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Forsa-​​Umfrage: Mehr als drei Vier­tel der Bür­ger gegen Giga­li­ner

Damit hat sich die Ableh­nung der Giga­li­ner in der Bevöl­ke­rung noch ver­stärkt: bei der letz­ten Forsa-​​Umfrage im Jahr 2011 waren 77 Pro­zent der Deut­schen gegen Riesen-​​Lkw und 18 Pro­zent dafür. Als Haupt­gründe für ihr Votum nann­ten die Befrag­ten das grö­ßere Unfall­ri­siko (55 Pro­zent) und die erhöh­ten Steu­er­mit­tel für den Umbau des Stra­ßen­net­zes (51 Pro­zent). 47 Pro­zent der Deut­schen gaben als sehr wich­ti­gen Grund an, dass durch den Ein­satz von Riesen-​​Lkw Trans­porte von der Schiene zurück auf die Stra­ßen ver­la­gert wür­den, was für die Umwelt schäd­lich sei.

Auto­fah­rer haben Angst vor Giga­li­nern

Die deut­schen Auto­fah­rer haben zu Recht Angst vor den Riesen-​​Lastwagen. Schon jetzt ist an jedem fünf­ten töd­li­chen Unfall ein Lkw betei­ligt. Der mas­sen­hafte Ein­satz von über­gro­ßen Lkw auf deut­schen Stra­ßen würde sich in der Ver­kehrs­si­cher­heit nega­tiv aus­wir­ken“, sagte ACV-​​Geschäftsführer Horst Metz­ler und ver­wies auf den jüngs­ten Bahn­über­gangs­un­fall in Baden-​​Württemberg mit 32 Ver­letz­ten, den nach ers­ten Polizei-​​Hinweisen ein 48 Ton­nen schwe­rer Lkw ver­ur­sacht hatte. Das mas­siv über­la­dene Fahr­zeug hatte sich an einem Bahn­über­gang fest­ge­fah­ren, der eigent­lich nur für 3,5 Ton­nen schwere Lkw aus­ge­legt war. Bereits 2013 habe die Auto­bahn­po­li­zei Köln meh­rere töd­li­che Unfälle mit ille­gal fah­ren­den Schwer­las­tern zur Anzeige gebracht, sagte Metz­ler. „Ange­sichts sol­cher Vor­komm­nisse sind die Befürch­tun­gen der Auto­fah­rer im Hin­blick auf künf­tige Unfälle mit Giga­li­nern sehr nach­voll­zieh­bar.“

Pro Argu­mente fal­len bei Befra­gung durch

Die Ergeb­nisse sind ein Miss­trau­ens­vo­tum gegen die Riesen-​​Lkw-​​Experimente der Regie­rung“, sagte der Alli­anz pro Schiene-​​Vorsitzende Alex­an­der Kirch­ner anläss­lich der Vor­stel­lung der forsa-​​Umfrage in Ber­lin. „Wäh­rend das Ver­kehrs­mi­nis­te­rium Anfang 2012 gegen den Wider­stand der Mehr­heit der Bun­des­län­der einen Test mit über­gro­ßen Lkw gestar­tet hat, ist das Miss­trauen in der Bevöl­ke­rung wei­ter gewach­sen.“ Der Alli­anz pro Schiene-​​Vorsitzende betonte, dass alle typi­schen Befürworter-​​Argumente bei der Befra­gung durch­ge­fal­len seien. „Nur 22 Pro­zent der Deut­schen fan­den es über­zeu­gend, dass Riesen-​​Lkw durch Kraftstoff-​​Ersparnis angeb­lich die Umwelt scho­nen“, sagte Kirch­ner. Dass durch die Zulas­sung von Giga­li­nern der Lkw-​​Verkehr ins­ge­samt weni­ger werde, glaubte weni­ger als ein Drit­tel der Deut­schen. Dage­gen gin­gen 55 Pro­zent der Befrag­ten davon aus, der Riesen-​​Lkw werde zu mehr und nicht zu weni­ger Lkw-​​Verkehr auf den Stra­ßen füh­ren.

