| Rubrik: Inter­views emp­feh­len

Wo lie­gen die Akzep­tanz­gren­zen von e-​​Call?

Wie beur­tei­len Sie die Akzep­tanz der mas­sen­haf­ten Daten­er­he­bung und wie beur­tei­len Sie ihre Ent­wick­lung?

Daten­schutz ist den Men­schen wich­tig. Aber „Men­schen­le­ben ret­ten“ ist dem­ge­gen­über ein „Tot­schlag­ar­gu­ment“. Obwohl wir in der Stu­die her­aus­ge­fun­den haben, dass sich die Men­schen Gedan­ken über den Daten­schutz machen, herrscht der Sicher­heits­ge­danke vor.

Das Not­ruf­sys­tem e-​​Call wird aus Sicher­heits­as­pek­ten akzep­tiert. Meine vor­sich­tige Pro­gnose ist, dass sich die Ver­net­zung durch­set­zen wird. Die Men­schen wer­den im Laufe der Zeit und der Dis­kus­sio­nen um die­ses Thema abstump­fen. Sicher­heit und Gelder­spar­nis sind wich­tige Fak­to­ren, unter denen Men­schen bereit sind, Daten von sich preis zu geben, obwohl es ihnen im Grunde wider­strebt.

Gibt es Rege­lun­gen, die ver­hin­dern, dass erho­bene Daten kom­mer­zi­ell genutzt wer­den?

Das von der EU ein­ge­führte e-​​Call Sys­tem ist daten­schutz­recht­lich gut gere­gelt. Ich sehe aber Hand­lungs­be­darf in bei dar­über hin­aus­ge­hen­den Daten, die zum Bei­spiel an die Werk­stät­ten oder Auto­her­stel­ler über­mit­telt wer­den. dem Daten­selbst­be­stim­mungs­recht des Fah­rers. Das Recht, über per­sön­li­che Daten bestim­men zu kön­nen, muss stär­ker kon­trol­liert, über­wacht und durch­ge­setzt wer­den.

Der Fah­rer muss auf­ge­klärt wer­den, die Ver­wen­dung der Daten ein­ge­grenzt wer­den. Ich sehe hier vor allem den Ver­brau­cher­schutz gefor­dert. Er muss sich für eine freie und bewusste Ent­schei­dung durch den Nut­zer ein­set­zen.

Ist die Auto­mo­bil­in­dus­trie oder der Gesetz­ge­ber die trei­bende Kraft bei der Nut­zung der tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten?

Ich denke es ist die Auto­mo­bil­in­dus­trie. Der Gesetz­ge­ber öff­net ihr mit dem e-​​Call die Türe. Die Auto­mo­bil­in­dus­trie sagt sich „wenn wir’s schon machen, dann rich­tig“. Sie erhofft sich Zusatz­ge­schäft, Kun­den­bin­dung und man darf nicht ver­ges­sen, die Finan­zie­rung der Auto­mo­bil­in­dus­trie erfolgt gro­ßen Teil über den After Sales Markt, für den diese Daten natür­lich sehr wert­voll sind.

Wie kön­nen Auto­fah­rer von Mehr­wert­diens­ten über­zeugt wer­den?

Die Mehr­wert­dienste kön­nen soviel Zusatz­nut­zen bie­ten, dass es leicht wird den Auto­fah­rer davon zu über­zeu­gen. Den Anfang wer­den fahr­zeug­nahe tech­ni­sche Vor­teile machen: wann muss ich mal wie­der zur Inspek­tion, muss ich mal wie­der mei­nen Luft­druck nach­mes­sen usw. Dem fol­gen dann aber wesent­lich wei­tere Dienst­leis­tun­gen – Rei­se­pla­nung, Shop­ping, Medi­en­kon­sum u.v.m., die hohe Umsatz­po­ten­ziale für alle daran betei­lig­ten Unter­neh­men haben.

Ich gehe davon aus, es wird zu einem star­ken wett­be­werb zwi­schen fahr­zeu­g­in­te­grier­ter Ver­net­zung und fahr­zeu­g­un­ab­hän­gi­ger Ver­net­zung über das Smart­phone kom­men.

