| Rubrik: Pres­se­mit­tei­lun­gen emp­feh­len

Forsa-​Studie 2016: Kava­liers­de­likt Smartphone-​Nutzung am Steuer?

Die Umfrage beschäf­tigte sich ins­be­son­dere damit, wer das Smartphone/​Mobiltelefon benutzt und in wel­chen Ver­kehrs­si­tua­tio­nen. Gefragt wurde fer­ner nach Situa­tio­nen, in denen das Mobil­te­le­fon auf kei­nen Fall genutzt würde. Auch inter­es­sierte die Auf­trag­ge­ber, ob sich die Nut­zer von ihrer eigent­li­chen Tätig­keit – dem Auto­fah­ren – abge­lenkt fühl­ten und auf­grund der Nut­zung kri­ti­sche Ver­kehrs­si­tua­tio­nen ent­stan­den sind und/​oder Fahr­feh­ler began­gen wur­den.

Jün­gere vs. ältere Auto­fah­rer

Die jun­gen Auto­fah­rer bis 24 Jahre, die von allen Ver­kehrs­un­fall­sta­tis­ti­ken als Hoch­ri­si­ko­gruppe aus­ge­wie­sen wer­den, gehö­ren zu den flei­ßigs­ten Nut­zern des Mobil­te­le­fons wäh­rend des Auto­fah­rens. Sie befin­den sich dabei laut der forsa-​Umfrage in Gesell­schaft mit den jün­ge­ren Auto­fah­rern bis unter 45 Jah­ren. Bis zu die­sem Alter nut­zen 81 Pro­zent das Smart­phone zumin­dest hin und wie­der wäh­rend der Auto­fahrt – zum Bei­spiel: zur Navi­ga­tion, zum Nach­se­hen und Lesen, ob jemand ange­ru­fen oder eine SMS respek­tive Whats­app geschrie­ben hat, zur Annahme von Anru­fen (ohne Frei­sprech­ein­rich­tung). Dar­über hin­aus wird das Tele­fon aber auch „pro-​aktiv“ genutzt, um bei­spiels­weise selbst Anrufe zu täti­gen (ohne Frei­sprech­ein­rich­tung) oder eine SMS oder Whats­app zu tip­pen. Die bis 29-​Jährigen nut­zen es auch sehr gern zur Musik­aus­wahl (31 Pro­zent).

Erst Auto­fah­rern ab 60 Jah­ren scheint das Mobil­te­le­fon am Steuer ent­behr­lich zu sein. Hier sind es nur noch 38 Pro­zent, die ange­ben, es wäh­rend des Auto­fah­rens zumin­dest hin und wie­der zu nut­zen, dabei meist (19 Pro­zent) zur Navi­ga­tion oder um nach­zu­se­hen, ob jemand geschrie­ben oder ange­ru­fen hat (15 Pro­zent). Auf eine pro-​aktive Nut­zung ver­zich­ten die meis­ten Auto­fah­ren­den Senio­ren.
Lars Wage­ner, Vor­sit­zen­der der Geschäfts­lei­tung des ACV: „Obwohl vor Ablen­kung am Steuer zuneh­mend öffent­lich­keits­wirk­sam gewarnt wird, unter­schät­zen Auto­fah­rer nach wie vor die damit ver­bun­dene Gefahr. Es besteht kein Bewusst­sein dar­über, dass ein Blick aufs Handy ein Blind­flug ist, der Leben kos­ten kann.“

