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Wie sieht Mobi­li­tät in Köln 2025 aus?

Wel­che Ziele for­mu­liert Köln mobil 2015 und vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen steht die Stadt?

Köln steht vor der Her­aus­for­de­rung, als wach­sende Stadt Ant­wor­ten zur Siche­rung der Mobi­li­tät zu fin­den. Hier­bei gilt es viele berech­tigte Ansprü­che und Wün­sche in Ein­klang zu brin­gen. Aus der Ana­lyse des Sta­tus quo ergibt sich der größte Hand­lungs­be­darf u. a. bei der För­de­rung des Umwelt­ver­bun­des.

Mit der Stra­te­gie „Köln mobil 2025“ wur­den ins­ge­samt zehn über­ge­ord­nete Leit­ziele defi­niert. Das Bekennt­nis zur men­schen­ge­rech­ten und umwelt­ver­träg­li­chen Mobi­li­tät ist dabei das erste Ziel. Die Gewähr­leis­tung des Erhalts und des Aus­baus der Infra­struk­tur ist ein wei­te­res Ziel. Genauso die Aus­rich­tung der Ver­kehrs­an­ge­bote auf den Umwelt­ver­bund. Im Zeit­raum 2025 /​ 2030 soll der Umwelt­ver­bund einen Anteil von zwei Drit­teln am gesam­ten Ver­kehrs­auf­kom­men haben. Als Rück­grat der Mobi­li­tät sol­len die Ange­bote des ÖPNV wei­ter aus­ge­baut wer­den. Zudem sol­len durch eine För­de­rung des Rad­ver­kehrs des­sen große Poten­ziale für die inner­städ­ti­sche Mobi­li­tät erschlos­sen wer­den. Nicht zuletzt gilt es auch, der Auf­ent­halts­qua­li­tät des Stadt­raums für Fuß­gän­ger eine hohe Prio­ri­tät ein­zu­räu­men

Andere Län­der und Städte sind Vor­rei­ter in neuen Ver­kehrs­kon­zep­ten. Stock­holm setzt die City­maut ein, Kopen­ha­gen setzt erfolg­reich auf Maß­nah­men zur Aus­wei­tung des Fahr­rad­ver­kehrs und Brüs­sel ver­gibt Prä­mien für abge­mel­dete Pkws. Die Ver­kehrs­po­li­tik der Stadt Zürich gilt als vor­bild­lich. Was haben die Schwei­zer so gut gemacht und ist das Kon­zept auch auf Köln anwend­bar?

Mit den Städ­ten Wien, Zürich oder Kopen­ha­gen ste­hen wir ebenso im regel­mä­ßi­gen Kon­takt wie mit Ber­lin, Ham­burg und Mün­chen. „Köln mobil 2025“ haben wir übri­gens auch mit Ver­kehrs­pla­nern die­ser Städte dis­ku­tiert und sind bestä­tigt wor­den. Wie mein Kol­lege Stein­bauer gesagt hat: „Alles rich­tig, was in Köln mobil 2025 steht, so ein Kon­zept hatte Wien auch. Ent­schei­dend ist nun aber die kon­se­quente Umset­zung.“ Dem kann ich nur zustim­men. Das Ziel ist klar und folgt dem Kopen­ha­ge­ner Vor­bild: Ein Drit­tel ÖPNV, ein Drit­tel Fuß– und Rad­ver­kehr und ein Drit­tel Auto­ver­kehr. Wenn wir das bis 2025 schaf­fen wol­len, müs­sen wir uns jetzt kräf­tig ins Zeug legen, ob beim Aus­bau der Ost-​​West-​​Achse für die KVB oder dem Aus­bau des Rad­we­ge­net­zes.

Höchs­ter Pkw-​​Bestand in Deutsch­land: 44,4 Mil­lio­nen. Stu­dien zei­gen, die Deut­schen ver­zich­ten ungern aufs Auto­fah­ren. Eine Abkehr vom Auto ist nicht abzu­se­hen. Wie kön­nen pas­sio­nierte Auto­fah­rer von Inter­mo­da­li­tät über­zeugt wer­den?

Naja, wenn ich mir die täg­li­che Situa­tion im recht­rhei­ni­schen Bereich Kölns ansehe oder auch in vie­len ande­ren Abschnit­ten des Stra­ßen­net­zes, meine ich, dass wesent­lich weni­ger Men­schen „kom­for­ta­bel“ und „Spaß“ bezo­gen auf das Auto­fah­ren unter­schrei­ben wür­den. Die Zah­len umfas­sen ganz Deutsch­land, also auch den länd­li­chen Raum, Klein– und Mit­tel­städte.

In Groß­städ­ten den­ken die Men­schen um. Viele wol­len nicht ganz auf das Auto­fah­ren ver­zich­ten, aber ver­zich­ten immer häu­fi­ger auf den Beitz eines eige­nen Autos und „mixen“ die Ver­kehrs­mit­tel mehr. Hier gewinnt der Umwelt­ver­bund. Bei all dem müs­sen wir aber vor Augen haben, dass die Qua­li­tät des ÖPNV-​​Betriebs sta­bil auf hohem Niveau und dass die Zugäng­lich­keit der Ange­bote, ins­be­son­dere auch für schnup­pernde Kun­den, mög­lichst ein­fach sein sollte. Dies fängt schon bei der Aus­wahl des rich­ti­gen Tickets an, setzt sich in der Fahr­gas­t­in­for­ma­tion fort und darf keine Bevöl­ke­rungs­grup­pen aus­schlie­ßen. Hier­mit kön­nen wir neue Kun­den gewin­nen, denen dann viel­leicht das eigene Auto nicht mehr so wich­tig sein wird.