Sehen Sie Trends, die auf­zei­gen, dass elek­tro­ni­sche Kon­troll­sys­teme zu einer Ver­än­de­rung bei der Ein­schät­zung des Auto­mo­bils, als Garant und Werk­zeug für indi­vi­du­elle Frei­heit?

Das Fahr­zeug galt und gilt als Rück­zugs­ort, Ort der Abschot­tung. Die Wahr­neh­mung des Auto­mo­bils kann sich durch­aus diese Ent­wick­lung ver­än­dern. Die indi­vi­du­elle Frei­heit wird ein Stück ver­lo­ren gehen. Das Gefühl mein Fahr­zeug ist mein Rück­zugs­ort wird zurück­ge­hen. An des­sen Stelle tritt die jeder­zei­tige Ver­net­zung und Erreich­bar­keit, die wir ja auch aus ande­ren Lebens­be­rei­chen ken­nen.

Erwei­tert sich mit e-​​Call der Markt für Ver­si­che­run­gen?

Inter­es­sant ist, ob die ver­netz­ten Daten für eine genauere Kal­ku­la­tion der Ver­si­che­rungs­prä­mie ein­ge­setzt wer­den. Nach Fahr­stre­cke – Pay as you drive – oder auch nach Fahr­stil – pay how you drive. Bei­des ist durch Fahr­zeug­vermnet­zung pro­blem­los mög­lich und bei­des wird im Aus­land bereits nit Erfolg ein­ge­setzt. Skep­ti­ker sagen, in Deutsch­land gebe es bereits eine sehr dif­fe­ren­zierte Tarif­be­rech­nung. Der Vor­teil einer mobi­len Daten­er­fas­sung wäre daher nicht so groß, als dass sich dar­aus noch wei­tere Prei­sor­teile für die Kun­den erge­ben.

Das glaube ich nicht. Für. Bei bes­se­rer Vor­her­sage durch bes­sere Kennt­nis der Fahr­ge­wohn­hei­ten gibt es ein genaue­res Ange­bot. Ver­si­che­rer, die hier nicht mit­ma­chen, sind in Gefahr, am Ende nur noch die schlech­ten Risi­ken zu ver­si­chern, was zu ent­spre­chend hohen Prä­mien führt. Hier erwarte ich daher einen Umbruch, vor allem bei jun­gen Fah­rern und bei ande­ren Grup­pen, die bis­her sehr hohe Ver­si­che­rungs­ta­rife zah­len.. Wenn Men­schen durch kor­rekte Fahr­weise, die Mög­lich­keit haben bis zu 1.000 Euro zu spa­ren, dann gehe ich davon aus, wer­den sie weich und stim­men dem „pay as you drive“ Sys­tem zu. Bei einer ent­spre­chen­den Erspar­nis wird die gewünschte Pri­vat­sphäre in den Hin­ter­grund rücken.

Erwar­ten Sie eine gewisse Sät­ti­gung (bei der jün­ge­ren Gene­ra­tion), die zur kri­ti­schen bzw. ableh­nen­den Ein­stel­lung zur tota­len Daten­kon­trolle führt?

Das Bewusst­sein für Daten­kon­trolle fängt beim Handy an und hört der­zeit beim Auto­mo­bil auf. Snow­den und die NSA haben den Daten­schutz zwar stär­ker in das Bewusst­sein der Men­schen gebracht. Den­noch sind wir in der neuen Netz­welt noch weit von dem Ideal „mün­di­ger Kon­su­men­ten“ ent­fernt, . Jetzt bleibt es abzu­war­ten: ent­we­der die Men­schen stump­fen ab oder sie wer­den für die­ses Thema sen­si­bi­li­siert. Ins­be­son­dere sehe ich aber einen deut­li­chen Hand­lungs­be­darf für Ver­brau­cher­schutz und Poli­tik. Und zwar sowohl in Bezug auf Auf­klä­rung, als auch in Bezug auf gesetz­li­che Rege­lun­gen.