Nut­zung in ver­schie­de­nen Ver­kehrs­si­tua­tio­nen

Von den Auto­fah­rern, die zumin­dest hin und wie­der das Smartphone/​Mobiltelefon am Steuer nut­zen, gebrau­chen es 62 Pro­zent im Stau oder zäh flie­ßen­den Ver­kehr und 56 Pro­zent beim War­ten an der roten Ampel.
Aller­dings nut­zen auch 17 Pro­zent das Tele­fon bei Fahr­ten auf der Auto­bahn, 14 Pro­zent bei Fahr­ten auf der Land­straße und 12 Pro­zent im Stadt­ver­kehr.
Prof. Kurt Bode­wig, Prä­si­dent der DVW und Bun­des­mi­nis­ter a.D.: „Die Straße muss siche­rer wer­den, da passt der Ego­is­mus von Auto­fah­rern nicht, die bei hoher Geschwin­dig­keit mit dem Handy in der Hand über die Auto­bahn auf das Stau­ende zura­sen. Was als Kava­liers­de­likt daher­kommt – näm­lich sich und andere Ver­kehrs­teil­neh­mer in Gefahr zu brin­gen – ist für uns nicht hin­nehm­bar. Auch auf kur­ven­rei­chen Land­stra­ßen und im kom­ple­xen Inner­orts­ver­kehr gehört die ganze Auf­merk­sam­keit auf die Straße.“

„No-​Gos“ für Smartphone-​Nutzung?

Auf die Frage, ob es Situa­tio­nen gibt, in denen die Auto­fah­rer auf Mobiltelefon-​Nutzung am Steuer ver­zich­ten wür­den, gaben 89 Pro­zent an, ihr Smart­phone auf kei­nen Fall bei schlech­ten Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen wie Schnee oder Stark­re­gen zu nut­zen, je 85 Pro­zent ver­zich­ten dar­auf an gro­ßen Kreu­zun­gen oder im dich­ten Stra­ßen­ver­kehr, 80 Pro­zent ver­mei­den es, wenn ein Kind im Auto sitzt und 79 Pro­zent beim Vor­bei­fah­ren an sozia­len Ein­rich­tun­gen wie Kin­der­gär­ten, Schu­len, Senio­ren­hei­men oder Kran­ken­häu­sern.
Erschre­ckend ist, dass der Gebrauch nicht kon­se­quent aus­ge­schlos­sen wird, wobei die Risi­ko­be­reit­schaft bei den Auto­fah­rern unter 45 Jah­ren zudem mit­un­ter grö­ßer ist als bei den Befrag­ten ab 45 Jah­ren: Die Nut­zung ihres Mobil­te­le­fons wür­den bei­spiels­weise im dich­ten Stra­ßen­ver­kehr 18 Pro­zent der bis 45-​Jährigen und 9 Pro­zent der über 45-​Jährigen nicht aus­schlie­ßen, mit einem Kind im Auto lie­gen die Jün­ge­ren bei 19 Pro­zent (über 45 Jahre: 12 Pro­zent), beim Vor­bei­fah­ren an sozia­len Ein­rich­tun­gen 24 Pro­zent (über 45 Jahre: 13 Pro­zent), bei Dun­kel­heit 29 Pro­zent (über 45 Jahre: 21 Pro­zent), mit ande­ren Per­so­nen im Auto bei 35 Pro­zent (ab 45 Jah­ren: 26 Pro­zent), auf der Auto­bahn 34 Pro­zent (ab 45 Jah­ren: 31 Pro­zent) und auf der Land­straße 42 Pro­zent (ab 45 Jah­ren: 41 Pro­zent).
Wage­ner: „Gerade die­ser Teil der Stu­die belegt sehr deut­lich, dass wir mehr auf­klä­ren müs­sen. Nicht nur die „Digi­tal Nati­ves“ sind es, son­dern bis zu einem Alter von 45 Jahre geht die Risi­ko­gruppe, die es zu sen­si­bi­li­sie­ren gilt. Nie­mand muss 24 Stun­den am Tag ver­füg­bar sein, um zu leben – im Stra­ßen­ver­kehr dar­auf zu ver­zich­ten, kann Leben ret­ten. Nicht nur das eigene.“

Ablen­kung und Gefähr­dung

Wenn sie beim Auto­fah­ren ihr Smart­phone oder Mobil­te­le­fon benut­zen, füh­len sich 20 Pro­zent der Befrag­ten sehr stark und wei­tere 40 Pro­zent stark abge­lenkt. Die­je­ni­gen, die sich nicht so stark oder gar nicht abge­lenkt füh­len, nut­zen ihr Tele­fon wäh­rend der Fahrt viel­fäl­ti­ger als die­je­ni­gen, die dies als (starke) Beein­träch­ti­gung erle­ben.

