Recht

Schaden in der Waschanlage: Wer zahlt für Kratzer & Co.?

Kommt es in der Wasch­an­lage zu Schä­den wie einem Krat­zer im Auto­lack, muss nicht auto­ma­tisch der Betrei­ber haf­ten. Der Betrei­ber haf­tet nur, wenn er betrei­ber­ty­pi­sche Pflich­ten ver­letzt hat. Das heißt, viele Auto­fah­rer müs­sen selbst für Schä­den auf­kom­men.

Schaden in der WaschanlageViele Auto­fah­rer neh­men an, dass bei einem Scha­den in der Wasch­an­lage immer der Wasch­an­la­gen­be­trei­ber haf­tet. Das ist ein weit­ver­brei­te­ter Irr­tum. Hat der Betrei­ber zuvor klare Bedie­nungs­hin­weise gege­ben und ist sei­nen betrei­ber­ty­pi­schen Pflich­ten nach­ge­kom­men, muss er auch nicht haf­ten. Die Beweis­lage ist ent­schei­dend und Auto­fah­rer blei­ben oft auf den Kos­ten für den Krat­zer durch die Wasch­an­lage sit­zen.

Wann Wasch­an­la­gen­be­trei­ber haf­ten

Grund­sätz­lich steht und fällt die Haf­tung des Wasch­an­la­gen­be­trei­bers mit der Ver­let­zung sei­ner Pflich­ten. Hat der Wasch­an­la­gen­be­trei­ber in geeig­ne­ter und zumut­ba­rer Weise über die zu beach­ten­den Ver­hal­tens­re­geln infor­miert und erfüllt die Wasch­straße all­ge­meine Sicher­heits­stan­dards, kann ihm kein Ver­schul­den nach­ge­wie­sen wer­den.

Infor­ma­ti­ons­pflich­ten für Wasch­an­la­gen­be­trei­ber:

  • Wasch­an­la­gen­be­trei­ber müs­sen Kun­den vor der Benut­zung der Anlage aus­rei­chend dar­auf hin­wei­sen, wie diese zu benut­zen ist.
  • Die Wasch­an­lage muss den all­ge­mei­nen Sicher­heits­stan­dards ent­spre­chen.

Kommt es dann in der Wasch­an­lage trotz­dem zu Krat­zern oder grö­ße­ren Schä­den, so haf­tet der Auto­fah­rer selbst. Das ist auch dann der Fall, wenn der Betrieb der Wasch­an­lage eine poten­zi­elle Gefah­ren­lage bedingt. Der Anla­gen­be­trei­ber muss ledig­lich typi­sche Schä­den ver­hin­dern, die die Wasch­an­lage aus­lö­sen kann. Er kann nicht jede abs­trakte Gefahr ver­hin­dern und das wird auch nicht ver­langt.

Kratzer in der Waschanlage

Krat­zer durch die Wasch­an­lage? Sofort han­deln!

Kommt es in der Wasch­an­lage zu Krat­zern, ist das teuer. Daher soll­ten Auto­fah­rer immer genau die Bedie­nungs­hin­weise lesen und ein­hal­ten. Feh­len sol­che Hin­weise, fra­gen Sie bei dem Anla­gen­be­trei­ber expli­zit nach. Er ist ver­pflich­tet, Sie in ange­mes­se­ner Weise zu infor­mie­ren.

Ent­de­cken Sie nach dem Durch­gang in der Wasch­an­lage Schä­den wie Krat­zer an Ihrem Auto, soll­ten Sie fol­gende Schritte beach­ten:

  • Bit­ten Sie einen Mit­ar­bei­ter der Wasch­an­lage, den Scha­den zu doku­men­tie­ren. Wenn Sie den Scha­den erst spä­ter rekla­mie­ren, ist es schwe­rer nach­zu­wei­sen, dass die Läsion beim Waschen ent­stan­den ist.
  • Fer­ti­gen Sie Fotos an.
  • Zie­hen Sie Zeu­gen hinzu, vor allem dann, wenn andere Fahr­zeuge betei­ligt sind.

 

Aktu­elle Recht­spre­chung: Schä­den durch die Wasch­an­lage

Ein aktu­el­les Urteil aus 2018 bestä­tigt dies. Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Haf­tung des Wasch­an­la­gen­be­trei­bers nur dann anzu­neh­men, wenn er seine betrei­ber­ty­pi­schen Pflich­ten ver­letzt hat. Die Karls­ru­her Rich­ter äußern sich dabei vage: „Den Betrei­ber einer Wasch­straße trifft die Pflicht, die Benut­zer der Anlage in geeig­ne­ter und ihm zumut­ba­rer Weise über die zu beach­ten­den Ver­hal­tens­re­geln zu infor­mie­ren.“ Hat der Wasch­an­la­gen­be­trei­ber über die Ver­hal­tens­re­geln sach­ge­recht infor­miert, muss der Auto­fah­rer selbst ein­ste­hen, wenn in der Wasch­an­lage Krat­zer oder grö­ße­rer Scha­den ent­stan­den ist.

Scha­den in der Wasch­an­lage: Ein Bei­spiel

Bei dem aktu­el­len BGH-​​Urteil war ein Auf­fahr­un­fall in einer auto­ma­ti­sier­ten Wasch­an­lage in Wup­per­tal der Aus­lö­ser. Es ent­stand ein Scha­den in Höhe von etwa 1220 Euro. Der Klä­ger befand sich zum Zeit­punkt des Unfall­ge­sche­hens in sei­nem BMW in der voll­au­to­ma­ti­sier­ten Wasch­straße. Meh­rere Fahr­zeuge wur­den lang­sam von einem Schlepp­band gezo­gen. Vor dem betrof­fe­nen BMW stand ein Mer­ce­des und dahin­ter ein Hyun­dai. Als der Mer­ce­des­fah­rer grund­los auf die Bremse trat, bewegte sich sein Fahr­zeug vom Schlepp­band. Der BMW und der Hyun­dai wur­den jedoch wei­ter­ge­zo­gen und fuh­ren auf den Mer­ce­des auf. Der BMW wurde vorne und hin­ten stark tan­giert.

Dar­auf­hin klagte der BMW-​​Fahrer gegen den Betrei­ber der Wasch­an­lage und for­derte Scha­den­er­satz. Der Sach­ver­halt ging bis vor den Bun­des­ge­richts­hof. Der BGH ent­schied am 19. Juli 2018, dass der Betrei­ber der Wasch­an­lage nicht haf­ten muss. Die Ent­schei­dung der zwei­ten Instanz wurde auf­ge­ho­ben und zur neuen Ver­hand­lung an das Land­ge­richt ver­wie­sen. Somit stärkt der BGH die Rechte der Wasch­an­la­gen­be­trei­ber und bestä­tigt, dass oft­mals Auto­fah­rer selbst für den Scha­den oder Krat­zer durch die Wasch­an­lage haf­ten müs­sen.

hinweisACV Vor­teil

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