| Rubrik: Pres­se­mit­tei­lun­gen emp­feh­len

53. Ver­kehrs­ge­richts­tag: Auto­ma­ti­sier­tes Fah­ren

Arbeitskreis II: Automatisiertes Fahren

Die Begeis­te­rung für intel­li­gente Mobi­li­täts­kon­zepte ver­bin­det For­scher auf der gan­zen Welt. Im Fokus der­zei­ti­ger Dis­kus­sio­nen steht die Frage, was tech­nisch mög­lich ist. Doch die Debatte dar­über was die Men­schen wirk­lich wol­len, hat noch gar nicht rich­tig begon­nen.

Unsere Bran­che steht in den nächs­ten Jah­ren vor einem der größ­ten Umbrü­che seit Beste­hen des Auto­mo­bils“, sagt VW-​Chef Mar­tin Win­ter­korn. Andere große Auto­mo­bil­her­stel­ler schlie­ßen sich die­ser Aus­sage an und lie­fern den Beweis dafür gleich mit. Teil­au­to­ma­ti­sierte Fahr­zeuge sind zu Test­zwe­cken bereits auf der Straße unter­wegs. Sie sind heute schon in der Lage, auf der Auto­bahn ohne Fah­rer­ein­wir­kung zu fah­ren und zu über­ho­len. Auto­mo­bil­her­stel­ler und Zulie­fe­rer pla­nen, im Jahr 2016 die Auto­bah­nen mit teil­au­to­ma­ti­sier­ten Fahr­zeu­gen zu erobern. Hoch­au­to­ma­ti­sier­tes Fah­ren, bei dem der Fah­rer mit Vor­lauf die Fahr­auf­gabe über­neh­men muss, sehen Exper­ten nicht vor 2020, das voll­au­to­ma­ti­sierte Fah­ren lässt sich aus heu­ti­ger Sicht noch nicht mit Sicher­heit ter­mi­nie­ren. Opti­mis­ten schie­len auf schon mal auf 2030.

90% der Unfälle gehen auf mensch­li­ches Fehl­ver­hal­ten zurück

Die inten­sive For­schung und Ent­wick­lun­gen der Inge­nieure tra­gen einen wesent­li­chen Teil zur Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr bei. Rund 90% aller Auto­un­fälle gehen auf mensch­li­ches Fehl­ver­hal­ten zurück. Auto­fah­rer tele­fo­nie­ren wäh­rend der Fahrt, wer­den durch laute Musik abge­lenkt, sind müde und unkon­zen­triert. Die Gefahr einen Fuß­gän­ger, einen Fahr­rad­fah­rer im toten Win­kel oder eine rote Ampel zu über­se­hen, ist dabei groß.

Auto­ma­ti­sier­tes Fah­ren erhält Mobi­li­tät älte­rer Men­schen

Assis­tenz­sys­teme wie zum Bei­spiel Spur­hal­teas­sis­ten­ten und Müdig­keits­sen­so­ren fan­gen diese klei­nen Schwä­chen der Auto­fah­rer auf und kor­ri­gie­ren sie umge­hend. „Assis­tenz­sys­teme sind durch­aus eine Unter­stüt­zung für den Fah­rer“, so Jür­gen Kog­lin, Vize­prä­si­dent des ACV, „Es ist jedoch ein fal­scher Ansatz, sich auf sie zu ver­las­sen und sich künf­tig mit gutem Gewis­sen, völ­lig über­mü­det, hin­ter das Steuer zu set­zen.“ Der ACV unter­stützt Tech­ni­ken, die zur Unfall­ver­mei­dung, einem bes­se­ren Ver­kehrs­fluss und öko­lo­gi­sche Fahr­weise die­nen. „Eine große Chance in auto­nom fah­ren­den Fahr­zeu­gen sehen wir in fer­ner Zukunft vor allem in der Mobi­li­täts­er­hal­tung für ältere Men­schen“, sagt Kog­lin. In der Kom­pen­sa­tion von schlei­chen­der Seh­kraft und man­geln­der Reak­ti­ons­fä­hig­keit von Senio­ren, durch auto­nom fah­ren­den Autos, liegt ein gro­ßer Vor­teil. Auf diese Weise kön­nen Men­schen auch im hohen Alter und trotz Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen ein sozia­les Umfeld pfle­gen und ihre Unab­hän­gig­keit wah­ren.

ACV for­dert trans­pa­rente Daten­er­he­bung– und Ver­ar­bei­tung

Auto­no­mes Fah­ren bedeu­tet für einige Auto­fah­rer einen gro­ßen Nut­zen und gleich­zei­tig eine Erleich­te­run­gen in belas­ten­den Ver­kehrs­si­tua­tio­nen, wie Stop an Go Fahr­ten oder Rou­ti­ne­fahr­ten. Es setzt jedoch auch die stän­dige Daten­er­he­bung und den Daten­aus­tausch zwi­schen Autos unter­ein­an­der und der Infra­struk­tur vor­aus. Es wer­den zum Bei­spiel die Geschwin­dig­keit gemes­sen, Brems­vor­gänge ana­ly­siert, Fahrt­stre­cken auf­ge­zeich­net und erkannt zu wel­cher Uhr­zeit Auto­fah­rer unter­wegs sind. „Auto­mo­bil­her­stel­ler und Dritt­an­bie­ter lie­fern sich einen Wett­kampf um per­sön­li­che Daten, schließ­lich wird mit dem After Sales Markt viel Geld ver­dient“, sagt Kog­lin. Die Rechte der Fahr­zeug­da­ten müs­sen beim Nut­zer lie­gen, der die Über­mitt­lung, wei­tere Ver­wen­dung und Ver­ar­bei­tung bestimmt.
Der ACV for­dert daher Auto­mo­bil­her­stel­ler und –ver­käu­fer dazu auf, Inter­es­sen­ten und Kauf­wil­li­gen völ­lig trans­pa­rent über die Daten­er­he­bung und die wei­tere Daten­ver­ar­bei­tung auf­zu­klä­ren. „Jedem muss klar sein, wel­che Daten erho­ben wer­den und was mit die­sen Daten pas­siert“, sagt der ACV Vize­prä­si­dent.

Hür­den: ECE Rege­lun­gen, Wie­ner Abkom­men und Ände­run­gen in der StVO

Auto­no­mes Fah­ren ist kein Zukunfts­traum mehr. Der ACV for­dert den Gesetz­ge­ber dazu auf, sich inten­siv mit den Ände­run­gen in der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung, dem Wie­ner Abkom­men und den ECE Rege­lun­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Lang­sam mah­lende Müh­len sind bei der der­zeit rasan­ten tech­ni­schen Ent­wick­lung abso­lut fehl am Platz. Ganz oben auf der Agenda muss außer­dem die recht­li­che Klä­rung von Haf­tungs­fra­gen ste­hen.