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Mobilitäts-​App: Qix­xit — Der Reis­pla­ner für Deutsch­land

Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen stan­den Sie bei der Markt­ein­füh­rung von Qix­xit im letz­ten Jahr?

Tref­fen­der wäre die Frage: Vor wel­cher Her­aus­for­de­rung stan­den wir damals nicht? Die größte Her­aus­for­de­rung war der neue und offene Mobi­li­täts­markt und damit die schwer defi­nier­ba­ren Ziel­gruppe, der ein sehr erklä­rungs­be­dürf­ti­ges Thema trans­por­tiert wer­den soll. Wenn die Men­schen ver­stan­den haben was Qix­xit ist und wie es funk­tio­niert, sind viele begeis­tert, denn wir bie­ten Lösun­gen für Mobi­li­täts­kon­zepte, die vor­her gar nicht wahr­ge­nom­men wur­den.

Für die Deut­sche Bahn dage­gen war es neu, in einem sehr schnell­le­bi­gen und dyna­mi­schen Markt zu agie­ren, in dem man sehr fle­xi­bel auf die rasan­ten Ent­wick­lun­gen rea­gie­ren muss, um mit­zu­hal­ten.

An wel­che Ziel­gruppe rich­tet sich Qix­xit und wie wird es von den Nut­zern ange­nom­men?

Die sozia­len Trends zei­gen deut­lich, dass die The­men Tech­nik, stär­kere Ver­brei­tung von Smart­pho­nes und Urba­ni­sie­rung in den letz­ten Jah­ren zuge­nom­men haben. Wir befin­den uns gerade mit­ten in einem gesell­schaft­li­chen, sozia­len und tech­ni­schen Wan­del. Es zeich­net sich heute schon der Trend ab, dass die Erwar­tungs­hal­tun­gen der Men­schen an Mobi­li­tät und an Ver­kehrs­an­bie­ter immer grö­ßer wer­den und gleich­zei­tig der Wunsch nach einer rei­bungs­lo­sen Rei­se­kette zunimmt.

Wie unter­schei­det sich Qix­xit von sei­nen Mit­be­wer­bern? Wo sehen Sie die Vor­teile?

Wir wol­len die deutsch­land­weite Tür-​zu-​Tür-​Mobilität über eine Viel­zahl an Ver­kehrs­trä­gern hin­weg anbie­ten und zwar ver­kehrs­mit­tel­neu­tral und gleich­zei­tig mit hoher Trans­pa­renz. Um die­sem Anspruch gerecht zu wer­den, koope­rie­ren wir mit vie­len Part­nern, so dass wir der­zeit das größte Part­ner­netz­werk im Ver­gleich zu unse­ren Mit­be­wer­bern haben.

Zudem möchte Qix­xit den Nut­zer auf sei­nem Weg nicht alleine las­sen, son­dern ver­sucht, ihn bis zu sei­nem Rei­se­ziel zu beglei­ten. Kon­kret heißt das, ihn zum Bei­spiel dar­auf auf­merk­sam zu machen, dass sich seine Rei­se­zeit auf­grund eines Unfalls ver­län­gern wird. Daran anschlie­ßend ist unsere Vision, den Usern eine alter­na­tive Rei­se­kette anzu­bie­ten und die Umbu­chung auf andere Ver­kehrs­trä­ger zu ermög­li­chen.

Frau Aul­horn, bei der Markt­ein­füh­rung vor einem Jahr spra­chen Sie über Qix­xit von einem Start up inner­halb eines gro­ßen Unter­neh­mens. Ist Qix­xit immer noch ein Start up-​Projekt oder inner­halb eines Jah­res, neben dem DB Navi­ga­tor, zur wich­tigs­ten App der Deut­schen Bahn gewor­den?

Qix­xit steht nicht in direk­ter Kon­kur­renz zum DB Navi­ga­tor. Qix­xit spricht Rei­sende an, die sich noch nicht für ein Ver­kehrs­mit­tel ent­schie­den haben. Das ist ein wesent­li­cher Unter­schied zum DB Navi­ga­tor. Somit ist Qix­xit für uns viel­mehr ein wich­ti­ges stra­te­gi­sches Pro­jekt, mit dem wir den Markt beob­ach­ten, den Kun­den bes­ser ken­nen­ler­nen und ent­spre­chend neue Ziel­grup­pen defi­nie­ren kön­nen.