Ver­kehrs­ver­la­ge­rung von Schiene auf Straße

Joa­chim Berends, Vize­prä­si­dent Schie­nen­gü­ter­ver­kehr beim Ver­band Deut­scher Ver­kehrs­un­ter­neh­men (VDV) ver­wies auf eine Stu­die des Fraun­ho­fer Insti­tuts zum Thema Ver­la­ge­rung von Gütern zurück auf die Straße. Danach müsste der euro­päi­sche Schie­nen­gü­ter­ver­kehr bei einer Zulas­sung von Riesen-​​Lkw mit erheb­li­chen Ein­bu­ßen rech­nen. „Die For­scher haben ermit­telt, dass durch den Ein­satz von Riesen-​​Lkw mehr als 35 Pro­zent der Ver­kehrs­leis­tung des Ein­zel­wa­gen­ver­kehrs zurück auf die Straße ver­la­gert wer­den würde“, sagte Berends und kri­ti­sierte, dass die Lkw-​​Branche ihre Wett­be­werbs­vor­teile auf Kos­ten der All­ge­mein­heit finan­ziere. „Die Mit­tel für Ertüch­ti­gung und Ver­schleiß der Straßen-​​Infrastruktur trägt in die­sem Geschäfts­mo­dell der Steu­er­zah­ler.“ Es sei bemer­kens­wert, dass die Deut­schen laut forsa die­sen Zusam­men­hang sehr wohl ver­stan­den hät­ten, sagte Berends.

VDV, ACV und Alli­anz pro Schiene for­der­ten die Bun­des­re­gie­rung auf, den lau­fen­den Riesen-​​Lkw-​​Test zu been­den. „Der Bund will mit die­sem Test Fak­ten schaf­fen und sich dar­über hin­weg­set­zen, dass die Men­schen in Deutsch­land keine Riesen-​​Lkw wol­len“, sag­ten die Reprä­sen­tan­ten von ACV, VDV und Alli­anz pro Schiene.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen:

Hier fin­den Sie die kom­plet­ten Umfra­ge­er­geb­nisse.

Wei­tere Infor­mat­tio­nen fin­den Sie auch im EU-​​weites Bünd­nis No Mega Trucks

Fragen und Antworten zum Gigaliner

1. Was ist eigent­lich ein Riesen-​​Lkw?
Sie hei­ßen Giga­li­ner, Euro­Combi, Öko­li­ner oder Lang-​​Lkw, doch hin­ter den harm­lo­sen Namen ver­ste­cken sich noch län­gere und schwe­rere Last­wa­gen. Deutsch­land erlaubt 25 Meter lange und bis zu 44 Ton­nen schwere Last­wa­gen in einem soge­nann­ten Feld­ver­such. Doch über­all dort in Europa, wo Riesen-​​Lkw ein­ge­setzt wer­den, wie­gen sie bereits 60 Ton­nen – etwa in den Nie­der­lan­den oder Däne­mark. Schwe­den hat gerade ange­kün­digt, das Lkw-​​Gewicht von 60 auf 74 Ton­nen zu erhö­hen – Ver­su­che mit 30 Meter lan­gen und 90 Ton­nen schwe­ren Lkw lau­fen.

2. Wo fah­ren Giga­li­ner in Europa?
In Finn­land und Schwe­den fah­ren Riesen-​​Lkw schon lange. Doch die weit­räu­mi­gen, rela­tiv dünn besie­del­ten skan­di­na­vi­schen Regio­nen mit wenig Stra­ßen­ver­kehr sind nicht zu ver­glei­chen mit dem Rest Euro­pas. Dort ist das Stra­ßen­netz dicht gebaut und stark befah­ren – für Giga­li­ner nicht geeig­net. Auch Däne­mark und die Nie­der­lande tes­ten 25 Meter Lkw mit 60 Ton­nen.

