BMW i3 und VW e-Up

BMW i3 und VW e-Up

Bei den Elek­tro­au­tos füh­ren BMW i3 und VW e-​Up die Zulas­sungs­sta­tis­tik an. Was sie hin­sich­lich Reich­weite, Motor­leis­tung und Aus­stat­tung kön­nen, zeigt unser Ver­gleich.

Von der Vision der Bun­des­kanz­le­rin, bis 2020 eine Mil­lion Elek­tro­au­tos auf deut­schen Stra­ßen rol­len zu sehen, sind wir noch Licht­jahre ent­fernt. Aber immer­hin: Mit dem Erschei­nen von E-​Mobilen aus deut­scher Pro­duk­tion kommt etwas mehr Bewe­gung in die Sache: Im ers­ten Halb­jahr 2014 ver­kaufte BMW 1378 Ein­hei­ten des i3, der damit der­zeit die Hit­liste der in Deutsch­land neu zuge­las­se­nen Stro­mer anführt, gefolgt vom VW e-​Up (rund 900 Exem­plare). Grund genug, die Qua­li­tä­ten der bei­den „Best­sel­ler“ im direk­ten Ver­gleich zu über­prü­fen.

Gra­vie­rende Unter­schiede zei­gen sich schon bei der Optik. Auch wenn das Anlie­gen der BMW-​Designer, den tech­ni­schen Auf­bruch zu neuen Ufern auch visu­ell zu doku­men­tie­ren, durch­aus nach­voll­zieh­bar ist: Schön wirkt der i3 nun wirk­lich nicht, bes­ten­falls avant­gar­dis­tisch. Deut­lich bes­ser gelun­gen ist den Bay­ern der Innen­raum, der mit neuen Werk­stof­fen und coo­ler Form­ge­bung eine ganz eigene Ästhe­tik aus­strahlt. Viel nor­ma­ler gibt sich der e-​Up: Wären da nicht die bogen­för­mi­gen LED-​Tagfahrlichter – man könnte ihn glatt für einen ganz nor­ma­len Ben­zi­ner hal­ten. Auch im Innen­raum sieht beim E-​Modell fast alles genau so aus wie in jedem ande­ren Up. Ledig­lich die Lade– und Reku­pe­ra­ti­ons­an­zei­gen im Kombi-​Instrument deu­ten auf den elek­tri­schen Antrieb hin.

BMW i3 und VW e-​Up: Hoher Auf­wand für nied­ri­ges Gewicht

BMW i3
Extra­va­gan­ter Auf­tritt: Beim BMW i3 ist nicht nur tech­nisch alles ganz anders

Wenig gemein­sam haben die bei­den Stro­mer auch unter dem Lack. Wäh­rend die VWKaros­se­rie wie bei allen ande­ren Ups aus Stahl gepresst wird, grün­det die aus car­bon­fa­ser­ver­stärk­tem Kunst­stoff (CFK) gefer­tigte Fahr­gast­zelle des BMW auf einem Aluminium-​Chassis und sorgt damit für eine deut­li­che Gewichts­er­spar­nis: Obwohl fast einen hal­ben Meter län­ger und damit im Innen­raum deut­lich grö­ßer als der Up bringt der i3 nur 60 Kilo mehr auf die Waage.

Gera­dezu über­mäch­tig gibt sich der BMW bei der Motor­leis­tung: Mit 170 PS ist er im Ver­gleich zum VW mehr als dop­pelt so stark moto­ri­siert, was sich aller­dings nur in der sport­wa­gen­mä­ßi­gen Beschleu­ni­gung aus­wirkt: Nur 7,2 Sekun­den braucht er, um aus dem Stand von 0 auf 100 km/​h zu spur­ten – der Up ist dabei fünf Sekun­den län­ger unter­wegs. In der Pra­xis aller­dings bil­det das kei­nen ech­ten Vor­teil: Auch mit dem ver­gleichs­weise schwach­brüs­ti­gen Up hat man beim Ampel­start dank stu­fen­los hoch­dre­hen­dem Elek­tro­mo­tor und bäri­gem Dreh­mo­ment die Nase klar vor allen kon­ven­tio­nell ange­trie­be­nen Fahr­zeu­gen. Auf der Auto­bahn sieht das anders aus: Wer mit der limi­tier­ten und ohne­hin schon beschei­de­nen Höchst­ge­schwin­dig­keit von 150 km/​h (BMW) oder 130 km/​h (VW) unter­wegs ist, kann zwar pro­blem­los im Ver­kehr mit­schwim­men, macht damit aller­dings die von den Her­stel­lern ange­ge­be­nen Reich­wei­ten (BMW 190 km, Up 160 km) zur Maku­la­tur.