Was hat die Deut­sche Bahn dazu ver­an­lasst, ein Mobi­li­tätspor­tal ins Leben zu rufen und seit wann haben die die­ses Kon­zept im Auge gehabt?

Das große Thema Mobi­li­tät steht bei der Deut­schen Bahn schon seit über zehn Jah­ren im Fokus. Wir arbei­ten schon lange daran, uns als Mobi­li­täts­an­bie­ter zu posi­tio­nie­ren, der dem Kun­den eine kom­plette Rei­se­kette anbie­ten kann. Diese Kon­zepte haben wir bis­lang im eige­nen Kon­zern­port­fo­lio ent­wi­ckelt. Nicht nur Call a Bike bie­tet die Bahn bereits seit vie­len Jah­ren bun­des­weit an, auch Car­sha­ring erwei­tert unser Ange­bot schon lange. Unsere App DB Navi­ga­tor war in der Gesamt­stra­te­gie ein wei­te­rer Schritt, um Rei­se­ket­ten nicht mehr ledig­lich von Bahnhof-​zu-​Bahnhof dar­zu­stel­len, son­dern um sie durch die Option von Tür-​zu-​Tür zu erwei­tern. Qix­xit ist also ein logi­scher und kon­se­quen­ter wei­te­rer Schritt in Rich­tung Mobi­li­täts­an­bie­ter.

Ist die Deut­sche Bahn in der Lage oder ist es Teil ihrer Stra­te­gie die vie­len Mobi­li­täts­an­ge­bote in Deutsch­land zu bün­deln und Mobi­li­tät quasi aus einer Hand anzu­bie­ten?

Das tun wir zum größ­ten Teil schon. In vie­len Fäl­len kön­nen wir schon heute kom­plette Rei­se­ket­ten inner­halb unse­rer eige­nen Kon­zern­ver­kehrs­mit­tel dar­stel­len. Und dort, wo wir es noch nicht kön­nen set­zen wir auf unsere Part­ner. Zum Bei­spiel auf die Mit­fahr­platt­form flinc, über die Auto­fah­rer ihre geplan­ten Fahr­ten für mög­li­che Mit­rei­sende anbie­ten kön­nen und damit ins­be­son­dere im länd­li­chen Raum, Mobi­li­tät für viele gesi­chert wer­den kann.

Der DB-​Konzern ist das größte Unter­neh­men im Mobi­li­täts­be­reich in Deutsch­land und hat damit gleich­zei­tig eine Vor­rei­ter­rolle, die nicht nur aus sei­ner Größe resul­tiert, son­dern auch durch seine stra­te­gi­schen Aus­rich­tung, zu der gehört, Mobi­li­täts­trends und Kun­den­er­war­tun­gen früh­zei­tig zu erken­nen und dar­auf zu rea­gie­ren.

Wel­che Erfah­run­gen und Learnings konn­ten Sie aus dem letz­ten Jahr zie­hen, wel­che die stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung von Qix­xit künf­tig beein­flus­sen wer­den?

Neben der stän­di­gen Markt­be­ob­ach­tung sind wir im Social-​Media-​Bereich stark auf­ge­stellt, was uns dabei hilft, unsere Nut­zer regel­mä­ßig nach ihren Anre­gun­gen und Wün­schen zu befra­gen. Kun­den­feed­back ist für uns sehr wich­tig und führt durch­aus zur Über­ar­bei­tung von Kon­zep­ten und zu unge­plan­ten Son­der­schlei­fen, die uns dabei hel­fen unser Pro­dukt stän­dig zu ver­bes­sern.

Seit Pro­jekt­start gehört die Beglei­tung auf dem Rei­se­weg mit Echt­zeit­in­fos zu unse­ren gro­ßen Visio­nen. Der­zeit arbei­ten wir daran, dem Nut­zer bald Stau­in­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Die Inte­gra­tion wel­cher neuen Funk­tio­nen pla­nen Sie für Qix­xit?

