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40 Ton­nen Lkw gegen 70 Kilo Mensch

Der Bereich des toten Win­kels ist aus der Fah­rer­ka­bine weder im Sei­ten­spie­gel noch durch das Fens­ter ein­zu­se­hen. Sechs vor­ge­schrie­bene Außen­spie­gel unter­stüt­zen die Fah­rer zwar und erwei­tern das indi­vi­du­elle Sicht­feld, doch ein Rest­ri­siko bleibt, denn der tote Win­kel kann auch durch zusätz­li­che Spie­gel nicht voll­stän­dig ver­mie­den wer­den. Große Gefahr geht vor allem von den Hin­ter­rä­dern der Fahr­zeuge aus, die beim Abbie­ge­vor­gang einen wesent­lich klei­ne­ren Radius fah­ren als die Vor­der­rä­der und so Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer schnell erfas­sen kön­nen.

Wie kann das Unfall­ri­siko ver­rin­gert wer­den?

Der ACV Automobil-​Club Ver­kehr kri­ti­siert, dass sich fahr­zeug­tech­ni­sche Lösun­gen oder Infra­struk­tur­ver­bes­se­run­gen bis­lang nur bedingt durch­ge­setzt haben, obwohl die Tote-​Winkel-​Problematik nicht neu ist. Die flä­chen­de­ckende Ein­füh­rung von glä­ser­nen Bei­fah­rer­tü­ren wurde von Lkw-​Fahrern abge­lehnt. Die kon­se­quente Ver­wen­dung von Fresnel-​Linsen, die auf das Prin­zip Ein­sicht in den toten Win­kel durch Licht­bre­chung set­zen, hat sich nicht flä­chen­de­ckend durch­ge­setzt.

ACV for­dert ver­pflich­tende Ein­füh­rung von Abbiege-​Assistenten

Tech­ni­sche Lösun­gen gibt es, sie sind aber noch nicht seri­en­reif. Künf­tig soll­ten Abbiege-​Assistenzsysteme Fuß­gän­ger und Fahr­rad­fah­rer durch Radar­sen­so­rik erken­nen. Der ACV for­dert die ver­pflich­tende Ein­füh­rung von Abbiege-​Assistenten, sobald Her­stel­ler zuver­läs­sige Sys­teme auf den Markt brin­gen. Zudem müsse die Nach­rüs­tung von Lkws und Bus­sen, die bereits heute auf den Stra­ßen unter­wegs sind, dis­ku­tiert wer­den. „Bis die Tech­nik so weit ist, und vor dem Hin­ter­grund von Vision Zero appel­liert der ACV an eine schnelle Umset­zung eines siche­ren Abbie­ge­sys­tems für Busse und Lkws“, sagt Lars Wage­ner vom ACV.

Infra­struk­tur­an­pas­sun­gen ret­ten Leben

Viele Städte ver­rin­gern der­zeit durch Ver­bes­se­run­gen bei beste­hen­der Infra­struk­tur das Unfall­ri­siko. Eine sichere Ver­kehrs­füh­rung ermög­li­chen getrennte Grün­pha­sen an Ampeln, sodass der rest­li­che Ver­kehr zeit­ver­zö­gert nach den Fahr­rad­fah­rern los­fährt. Durch vor­ge­zo­gene Auf­stell­flä­chen kön­nen sich Rad­fah­rer deut­lich im Sicht­feld der Fah­rer posi­tio­nie­ren.

Einige Städte wie Frei­burg und Müns­ter set­zen auf den Trixi-​Spiegel, der von dem Vater eines 1994 an einer Kreu­zung schwer ver­un­glück­ten Kin­des ent­wi­ckelt wurde. Er wird direkt unter dem Grün­si­gnal der Ampel oder an Kreu­zun­gen ange­bracht und erwei­tert den Blick­win­kel des Lkw-​Fahrers.

Rest­ri­siko bleibt: Sehen und gese­hen wer­den

Trotz allem bleibt für Fahr­rad­fah­rer und Fuß­gän­ger immer ein lebens­ge­fähr­li­ches Rest­ri­siko. Grund­sätz­lich gilt für alle Ver­kehrs­teil­neh­mer: vor­aus­schau­end fah­ren und mit Feh­lern ande­rer rech­nen. Fahr­rad­fah­rer soll­ten jeder­zeit genü­gend Sicher­heits­ab­stand ein­hal­ten.

Bei einer unkla­ren Ver­kehrs­lage ver­zich­ten Sie lie­ber auf Ihre Vor­fahrt,“ rät Lars Wage­ner vom ACV. „Stel­len Sie sich an Ampeln vor den Lkw, so dass der Fah­rer Sie sieht, oder war­ten Sie dahin­ter, bis er abge­bo­gen ist.“ Ver­stän­di­gen Sie sich mit dem Fah­rer über Blick­kon­takt und ver­ge­wis­sern Sie sich vor dem Über­que­ren der Straße erneut, ob der Fah­rer Sie wahr­ge­nom­men hat. „Nur wenn Sie den Fah­rer sehen, kann auch er Sie sehen“, ver­deut­licht Wage­ner.

Der Bereich des toten Win­kels bei Pkws ist zwar klei­ner als bei gro­ßen Fahr­zeu­gen, des­halb aber nicht weni­ger gefähr­lich. Auch hier gilt, nicht neben das Auto in den Bereich fah­ren, der von dem Fah­rer schlecht ein­ge­se­hen wer­den kann. Kraft­fah­rern dage­gen rät der ACV vor dem Abbie­gen und dem Türe­öff­nen zu einem zwei­ten oder drit­ten Schul­ter­blick, um aus­zu­schlie­ßen, dass sich unbe­merkt ein Ver­kehrs­teil­neh­mer genä­hert hat.

Gedan­ken­stütze an Bus und Bah­nen in Köln
Der ACV unter­stützt die Ver­kehrs­si­cher­heits­ak­tion „Toter Win­kel“ in Köln, bei der auf­fal­lende Auf­kle­ber auf Bus­sen und Stra­ßen­bah­nen der KVB Fahr­rad­fah­rer und Fuß­gän­ger war­nen, und leis­tet kon­se­quent Auf­klä­rungs­ar­beit über das Unfall­ri­siko, das vom toten Win­kel aus­geht.

Über den ACV Automobil-​Club Ver­kehr


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Der tote Win­kel ist für Fahr­rad­fa­her und Fuß­gän­ger lebens­ge­fähr­lich Quelle: shutterstock_​connel
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