Mobi­li­täts­dienst­lei­tun­gen tei­len sich meh­rere Akteure (SPNV, ÖPNV, Car­sha­ring, Bikesha­ring…). Als Ver­brau­cher ist es schwie­rig den Über­blick über die Ange­bots­viel­falt zu behal­ten. Gibt es Ansätze für Mobi­li­tät aus einer Hand?

Es wird immer ver­schie­dene Akteure geben, auch in Köln. Aber für uns als KVB ist es wich­tig, dass wir unse­ren Kun­den gute Infor­ma­tio­nen über das Gesamt­an­ge­bot unse­rer eige­nen Ver­kehre und das unse­rer Koope­ra­ti­ons­part­ner geben. Hierzu nut­zen wir unsere Medien, wie zum Bei­spiel das Inter­net, leis­ten aber auch wert­volle Bera­tung in unse­ren Kun­den­Cen­tern. Und es gibt Ansätze von Mobi­li­täts­kar­ten mit der Inte­gra­tion von Ange­bo­ten, zum Bei­spiel beim Leih­rad oder Car­Sha­ring.

Die Ein­woh­ner­zahl in Städ­ten nimmt immer mehr zu. Sind die Kapa­zi­täts­gren­zen für ÖPNV bereits erreicht? Wel­che Hür­den muss der ÖPNV, bzw. die KVB, künf­tig bewäl­ti­gen?

Köln ist eine stark wach­sende Stadt. Unsere Kapa­zi­tä­ten sind, vor allem in der mor­gend­li­chen Ver­kehrs­spitze, erschöpft. Des­halb brau­chen wir neben dem Erhalt und der Erneue­rung der Infra­struk­tur auch wei­ter­hin den Aus­bau des Stadt­bahn­net­zes.

Ins­be­son­dere auf der Ost-​​West-​​Achse brau­chen wir eine Kapa­zi­täts­er­wei­te­rung für eine län­gere Zug­gar­ni­tur. Ver­schie­dene andere Stadt­be­rei­che soll­ten bes­ser ange­bun­den wer­den. Mit der Fer­tig­stel­lung der Nord-​​Süd Stadt­bahn schaf­fen wir neue Kapa­zi­tä­ten. Bei all dem muss jedoch lei­der dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass sich Bund und Län­der wei­ter­hin für die Infra­struk­tur des ÖPNV ein­set­zen müs­sen. Die Finanz­mit­tel sind nur noch bis 2019 gesi­chert.

Alter­na­tive Antriebs­sys­teme wer­den im Regel­be­trieb bereits getes­tet. Wel­che Rolle spielt die Elek­tro­mo­bi­li­tät im ÖPNV/​KBV?

Im Schie­nen­ver­kehr sind wir seit fast 115 Jah­ren e-​​mobil. Das wird bei der all­ge­mei­nen Nei­gung „Etwas Neues muss her“ oft genug gern über­se­hen. Im Bus-​​Bereich ste­hen wir mit der Umstel­lung der Bus-​​Linie 133 vom Die­sel­be­trieb auf den voll­stän­di­gen E-​​Betrieb am Anfang. Nach heu­ti­gem Stand wird es im Dezem­ber 2016 die erste Bus-​​Linie Deutsch­lands sein, die voll­stän­dig mit acht bat­te­rie­be­trie­be­nen E-​​Gelenkbussen bedient wird. Damit erpro­ben wir den E-​​Bus im Regel­be­trieb und dann ent­schei­den wir über die Zukunft unse­rer Bus­flotte.

Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Dobrindt (CSU) signa­li­siert Ent­ge­gen­kom­men beim Thema Tempo 30 in Städ­ten. Was den­ken Sie dar­über – gene­rel­les Tempo 30 in Städ­ten und Ort­schaf­ten?

Ich begrüße die­sen Vor­schlag.

Die City­maut soll zum bes­se­ren Ver­kehrs­fluss, Finan­zie­rung der Infra­struk­tur und erhöh­ter Lebens­qua­li­tät bei­tra­gen. Wie ste­hen Sie zur Ein­füh­rung einer City­maut in Deutschland/​Köln, wie sie in Nor­we­gen, UK und Ita­lien u.a. bereits seit eini­gen Jah­ren üblich ist?

Ich beob­achte die Dis­kus­sio­nen um City­maut und auch um wei­tere For­men der Mobilitäts-​​Finanzierung sehr inter­es­siert. Per­sön­lich bin ich ein Anhän­ger der City-​​Maut, und alle inter­na­tio­na­len, z. T. ja lang­jäh­ri­gen Bei­spiele, bele­gen den Erfolg der City-​​Maut. Ob das Auto­mo­bil­land Deutsch­land aller­dings reif für die City-​​Maut ist, das bezweifle ich sehr.