Eine Voll­la­dung dau­ert drei Stun­den

VW e-Up
Unauf­fäl­lige Erschei­nung: Nur Details unter­schei­den den e-​Up vom Ben­zi­ner

Rea­li­sie­ren las­sen sich sol­che Werte nur bei äußerst zar­tem Umgang mit dem Strom­pe­dal und nach Anwahl leis­tungs­re­du­zier­ter Fahr­pro­gramme, in denen auch Neben­ver­brau­cher wie etwa die Kli­ma­an­lage abge­schal­tet wer­den. Mit ande­ren Wor­ten: Wer das ver­füg­bare Tem­pe­ra­ment der bei­den E-​Mobile wirk­lich nutzt, kommt mit einer Bat­te­rie­l­adung bes­ten­falls 100 Kilo­me­ter weit. Und dann heißt es erst mal war­ten. Min­des­tens acht Stun­den dau­ert es bei bei­den Fahr­zeu­gen, bis die Bat­te­rien an einer nor­ma­len Haus­halts­steck­dose wie­der auf­ge­la­den sind. Rund drei Stun­den schnel­ler geht es mit einer rund 900 Euro teu­ren 3,6-kW-Wallbox – und wer das Glück hat, eine der bis­lang noch sel­te­nen CCS-​Ladestationen zu fin­den, kann sei­ner Bat­te­rie inner­halb von 40 Minu­ten eine Schnell­la­dung ver­pas­sen. Eine Alter­na­tive bie­tet BMW mit dem optio­na­len Range Exten­der, einem 34 PS star­ken Zweizylinder-​Verbrennungsmotor, der einen Gene­ra­tor zur Strom­er­zeu­gung antreibt und damit die Reich­weite um bis zu 100 Kilo­me­ter ver­grö­ßert, aller­dings auch den Preis um 5000 Euro in die Höhe treibt.

Unge­wohnt: Laute Neben­ge­räu­sche

Doch es gibt auch gute Nach­rich­ten: Zum Bei­spiel die von der fast laut­lo­sen Fort­be­we­gung. Die Reduk­tion der Motor­ge­räu­sche auf ein kaum hör­ba­res Sum­men ist anfangs fast schon erschre­ckend, aber daran gewöhnt man sich schnell – und stellt fest, dass beim Auto­fah­ren zahl­rei­che Neben­ge­räu­sche auf­tre­ten, die sonst vom Sound des Ver­bren­nungs­mo­tors über­deckt wer­den: Vor allem im Up wir­ken das Pol­tern des Fahr­werks, das Rei­ben der Brems­be­läge auf den Schei­ben und die Wind­ge­räu­sche ziem­lich stö­rend, beim i3 sind sie deut­lich bes­ser gedämpft. Auch dar­über hin­aus glänzt der BMW im Fahr­be­trieb mit mehr Finesse: Dank des Heck­an­triebs ist der Wen­de­kreis sehr klein, was ihm eine über­ra­gende Hand­lich­keit ver­leiht – und die Bremse braucht man dank der hohen Reku­pe­ra­ti­ons­rate eigent­lich nur im abso­lu­ten Not­fall: Bei halb­wegs vor­aus­schau­en­der Fahr­weise reicht schon das Lup­fen des Strom­pe­dals, um ordent­li­che Ver­zö­ge­rungs­werte zu gene­rie­ren. Auch daran muss man sich aber zunächst gewöh­nen, wäh­rend sich die Up-​Bremse genauso anfühlt wie bei jedem ande­ren Auto auch.

Fazit: BMW i3 oder VW e-​Up

Der BMW i3 ist auf­grund sei­ner kon­se­quent auf die Anfor­de­run­gen der Elek­tro­mo­bi­li­tät aus­ge­rich­te­ten Kon­zep­tion und des grö­ße­ren Platz­an­ge­bots klar die bes­sere Alter­na­tive in die­sem Ver­gleich. Ob die Vor­teile aller­dings die Preis­dif­fe­renz im Ver­gleich zum e-​Up auf­wie­gen, ist eine Frage des per­sön­li­chen Bedarfs. Wer mit weni­ger Platz aus­kommt, kei­nen Wert auf einen avant­gar­dis­ti­schen Auf­tritt legt und mit klei­nen Defi­zi­ten leben kann, ist mit dem VW eben­falls sehr gut bedient und spart rund 8000 Euro.