Die Liste wün­schens­wer­ter Funk­tio­nen ist sehr lange, des­halb prio­ri­sie­ren wir nach den Kun­den­be­dürf­nis­sen. Neben der Preis­aus­kunft über Ver­bin­dun­gen, inner­halb von Ver­kehrs­ver­bün­den, steht vor allem die Buchung der Ver­kehrs­trä­ger ganz oben auf der Liste. Es liegt nahe, dass wir hier­bei zunächst mit unse­ren DB-​Produkten star­ten. Die Rea­li­sie­rung von Buchungs­pro­zes­sen ist jedoch ein sehr kom­ple­xes Thema, das wir ganz oben auf der Agenda haben. Zudem soll fle­xi­bles Car­sha­ring aller rele­van­ten Anbie­ter in abseh­ba­rer Zeit mit ein­ge­bun­den wer­den.

Unsere Vision ist die One-​Klick-​Buchung für eine Rei­se­kette. Auf­grund unse­rer vie­len Koope­ra­tio­nen und tech­ni­scher Kom­ple­xi­tät, ist es heute noch nicht abseh­bar, wann wir die­ses Ziel rea­li­sie­ren wer­den.

Wird die DB wei­ter­hin die Posi­tion des Kern­ver­kehrs­mit­tels hal­ten kön­nen wenn zuneh­mend kon­kur­rie­rende Ver­kehrs­an­ge­bote in Qix­xit ein­ge­bun­den wer­den?

Auf jeden Fall, denn das Ver­kehrs­mit­tel Bahn hat gute Zukunfts­aus­sich­ten. Das ver­än­derte Mobi­li­täts­ver­hal­ten der Men­schen zeigt: Man­che wol­len kein eige­nes Auto mehr. Hinzu kommt ein stei­gen­des Umwelt­be­wusst­sein. Gleich­zei­tig ver­än­dert sich der Preis für Mobi­li­tät, vor allem dann wenn die Mine­ral­öl­preise wie­der stei­gen. Zug­fah­ren hat viele Vor­teile, was wir der­zeit mit unse­rer Kam­pa­gne „Diese Zeit gehört dir“ bewer­ben. Ein Buch lesen, mit sei­nen Kin­dern spie­len, arbei­ten oder ein­fach ein Nicker­chen – das kann man so in ande­ren Ver­kehrs­mit­teln nicht machen. Zudem punk­tet die Bahn viel­fach in Sachen Rei­se­zeit und bringt ihre Kun­den genauso schnell, wenn nicht sogar schnel­ler ans Ziel.

Mit der ver­kehrs­trä­ger­neu­tra­len App Qix­xit wol­len wir neue Fahr­gäste fin­den, die nach indi­vi­du­el­ler Mobi­li­tät suchen und dabei gar nicht an die Mög­lich­keit mit der Bahn zu rei­sen, gedacht haben. In der App bekom­men sie dann einen Ver­gleich der Ver­kehrs­trä­ger und mer­ken wel­che, zum Bei­spiel zeit­li­che Vor­teile die Bahn hat.

Die Bahn ist gut auf­ge­stellt, um ihre Markt­po­si­tion auch künf­tig behaup­ten zu kön­nen. Ein Blick in die Zukunft: Wann ist die Mobi­li­täts­welt so weit, dass Mobi­li­tätspor­tale zu einem rele­van­ten Geschäfts­feld wer­den?

Das gleicht einem Blick in die Glas­ku­gel. Wenn wir auf das erste Jahr zurück­schauen, dann glau­ben wir daran, dass sich die Nut­zung unse­res Pro­duk­tes suk­zes­sive stei­gern wird.

Qix­xit ist der­zeit vor allem ein Infor­ma­ti­ons­por­tal. Lang­fris­tig gese­hen stellt sich trotz­dem die Frage: Wer­den die Kun­den dadurch, dass sie anders bera­ten wer­den und andere Mög­lich­kei­ten haben, ihr Mobi­li­täts­ver­hal­ten künf­tig ändern?