Ratgeber: Sind runderneuerte Reifen sicher?

Runderneuerte Reifen sind eine günstige Alternative zu fabrikneuen Modellen. Die preiswerte Herstellung und ökologische Aspekte sprechen für sich. Aber sind runderneuerte Reifen sicher und empfehlenswert?

Wenn der Reifenwechsel von Sommer– zu Winterreifen ansteht und die alten Reifen ersetzt werden müssen, möchten viele Autofahrer Geld sparen. Als Alternative zum Neukauf bietet sich der Erwerb von runderneuerten Saison– oder Ganzjahresreifen an, die preislich deutlich unter neuen Reifen liegen. Aber was taugen runderneuerte Reifen wirklich?

Runderneuerte Reifen – Vorteile und Nachteile

Die Vorteile runderneuerter Reifen liegen auf der Hand:

  • Autofahrer können im Vergleich zu Neureifen bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten sparen.
  • Besonders, wer Winterreifen runderneuert kauft, spart bares Geld.
  • Genau wie bei neuen Reifen gibt es auf runderneuerte Reifen zwei Jahre Garantie.
  • Außerdem ist die Runderneuerung alter Reifen nachhaltiger als die Produktion fabrikneuer Pkw-Reifen: Es können ungefähr 80 Prozent Erdöl und 70 Prozent Energie gespart werden.

Bei vielen Eigenschaften, etwa bei der Haftung auf Schnee, können runderneuerte Reifen mit neu produzierten mithalten.

Laut Experten des Deutschen Verkehrssicherheitsrates DVR muss man jedoch mit Leistungseinbußen etwa auf nassen Strecken oder mit einem höheren Verschleiß rechnen. Wie bei jedem Reifen ist es daher auch bei runderneuerten Reifen empfehlenswert, regelmäßig die Profiltiefe der Reifen zu überprüfen. Bei Winterreifen sind eine Profiltiefe von vier Millimetern, bei Sommerreifen drei Millimeter empfehlenswert, 1,6 Millimeter sind laut Gesetzgeber jedoch das absolute Minimum. Wenn Sie auf eine ausreichende Profiltiefe achten, sind Sie mit runderneuerten Ganzjahresreifen das ganze Jahr über sicher unterwegs.

Runderneuerte Reifen: unterschiedliche Eigenschaften

Allerdings bringen runderneuerte Reifen auch eine weitere Schwäche mit. Bei einem Reifensatz ist nicht gewährleistet, dass alle vier Reifen auf einer identischen Karkasse aufbauen. Das Profil ist dann zwar identisch, aber der Unterbau kann von verschiedenen Herstellern stammen – und dann verfügt jedes Rad über unterschiedliche Federungs- und Handling-Eigenschaften. Damit kann es sein, dass man als Kunde Einbußen beim Fahrverhalten hinnehmen muss. Nicht umsonst sollte man auch bei neuen Reifen rundum den gleichen Typ montieren lassen. Dessen sollten sich Kunden bewusst sein. Zusätzlich gibt es runderneuerte Autoreifen nur in den gängigen Größen.

Der Marktanteil von runderneuerten Reifen beträgt im Pkw-Bereich weniger als fünf Prozent. Das liegt daran, dass Pkw-Reifen insgesamt einen relativ geringen Verschleiß haben – die Reifen müssen recht selten ausgetauscht werden. Bei Lkw und Flugzeugen sind runderneuerte Reifen allerdings sehr verbreitet, da hier ohnehin häufiger die Reifen ersetzt werden müssen. Im Lkw-Bereich machen sie ungefähr 40 Prozent des Marktanteils aus.

Sind runderneuerte Reifen sicher?

Ganzjahres-, Sommer– und Winterreifen werden mit einem speziellen Verfahren runderneuert. Dabei hobeln oder schälen Maschinen die Lauffläche von der Karkasse ab. Im Anschluss bekommt der Reifen eine neue Lauffläche: Sie wird durch Vulkanisierung fest mit dem alten Unterbau verbunden. Durch die neue Lauffläche kommt der aufbereitete Reifen an die Qualität von Neureifen heran. Der alte Korpus unterliegt aber einem natürlichen, alterungsbedingten Verschleiß.

Beim Kauf sollten Sie auf eine gültige EWG-Zulassung achten und nur von Qualitätsbetrieben kaufen. Auf billige Importreifen aus dem Internet sollten Kunden besser verzichten.

  • Im Fazit erfüllen runderneuerte Reifen die gesetzlichen Anforderungen an Qualität und Sicherheit und können bedenkenlos gefahren werden.
ACV Tipp

Runderneuerte Reifen erkennen

Runderneuerte Reifen können Sie ganz einfach erkennen, denn es gibt für sie spezielle Kennzeichnungen und Schriftzüge: „runderneuert“, „retread“, „retreaded“ oder „R“. Die EWG-Zulassung lässt sich am ECE-Prüfzeichen – dem eingekreisten E mit Ziffer – erkennen.

E1 bedeutet zum Beispiel, dass die Zulassung in Deutschland erfolgt ist. Zusätzlich finden Sie an der Flanke übliche Reifenbezeichnungen und die DOT-Nummer, die das Produktionsdatum und in diesem Fall das Datum der Runderneuerung angibt.

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