| Rubrik: Pres­se­mit­tei­lun­gen emp­feh­len

ACV beant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen zu eCall

Köln, 29.03.2018. Ab sofort müs­sen laut einer EU-​​Verordnung alle neuen Fahr­zeug­mo­delle – sprich Pkw und leichte Nutz­fahr­zeuge – seri­en­mä­ßig mit dem soge­nann­ten eCall-​​Notrufsystem aus­ge­rüs­tet sein. Die EU ver­spricht die Redu­zie­rung von Ver­kehrs­to­ten durch das Sys­tem, einige Daten­schüt­zer sind skep­tisch. Der ACV Geschäfts­füh­rer Horst Metz­ler erklärt im Inter­view wie eCall funk­tio­niert und wie sinn­voll das Sys­tem ist.

 

Was genau ist eCall?

Metz­ler: eCall ist die Kurz­form für ‚emer­gency call‘. Dabei han­delt es sich um ein Sys­tem für Pkw und andere Kraft­fahr­zeuge, das im Falle eines Unfalls auto­ma­tisch die nächst­ge­le­gene Not­rufsta­tion alar­miert und alle wich­ti­gen Daten zum Stand­ort und dem Fahr­zeug über­mit­telt. Sie kön­nen den Not­ruf aber auch manu­ell abset­zen.

Horst Metz­ler ACV Geschäfts­füh­rer

Aus wel­chem Grund wird das Sys­tem ein­ge­führt?

Metz­ler: Hin­ter­grund ist, dass die EU die Zahl der Ver­kehrs­to­ten redu­zie­ren möchte. Jeden Tag ster­ben euro­pa­weit rund 70 Men­schen im Stra­ßen­ver­kehr – ins­ge­samt über 25.000 pro Jahr. Die EU geht davon aus, dass mehr als 2.500 Men­schen­le­ben pro Jahr mit­hilfe von eCall geret­tet wer­den kön­nen, da Not­ärzte und andere Ret­tungs­kräfte viel schnel­ler vor Ort sein kön­nen, wenn der Not­ruf auto­ma­tisch und unmit­tel­bar nach einem schwe­ren Auto­un­fall aus­ge­löst wird – denn oft sind es wich­tige Minu­ten, die den Unter­schied machen

 

Wie genau funk­tio­niert eCall?

Metz­ler: Sobald ein Unfall pas­siert, wird die­ser vom Sys­tem über Crash-​​Sensoren regis­triert, die im Fahr­zeug ver­baut sind. Sofort erfolgt der auto­ma­ti­sche Not­ruf an die euro­pa­weite Not­ruf­num­mer 112. Dabei wird eine Sprech­ver­bin­dung zwi­schen dem Fahr­zeug und der Not­rufsta­tion auf­ge­baut.

Gleich­zei­tig wird ein soge­nann­ter Mini­mal­da­ten­satz über­tra­gen, die­ser ent­hält rele­vante Infor­ma­tio­nen zur Art der Unfall-​​Auslösung, zum Fahr­zeug selbst und zum Unfall­ort. Somit wis­sen die Ret­tungs­kräfte sofort, wo Sie sich auf­hal­ten, selbst wenn Sie zum Bei­spiel schwer­ver­letzt und nicht mehr in der Lage sind zu tele­fo­nie­ren

 

Wie sinn­voll ist das Sys­tem Ihrer Mei­nung nach?

Metz­ler: Pra­xis­tests haben erge­ben, dass in 90 Pro­zent aller Fälle eine Ver­bin­dung zur Notruf-​​Zentrale inner­halb von 25 Sekun­den her­ge­stellt wurde. Inso­fern kann die Reak­ti­ons­zeit nach einem Unfall um bis zu 50 Pro­zent ver­rin­gert wer­den – und das kann Leben ret­ten. Nach Ansicht des ACV trägt das Sys­tem dazu bei, dass die Zahl der Ver­kehrs­to­ten redu­ziert wird

Wie sich das Sys­tem am Ende in der Pra­xis bewährt, wird sich zei­gen, da aktu­ell nur die Neu­wa­gen von der Pflicht-​​Einführung betrof­fen sind. Bis also jedes Fahr­zeug mit eCall aus­ge­stat­tet ist, wer­den noch ein paar Jahre ver­ge­hen

 

Lässt sich eCall auch für Gebraucht­wa­gen nach­rüs­ten?

Metz­ler: Viele neuere Autos haben die nötige Tech­nik schon an Bord und das Sys­tem lässt sich auch für Gebraucht­wa­gen nach­rüs­ten. Hier­bei besteht natür­lich keine Pflicht.

Viele Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men bie­ten eCall zum Nach­rüs­ten an. Die Kos­ten dafür vari­ie­ren von Anbie­ter zu Anbie­ter, lie­gen aber ent­we­der bei ein­ma­lig 30 – 40 Euro oder bei rund zehn Euro im Jahr. Aller­dings wer­den diese Sys­teme dann nicht wie bei Neu­wa­gen fest ver­baut, son­dern basie­ren auf einem Ste­cker, der in den Ziga­ret­ten­an­zün­der gesteckt wird und der über Blue­tooth mit einer Smartphone-​​App auf Ihrem Handy ver­bun­den ist

 

Wie sieht es mit dem Daten­schutz aus – wer­den wir zum glä­ser­nen Auto­fah­rer?

Metz­ler: Das ist tat­säch­lich schwie­rig: Auf der einen Seite wer­den die Daten aus­schließ­lich für den Not­ruf ver­wen­det. Diese Rege­lun­gen wur­den auch mit Daten­schüt­zern abge­spro­chen.

Aller­dings sieht der ACV das Pro­blem, dass beim eCall eine Schnitt­stelle zwi­schen dem Auto und dem Inter­net her­ge­stellt wird. Die kann theo­re­tisch auch für andere Zwe­cke genutzt wer­den. Es ist zu erwar­ten, dass viele Men­schen­le­ben mit­hilfe von eCall geret­tet wer­den. Aller­dings müs­sen wir die­sen Fort­schritt mit einer Tech­no­lo­gie ‚bezah­len‘, die uns einen wei­te­ren Schritt in Rich­tung ‚glä­ser­ner Auto­fah­rer‘ brin­gen.


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Horst Metz­ler, ACV Geschäfts­füh­rer
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