3. Wo fah­ren Giga­li­ner in Deutsch­land?
Deutsch­land hat im Dezem­ber 2011 eine Aus­nah­me­ver­ord­nung erlas­sen, um Riesen-​​Lkw zu tes­ten. Die Ver­ord­nung, die vom Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­rium ohne Betei­li­gung der Bun­des­län­der erlas­sen wurde, sieht vor, dass Giga­li­ner neben Auto­bah­nen und Bun­des­stra­ßen auch auf einer Viel­zahl von Landes-​​, Kreis– und Gemein­de­stra­ßen fah­ren dür­fen. In fol­gen­den Bun­des­län­dern fah­ren zur Zeit Riesen-​​Lkw: Schleswig-​​Holstein, Ham­burg, Nie­der­sach­sen, Hes­sen, Thü­rin­gen, Sach­sen und Bay­ern. Seit dem Regie­rungs­wech­sel in Schleswig-​​Holstein ist das Land skep­tisch gegen­über dem Ver­such. Die Test­fahr­ten sind auf fünf Jahre – bis Ende 2016 – ange­setzt. Zwei Kla­gen vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gegen das ein­sei­tige Vor­ge­hen des Bun­des blie­ben erfolg­los.

4. Was erhof­fen sich die Befür­wor­ter?
Die Befür­wor­ter über­gro­ßer Lkw wer­ben gerne mit Umwelt­ar­gu­men­ten, in Wirk­lich­keit ver­spre­chen sie sich aber eine Kos­ten­er­spar­nis im Lkw-​​Transport von bis zu 30 Pro­zent. Zu den Befür­wor­tern von über­gro­ßen Lkw gehört der Ver­band der Auto­mo­bil­in­dus­trie (VDA), der Bun­des­ver­band des Groß– und Außen­han­dels (BGA) und wei­tere Ver­bände des Stra­ßen­trans­port­ge­wer­bes.

5. Was befürch­ten die Geg­ner?
Die Geg­ner von über­gro­ßen Lkw befürch­ten, dass durch die Ver­bil­li­gung des Lkw-​​Verkehrs durch Giga­li­ner ein Anreiz für mehr Stra­ßen­gü­ter­ver­kehr geschaf­fen wird. Durch den Kos­ten­vor­teil der Giga­li­ner könn­ten Güter von umwelt­freund­li­chen Ver­kehrs­trä­gern zurück auf die Straße ver­la­gert wer­den. Das Ergeb­nis wären mehr Lkw-​​Fahrten und eine grö­ßere Umwelt­be­las­tung. Zu den Geg­nern von über­gro­ßen Lkw zäh­len die in der Alli­anz pro Schiene zusam­men­ge­schlos­se­nen Auto­mo­bil­clubs, Umwelt­ver­bände und Eisen­bah­nen sowie der Deut­sche Städ­te­tag und die Deut­sche Poli­zei­ge­werk­schaft. Auf EU-​​Ebene haben sich die Geg­ner zum Bünd­nis No Mega Trucks zusam­men­ge­schlos­sen.

6. Wie ent­schei­det die EU in Sachen Riesen-​​Lkw?
EU-​​Parlament und EU-​​Verkehrsminister haben in die­sem Jahr den Vor­schlag der EU-​​Kommission zurück­ge­wie­sen, grenz­über­schrei­tende Fahr­ten von Riesen-​​Lkw zwi­schen Nach­bar­staa­ten zu erlau­ben. Wäh­rend in eini­gen Mit­glieds­staa­ten Ver­su­che mit Riesen-​​Lkw lau­fen, zeigt die EU dem Giga­li­ner nun das Stopp­schild und schlägt mit Sicher­heits­ver­bes­se­run­gen und aero­dy­na­mi­schen Opti­mie­run­gen bei den Fahr­zeug­ma­ßen einen grund­sätz­lich ande­ren Weg ein.


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79 Pro­zent der Deut­schen leh­nen Giga­li­ner ab ©iStock​.com/​l​a​g​egeek
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