Unfall im Ausland

Straf­zet­tel aus dem Aus­land: Muss ich bezah­len?

Ein Strafzettel ist das unbeliebteste Mitbringsel aus einem Urlaub oder von einer Geschäftsreise. Denn Verkehrsverstöße aus dem Ausland können schnell teuer werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Muss ich einen Straf­zet­tel aus dem EU-Ausland bezah­len?

Strafzettel Ausland
Ein Straf­zet­tel im Urlaub nervt - aber wann muss man ihn bezah­len?

Wenn der Betrag gemein­sam mit mög­li­chen Ver­fah­rens­kos­ten 70 Euro über­steigt, wer­den Straf­zet­tel inner­halb der EU grenz­über­schrei­tend voll­streckt. Dann müs­sen Sie auch bezah­len. Die 70-Euro-Grenze ist schnell erreicht, da Buß­gel­der in Europa zumeist höher aus­fal­len als in Deutsch­land. Wenn der Ver­kehrs­sün­der nicht bezahlt, über­nimmt das Bun­des­amt für Jus­tiz das Ein­trei­ben des Buß­gel­des. Eine Aus­nahme bil­det Öster­reich: Ver­kehrs­sün­der wer­den auf­grund eines Abkom­mens hier bereits bei 25 Euro Strafe zur Kasse gebe­ten.

Das Bun­des­amt für Jus­tiz in Bonn prüft aller­dings zunächst, ob die von der aus­län­di­schen Behörde vor­ge­leg­ten Unter­la­gen eine Voll­stre­ckung zulas­sen. Ist der Buß­geld­be­scheid zum Bei­spiel nicht in der Hei­mat­spra­che des Betrof­fe­nen ver­fasst, so hat der Antrag­stel­ler in den meis­ten Fäl­len kei­nen Anspruch. Sie soll­ten Bescheide, die nicht in deut­scher Spra­che for­mu­liert sind, aber nicht grund­sätz­lich igno­rie­ren, denn mit eini­gen Län­dern bestehen beson­dere Abkom­men. Suchen Sie sich im Zwei­fel recht­li­che Bera­tung. ACV Mit­glie­der erhal­ten eine kos­ten­lose Rechts­be­ra­tung. Hier gibt’s Details zur Leis­tung.

Kann ich einen Straf­zet­tel igno­rie­ren?

Es lohnt sich nicht, einen Straf­zet­tel aus­zu­sit­zen. Wer­den Sie bei Wie­der­ein­reise in das ent­spre­chende Land erwischt, dann wird es erst rich­tig teuer und der Betrag muss sofort bezahlt wer­den. Die Ver­jäh­rungs­fris­ten sind län­der­ab­hän­gig und in man­chen Län­dern kann die  Buß­geld­for­de­rung auch noch nach Jah­ren gül­tig sein.

Lohnt es sich, Ein­spruch gegen den Straf­zet­tel zu erhe­ben?

Falls Sie Zwei­fel an dem Buß­geld­be­scheid haben, haben Sie zwei Wochen Zeit, Ein­spruch zu erhe­ben. In Deutsch­land gilt zum Bei­spiel im Gegen­satz zu ande­ren EU-Ländern nicht die Hal­ter­haf­tung.

Kann ich bei Buß­gel­dern aus dem Aus­land auch spa­ren?

Ja, das geht tat­säch­lich. In eini­gen Län­dern gibt es Rabatte, wenn Sie das Buß­geld inner­halb einer bestimm­ten Frist bezah­len, bei­spiels­weise in Spa­nien oder Ita­lien. Aller­dings bedeu­tet das auch, dass sich die Stra­fen erhö­hen kön­nen, wenn Sie inner­halb die­ser Frist nicht bezah­len.

Wel­che Ver­kehrs­ver­stöße im Aus­land wer­den geahn­det?

Fahren ohne Sicherheitsgurt
Fah­ren ohne Sicher­heits­gurt wird auch im Aus­land mit Stra­fen geahn­det.

Seit 2013 ist der euro­päi­sche Hal­ter­da­ten­aus­tau­sch mög­lich. Mit­hilfe die­ses grenz­über­schrei­ten­den Ver­fah­rens ist das Kraft­fahrt­bun­des­amt in Deutsch­land bei einer Anfrage aus einem EU-Land zur Her­aus­gabe der Hal­ter­da­ten ver­pflich­tet. Der Hal­ter­da­ten­aus­tau­sch ist bei Ver­kehrs­ver­stö­ßen mög­lich, die die Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr gefähr­den. Dazu gehö­ren fol­gende Ver­stöße:

  • Über­fah­ren einer roten Ampel
  • Handy am Steuer
  • Geschwin­dig­keits­über­tre­tung
  • Alko­hol oder Dro­gen am Steuer
  • Fah­ren ohne Sicher­heits­gurt oder Schutz­helm
  • Befah­ren einer für den Indi­vi­du­al­ver­kehr gesperr­ten Spur

Dro­hen mir Punkte in Flens­burg und Füh­rer­schein­ent­zug?

Nein, denn Ihr Punk­te­konto kann nur bei Ver­kehrs­sün­den in Deutsch­land belas­tet wer­den. Aus­län­di­sche Behör­den kön­nen ledig­lich Buß­gel­der ver­hän­gen. Auch der Füh­rer­schein kann Ihnen von aus­län­di­schen Behör­den nicht abge­nom­men wer­den.

Dür­fen Buß­gel­der aus Nicht-EU-Ländern ein­ge­trie­ben wer­den?

Nein. Buß­gel­der kön­nen nur von EU-Ländern in Deutsch­land voll­streckt wer­den. Nicht-EU-Länder, zum Bei­spiel die Schweiz, kön­nen keine Buß­gel­der in Deutsch­land ein­for­dern.

Was tun, wenn Post von NiviCredit im Brief­kas­ten liegt?

Quittung an der Mautstation
Blei­ben Sie wach­sam beim Durch­fah­ren der Maut­sta­tio­nen - und neh­men Sie immer die Quit­tung mit

Das Unter­neh­men NiviCredit aus Ita­lien wird von ita­lie­ni­schen Auto­bahn­be­trei­bern mit der Ver­fol­gung aus­ste­hen­der Maut­ge­büh­ren beauf­tragt. Nach ita­lie­ni­scher Gesetz­ge­bung ist das rech­tens, außer­dem kön­nen die Gebüh­ren bis zu zehn Jahre spä­ter noch ein­ge­trie­ben wer­den. Es han­delt sich dabei nicht um Betrug.

Es ist nicht ein­fach, nach meh­re­ren Jah­ren den Beweis der Zah­lung vor­zu­le­gen, aus die­sem Grund ist es rat­sam, sich bei einem tech­ni­schen Defekt oder Befah­ren der Telepass-Spur direkt an NiviCredit zu wen­den. Grund­sätz­lich gewährt NiviCredit eine Frist von zwei Wochen, die offene Maut­ge­bühr nach­träg­lich zu bezah­len.

Tipp: Ach­ten Sie auf die Quit­tun­gen an den Maut­sta­tio­nen, denn trotz abge­bro­che­ner Kre­dit­kar­ten­zah­lung oder tech­ni­schen Defekts öff­nen sich die Schran­ken. Bei Quit­tun­gen mit „Man­cato paga­mento“ (deut­sch: nicht bezahlt) wen­den Sie sich an NiviCredit.

Bilder auf dieser Seite: