Probezeit Führerschein

Alles rund um die Führerschein-Probezeit

Die Führerschein-​Probezeit wird von vie­len jun­gen Auto­fah­rern als läs­tig und unge­recht emp­fun­den. Warum gibt es die Führerschein-​Probezeit über­haupt und was pas­siert bei Miss­ach­tung? Im fol­gen­den Arti­kel klä­ren wir Sie auf.

Die Führerschein-​Probezeit hat durch­aus ihre Berech­ti­gung, wenn man einen Blick auf die deut­schen Unfall-​Statistiken wirft: Junge Füh­rer­schein­be­sit­zer ver­ur­sa­chen nicht nur die meis­ten Unfälle, son­dern sind auch als Geschä­digte am häu­figs­ten betrof­fen. Laut der Allianz-​Studie „Jung und urban“ ver­ur­sa­chen junge Auto­fah­rer auf den deut­schen Stra­ßen 22% aller Unfälle mit Per­so­nen­scha­den. Jeder vierte getö­tete PKW-​Fahrer war zwi­schen 18– und 24 Jahre alt, obwohl diese Alters­gruppe nur acht Pro­zent aller Füh­rer­schein­be­sit­zer aus­macht. Haupt­ur­sa­chen sind Alko­hol am Steuer und die erhöhte Risi­ko­be­reit­schaft, z. B. erhöhte Geschwin­dig­keit oder die ver­nach­läs­sigte Anschnall­pflicht.

Probezeit Führerschein

Dauer der Pro­be­zeit beim Füh­rer­schein

Nach Erwerb des Füh­rer­scheins ist jeder Fah­rer für die Dauer von zwei Jah­ren in der Pro­be­zeit. Nach Ablauf die­ser Zeit ist die Fah­rer­er­laub­nis auto­ma­tisch für unbe­grenzte Zeit gül­tig. Aus­ge­nom­men von der Führerschein-​Probezeit sind die Fahrerlaubnis-​Klassen L, M und T.

Ver­kehrs­ver­stöße wäh­rend der Pro­be­zeit

Bei klei­ne­ren Delik­ten, wie fal­schem Par­ken, wird ein Buß­geld fäl­lig. Diese haben aber kei­nen Ein­fluss auf die Dauer der Führerschein-​Probezeit solange die Höhe des Buß­gelds unter 60€ liegt. Fahr­an­fän­ger müs­sen die glei­chen Buß­gel­der zah­len wie andere Auto­fah­rer. Aller­dings kön­nen Sie im Gegen­satz zu ande­ren Fah­rern keine Punkte abbauen.

Bei schwe­re­ren Ver­kehrs­ver­stö­ßen hin­ge­gen wird zwi­schen A– und B-​Delikten dif­fe­ren­ziert. A-​Delikte sind „schwer­wie­gende“ Ver­stöße des Kata­logs A und B-​Delikte sind „weni­ger schwer­wie­gende“ Ver­stöße des Kata­logs B. Ver­stöße die­ser Art füh­ren zu beson­de­ren Maß­nah­men wäh­rend der Pro­be­zeit und wer­den beim Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter beim Kraftfahrt-​Bundesamt in Flens­burg ein­ge­tra­gen.

Bei­spiele für A-​Delikte sind:

  • Unfall­flucht
  • Nöti­gung
  • fahr­läs­sige Tötung/​Körperverletzung
  • Trun­ken­heit im Ver­kehr
  • Unter­las­sene Hil­fe­leis­tung
  • Fah­ren mit einem unver­si­cher­ten Kraft­fahr­zeug
  • Über­schrei­ten der zuläs­si­gen Höchst­ge­schwin­dig­keit um mehr als 20 km/​h
  • Miss­ach­tung einer roten Ampel
  • Vor­fahrt nicht beach­tet
  • Über­ho­len im Über­hol­ver­bot

Bei schwer­wie­gen­den Ver­kehrs­ver­stö­ßen wäh­rend der Führerschein-​Probezeit führt bereits ein Ver­stoß zu Maß­nah­men.

Bei­spiele für B-​Delikte sind:

  • Nicht­be­ach­ten eines „Stopp­schil­des“
  • Lie­gen geblie­be­nes Fahr­zeug nicht abge­si­chert
  • Aus­rüs­tung des Kfz nicht an die Wit­te­rungs­ver­hält­nisse ange­passt (z. B. keine Win­ter­rei­fen im Dezem­ber) und andere behin­dert
  • Bei erheb­li­cher Sicht­be­hin­de­rung (z. B. Nebel) ohne Licht gefah­ren
  • Tele­fo­nie­ren am Steuer mit einem Handy ohne geeig­nete Frei­sprech­ein­rich­tung

Bei weni­ger schwer­wie­gen­den Ver­kehrs­ver­stö­ßen muss erst noch ein wei­te­res Delikt hin­zu­kom­men, bevor es zu Maß­nah­men in der Führerschein-​Probezeit kommt.

Maß­nah­men bei Ver­stö­ßen

Es gel­ten fol­gende Maß­nah­mensche­mata:

Tat Maß­nahme
Ein­ma­li­ger A-​Verstoß Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung um 2 Jahre & Teil­nah­me­pflicht am Auf­bau­se­mi­nar
A-​Verstoß in der Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung Ver­war­nung & Teil­nah­me­emp­feh­lung an ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­scher Bera­tung
Erneu­ter A-​Verstoß in der Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung Fahr­er­laub­nis­ent­zug
A-​Verstoß mit Dro­gen und Alko­hol Teil­nah­me­pflicht an einem beson­de­ren Auf­bau­se­mi­nar für Fahr­an­fän­ger

Tat Maß­nahme
Ein­ma­li­ger B-​Verstoß keine Aus­wir­kun­gen auf die Pro­be­zeit
Zwei B-​Verstöße Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung um 2 Jahre & Teil­nah­me­pflicht am Auf­bau­se­mi­nar
Erneu­ter A-​Verstoß in der Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung Fahr­er­laub­nis­ent­zug
B-​Verstoß mit anschlie­ßen­dem A-​Verstoß Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung um 2 Jahre & Teil­nah­me­pflicht am Auf­bau­se­mi­nar
Zwei B-​Verstöße in der Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung Ver­war­nung & Teil­nah­me­emp­feh­lung an ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­scher Bera­tung
Erneute zwei B-​Verstöße in der Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung Fahr­er­laub­nis­ent­zug

Die Führerschein-​Probezeit ver­län­gert sich gene­rell um zwei Jahre bei

  • einem A-​Verstoß
  • zwei B-​Verstößen
  • einem Ver­stoß mit einem Buß­geld ab 60 Euro
  • einem B-​Verstoß mit anschlie­ßen­dem A-​Verstoß

Info­box: Strik­tes Alko­hol– und Dro­gen­ver­bot

Für Fahr­an­fän­ger gilt ein strik­tes Alko­hol– und Dro­gen­ver­bot beim Füh­ren eines Fahr­zeugs. Die übli­che Pro­mil­le­grenze von 0,5 Pro­mille gilt nicht für Fahr­an­fän­ger in der Führerschein-​Probezeit: Bei ihnen gilt die 0,0 Promille-​Grenze! Wer in der Pro­be­zeit trinkt oder andere Dro­gen kon­su­miert und fährt, muss mit har­ten Stra­fen rech­nen! Ein Buß­geld von 250€ sowie ein beson­de­res Auf­bau­se­mi­nar und Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung plus ein Punkt wer­den fäl­lig.

Auf­bau­se­mi­nar für Fahr­an­fän­ger

Die Kurs­teil­name an einem Auf­bau­se­mi­nar ist ver­pflich­tend nach zwei B-​Verstößen oder einem A-​Verstoß. Bis zu zwei Mona­ten nach Ver­ord­nung ist die Teil­nahme mög­lich, danach wird die Fahr­er­laub­nis ent­zo­gen. Ver­län­ge­run­gen die­ser Frist bedür­fen einen beson­de­ren Grund, wie bei­spiels­weise ein Kran­ken­haus­auf­ent­halt. Die Kos­ten für ein sol­ches Auf­bau­se­mi­nar wer­den von der Fahr­schule, wo das Semi­nar statt­fin­det, selbst fest­ge­legt und belau­fen sich auf 250500€ für den Teil­neh­mer. Das Semi­nar wird in Grup­pen durch­ge­führt und dau­ert ins­ge­samt etwa neun Stun­den. Das Semi­nar besteht aus vier Blö­cken à 135 Minu­ten und einer Fahr­probe, die dem Fahr­leh­rer die Fah­rer­fah­rung zei­gen soll.

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