Trotz des indi­vi­du­el­len Gefühls des Abge­lenkt­seins geben nur 11 Pro­zent an, durch die Nut­zung schon ein­mal einen Fahr­feh­ler began­gen zu haben; gerade 5 Pro­zent sind nach den Anga­ben in eine kri­ti­sche Situa­tion gera­ten. Bei der Nach­frage nach ver­schie­de­nen Ver­kehrs­si­tua­tio­nen zeigt sich aller­dings ein etwas ande­res Bild: So haben 25 Pro­zent schon ein­mal wegen der Mobil­te­le­fon­nut­zung am teuer zu spät gese­hen, dass die Ampel wie­der grün ist, 12 Pro­zent sind schon ein­mal von der Fahr­spur abge­kom­men und jeweils 10 Pro­zent haben spät oder zu spät bemerkt, dass das Auto vor ihnen gebremst hat, oder haben eine Geschwin­dig­keits­be­gren­zung über­se­hen. Über 60 Jahre alte Auto­fah­rer geben sel­te­ner als die jün­ge­ren an, dass sie schon ein­mal eine die­ser Erfah­run­gen gemacht haben.
Bode­wig: „Weil wir kei­nem wün­schen, dass er erst ‚durch Scha­den klug‘ wird, wer­den wir in unse­rer Arbeit vor Ort noch mehr über die Gefah­ren auf­klä­ren, die aus Ablen­kun­gen ent­ste­hen. Damit die Ein­sicht vor einem Unfall oder einer kri­ti­schen Ver­kehrs­si­tua­tion ein­setzt!“

Ange­sichts der Umfrage-​Ergebnisse zeigt sich, wie not­wen­dig der jüngste Vor­stoß von Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Dobrindt war, das Han­dy­ver­bot am Steuer auf Tablets und Foto­ap­pa­rate aus­zu­wei­ten. Um der Gefahr ener­gi­scher ent­ge­gen­zu­wir­ken, wür­den sowohl ACV als auch DVW zudem wei­tere Schritte begrü­ßen, bei­spiels­weise kon­se­quente Kon­trol­len und eine noch brei­tere Auf­klä­rungs­kam­pa­gne, beson­ders für die jün­gere Ziel­gruppe der Auto­fah­rer und Mobil­te­le­fon­nut­zer.

Hin­weis: Für die reprä­sen­ta­tive Forsa-​Befragung zum Thema „Nut­zung von Smart­pho­nes bzw. Mobil­te­le­fo­nen im Stra­ßen­ver­kehr““ wur­den im Auf­trag des ACV Automobil-​Club Ver­kehr und der Deut­schen Ver­kehrs­wacht (DVW) zwi­schen dem 03. bis 09. August 2016 ins­ge­samt 1.509 Per­so­nen befragt.

Die gesamte Forsa-​Umfrage zur Nut­zung von Smartphones/​Mobiltelefonen am Steuer

Gra­fik Han­dy­nut­zung führt durch Ablen­kung zu Fahr­feh­lern

Gra­fik Blind­flug im Stra­ßen­ver­kehr

Über die Deut­sche Ver­kehrs­wacht

Die Deut­sche Ver­kehrs­wacht gehört zu den ältes­ten und größ­ten Bür­ger­in­itia­ti­ven Deutsch­lands. Seit ihrer Grün­dung 1924 arbei­tet sie für mehr Sicher­heit und weni­ger Unfälle auf unse­ren Stra­ßen – heute mit mehr als 70.000 ehren­amt­lich Enga­gier­ten. Sie infor­mie­ren, bera­ten und trai­nie­ren mit Ver­kehrs­teil­neh­mern jeden Alters siche­res Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr. Die Ziel­grup­pen­pro­gramme der DVW errei­chen rund 2,5 Mil­lio­nen Men­schen pro Jahr. Die DVW finan­ziert ihre Aktio­nen und Pro­gramme mit Unter­stüt­zung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr und digi­tale Infra­struk­tur sowie durch Mit­glieds­bei­träge und Spon­so­ring.