Helmpflicht für Fahrradfahrer: Pflicht oder Kür?

Ob Unfall oder Sturz: Ein Fahrradhelm ist das beste Mittel, um den Kopf vor schweren Verletzungen zu schützen. Aktuelle Studien zeigen aber, dass nur rund die Hälfte aller Radfahrer tatsächlich einen Kopfschutz benutzt. Heftig umstritten ist die Einführung einer allgemeinen Fahrradhelmpflicht: Wir zeigen, was Sie dazu wissen sollten.
Helmpflicht auf dem Fahrrad: Aktuelle Gesetzeslage
Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Spanien, Finnland oder Malta ist die Helmpflicht in Deutschland nicht gesetzlich verankert. Fahrradfahrern jeder Altersklasse steht es daher frei, ob sie mit einem entsprechenden Kopfschutz in die Pedale treten möchten oder auf einen Schutz verzichten wollen. Laut einer aktuellen Umfrage des ACV nutzen nur rund 23 Prozent der befragten Radfahrer immer einen Helm.
Eine Ausnahme bei der Helmpflicht bilden Sportveranstaltungen und berufliche Einsätze: So ist bei vielen Radsportevents das Tragen von Helmen vorgeschrieben. Gleiches gilt entsprechend für Polizisten: Auch diese sind verpflichtet, im Einsatz auf dem Fahrrad einen Helm zu tragen.
Helmpflicht für Fahrradfahrer – ja oder nein?
Befürworter einer Helmpflicht versprechen sich von einer gesetzlichen Fahrradhelmpflicht vor allem einen Rückgang der gefährlichen Kopfverletzungen, die regelmäßig mit Stürzen und Unfällen einhergehen und zum Teil lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Insbesondere die Anzahl von schweren Hirnschädigungen lässt sich nach Expertenmeinung durch den Einsatz von Fahrradhelmen reduzieren: Schätzungen gehen hier von einer Quote von rund 80 Prozent aus.
Kritiker einer allgemeinen Helmpflicht argumentieren dagegen, dass auch Helme nicht gänzlich dafür sorgen können, Kopfverletzungen zu vermeiden. Im Gegenteil können nach dieser Ansicht Helme auch dafür sorgen, dass die Risikobereitschaft zunimmt und so das Fahrradfahren insgesamt trotz Helmpflicht unsicherer wird. Ein weiteres Argument: Helme schützen nur dann, wenn sie richtig aufgesetzt werden und die richtige Größe aufweisen – Anwendungsfehler sind hier nicht per se ausgeschlossen.
Helmpflicht: Was sagt das Gesetz?
Letztlich hat sich der Gesetzgeber explizit gegen eine Helmpflicht entschieden. Auch die Rechtsprechung leitet bei einem Unfall ohne Helm keine Mitschuld des Fahrradfahrers ab – dies ist besonders aus haftungsrechtlichen Überlegungen heraus wichtig.
Der ACV empfiehlt unabhängig von der Rechtssprechung, sich nicht ohne Fahrradhelm im Straßenverkehr zu bewegen.
Um zu verhindern, dass der Helm durch falsche Nutzung im Ernstfall Schaden verursacht, sollten Sie sich beim Kauf im Fachhandel beraten lassen. Der Experte kann Ihnen die richtige Größe und das korrekte Tragen des Helmes zeigen.
Außerdem sollten Sie auf eine gute Qualität des Helmes achten, und beim Kauf etwa auf Tests von Fahrradhelmen für Erwachsene und Fahrradhelme für Kinder vertrauen.
Helmpflicht für Kinder: Sinnvoll oder überflüssig?

Da Kinder als besonders gefährdet gelten, wird häufig eine Fahrradhelmpflicht für Kinder und Heranwachsende gefordert. Hier gelten Länder wie Island, Japan und die Vereinigten Staaten als Vorreiter: Diese sehen eine gesetzliche Helmpflicht bis zu einem bestimmten Alter vor. Befürworter einer Helmpflicht für Kinder argumentieren, dass sich die Verpflichtung bei Kindern und Jugendlichen sehr viel einfacher durchsetzen lässt als zum Beispiel bei älteren Radfahrern.
In Deutschland gibt es eine derartige Regelung nicht. Auch ist in absehbarer Zeit nicht mit dem Erlass einer allgemeinen Helmpflicht für Kinder zu rechnen – dementsprechend drohen auch keine Bußgelder, wenn Ihr Kind ohne Helm mit Fahrrad unterwegs ist. Doch gerade Kinder, die noch nicht alle Gefahren im Straßenverkehr korrekt einschätzen können, sollten nicht ohne Helm aufs Fahrrad steigen.
Juristische Beratung für ACV Mitglieder
Ob Autofahrer, Fußgänger oder Fahrradfahrer: Haben Sie eine rechtliche Frage rund um den Straßenverkehr? Dann empfiehlt es sich, vor Einleitung eines aufwendigen Verfahrens zunächst einmal eine kostenlose Erstberatung durch einen Anwalt zu nutzen. Diese hilft dabei, das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Verfahrens abzuwägen. So kann in aller Ruhe geprüft werden, ob sich der bürokratische Akt tatsächlich lohnt.
ACV Mitglieder erhalten über unseren Partner KLUGO eine kostenlose rechtliche Erstberatung und können sofort eine Ersteinschätzung durch einen Fachanwalt bekommen.
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