­zer und fla­cher als der Mon­deo, bie­tet er im Fond mehr Knie– und Kopf­raum und im Kof­fer­raum mehr Platz für Gepäck. Wer noch mehr Lade­ka­pa­zi­tä­ten wünscht, kann in bei­den Fäl­len zum Mehr­preis von 1000 Euro (Mon­deo Tur­nier) oder 1175 Euro (Pas­sat Vari­ant) eine Kom­bi­ver­sion ordern, die im Fall des VW mit 650 bis 1780 Litern noch deut­lich mehr Volu­men bie­tet. Beim Mon­deo ist der Zuwachs eher gering: Mehr als 1605 Liter pas­sen nicht hin­ein.

Moto­ren: Hohe Leis­tung, nied­ri­ger Ver­brauch

VW Passat
Fast schon wie ein Phae­ton: Der hori­zon­tal aus­ge­prägte Küh­ler­grill macht den Pas­sat optisch noch brei­ter

Nichts zu meckern gibt es bei den Moto­ren. Die 180 (Ford) bzw. 190 (VW) Selbstzünder-​PS ermög­li­chen höchst sou­ve­räne Fahr­leis­tun­gen bei zeit­ge­mäß nied­ri­gem Ver­brauch. Auch hier kann der Pas­sat leichte Vor­teile gegen­über dem Mon­deo ver­bu­chen: Obwohl etwas stär­ker und damit auch dyna­mi­scher, ent­wi­ckelt er unter glei­chen Bedin­gun­gen etwas weni­ger Durst und lässt auch weni­ger von sich hören. Nahezu per­fekt mit den Moto­ren har­mo­nie­ren auch die in bei­den Test­wa­gen instal­lier­ten Doppelkupplungs-​Getriebe. Unter­schiede gibt es hier nur beim Auf­preis: Wäh­rend VW 2300 Euro für die DSG-​Schaltbox ver­langt, begnügt sich Ford mit einem Auf­schlag von 2000 Euro für die Powershift-​Automatik.

Fahr­ver­hal­ten: Hand­lich oder kom­for­ta­bel?

Gra­vie­ren­dere Unter­schiede offen­ba­ren sich beim Fahr­kom­fort. Hier bie­tet der Mon­deo mit sei­ner sanft anspre­chen­den und auch hef­tige Fahr­bahn­stöße rela­tiv gelas­sen absor­bie­ren­den Fede­rung klare Vor­teile gegen­über dem Pas­sat, der etwas här­ter federt und seine Insas­sen nie über den Fahr­bahn­zu­stand im Unkla­ren lässt. Die straffe Fahr­werks­ab­stim­mung und die mehr Rück­mel­dung ver­mit­telnde Len­kung des Pas­sat sor­gen aber auch dafür, dass sich der VW hand­li­cher fah­ren lässt. Im Stadt­ver­kehr wirkt der Mon­deo deut­lich schwer­fäl­li­ger, und in schnel­len Kur­ven muss der Lenk­ein­schlag häu­fig kor­ri­giert wer­den, wäh­rend der Pas­sat hier mit stoi­schem Gleich­mut auf Kurs bleibt.

Preis­ni­veau: Unter 25 000 Euro geht gar nichts

Ford Mondeo

Pre­mi­um­for­mat bewei­sen die Test­kan­di­da­ten auch in der Preis­liste. Jen­seits der 35 000-​Euro-​Schwelle lie­gen beide, und da wird die Nach­frage nach Fami­li­en­li­mou­si­nen schon eher dünn. Trost spen­det hier nur die Tat­sa­che, dass man mit weni­ger PS, Assis­tenz­sys­te­men und opti­schem Schnick­schnack auch ganz gut zurecht­kommt. Schon das Mondeo-​Basismodell zu 25400 Euro ist mit sei­nem 125-​PS-​Dreizylinder aus­rei­chend moto­ri­siert und für einen Pas­sat mit der glei­chen Leis­tung aus vier Zylin­dern zum Preis von 26 075 Euro gilt das­selbe. Viel Platz für Pas­sa­giere und Gepäck sowie ordent­li­cher Kom­fort, aus­rei­chende Fahr­leis­tun­gen und mehr als nur ein Hauch von Ober­klasse sind schon hier seri­en­mä­ßig

Fazit: Ford Mon­deo oder VW Pas­sat

Ob schiere Größe, luxu­riö­ser Kom­fort oder die zahl­rei­chen Hightech-​Applikationen: Höchst impo­sant, was aus den ehe­mals eher bie­de­ren Mittelklasse-​Limousinen gewor­den ist. Vor allem der Pas­sat hat den Sprung in die Premium-​Klasse locker geschafft. Ange­sichts der Preise kommt man aller­dings schon ins Grü­beln: Zumin­dest die bes­ser aus­ge­stat­te­ten Ver­sio­nen pas­sen kaum noch in ein nor­ma­les Fami­li­en­bud­get und da wäre es kein Wun­der, wenn die tsche­chi­sche Kon­zern­toch­ter Skoda mit dem neuen Superb der Mut­ter­marke das Geschäft ver­ha­gelt. Ford dage­gen ist noch halb­wegs auf dem Tep­pich geblie­ben, und mit den klei­nen Schwä­chen des Mon­deo lässt es sich durch­aus leben.