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10. Tag der Ver­kehrs­si­ch­er­keit: Neue Gefah­ren­quelle Elek­tro­fahr­zeuge?

Frü­her ras­ten die Tour de France Teil­neh­mer ohne Schutz­helm mit fast 100 km/​h den Alpen­pass hin­un­ter – heute undenk­bar. Das Sicher­heits­be­wusst­sein hat in der Bevöl­ke­rung stark zuge­nom­men. Gesetz­li­che Bestim­mung wie die Gurt­pflicht seit 1976 haben sicher­lich dazu beige­tra­gen. Doch mit dem tech­ni­schen Fort­schritt kom­men auch neue Gefah­ren.

Gegen­sei­tige Rück­sicht­nahme im Stra­ßen­ver­kehr

Zum 10. Tag der Ver­kehrs­si­cher­heit appel­liert der ACV Automobil-​Club Ver­kehr für gegen­sei­tige Rück­sicht­nahme im Stra­ßen­ver­kehr. „Per­so­nen­grup­pen mit unter­schied­li­chen Ein­schrän­kun­gen sehen sich jeden Tag mit neuen gefähr­li­chen Hin­der­nis­sen kon­fron­tiert.“, so Lars Wage­ner, Vor­sit­zen­der der Geschäfts­lei­tung des ACV. „Roll­stuhl­fah­rer, Kin­der und seh­be­hin­derte Men­schen sind daher beson­ders auf die Auf­merk­sam­keit von nicht Betrof­fe­nen ange­wie­sen“.

Neue Gefahr für Blinde: Elek­tro­fahr­zeuge

Digi­tale Tech­nik kann eine große Erleich­te­rung für blinde Men­schen sein. Smartphone-​Apps navi­gie­ren als digi­ta­ler Blin­den­stock durch die Stra­ßen und ver­sor­gen sie mit Infor­ma­tio­nen und sogar kom­mer­zi­el­len Ange­bo­ten. Doch tech­ni­scher Fort­schritt birgt auch neue Gefah­ren. „Fahr­zeuge, vor allem Elek­tro­fahr­zeuge, die keine Geräu­sche abge­ben sind sehr gefähr­lich“, sagt Ger­hard Ren­zel vom Deut­schen Blin­den– und Seh­be­hin­der­ten Ver­band (DBSV). Geräu­sche von Fahr­zeu­gen sind eine wich­tige Ori­en­tie­rungs­hilfe. Sie signa­li­sie­ren wo sich die Straße befin­det oder ob der Zebra­strei­fen unfall­frei über­quert wer­den kann. Der DBSV arbei­tet der­zeit eng an For­schungs­pro­jek­ten mit, die sich mit ent­spre­chen­den Lösun­gen beschäf­ti­gen, Elek­tro­fahr­zeuge bemerk­bar zu machen.

Leit­sys­teme für jeden Ver­kehrs­teil­neh­mer

Der Blick zum Fah­rer, um sich zu ver­ge­wis­sern ‚ich werde gese­hen‘, fällt für blinde Men­schen weg. „Wir bau­chen ein lücken­lo­ses Leit­sys­tem für jeder­mann“, for­dert Ren­zel. Schil­der und Pfeile wei­sen Sehen­den den Weg zu ihrem Ziel. Sichere Teil­nahme am Stra­ßen­ver­kehr für Seh­be­hin­derte for­dert ein beson­de­res Leit­sys­tem. Die Fuß­gän­ger sind vor allem auf akus­ti­sche und tak­ti­sche Leit­li­nien oder kon­trast­rei­che Farb­ge­bun­gen, zum Bei­spiel an Glas­wän­den, ange­wie­sen. „Boden­in­di­ka­to­ren, die mit dem Lang­stock ertas­tet wer­den, sind ein wich­ti­ges Hilfs­mit­tel zur Ori­en­tie­rung.“, so Ren­zel. Ril­len­pflas­ter haben eine lei­tende Funk­tion, Nop­pen dage­gen eine war­nende. „Wenn wir keine Leit­sys­teme haben, sind wir lebens­ge­fähr­li­chen Situa­tio­nen aus­ge­setzt.“
Bar­rie­re­frei­heit für Roll­stuhl­fah­rer dage­gen bedeu­tet bau­li­che Maß­nah­men, die im öffent­li­chen Raum eine Alter­na­tive zu Trep­pen­stu­fen bie­ten.

Respekt und Hilfs­be­reit­schaft auf der Straße

Sei­nen eige­nen Bei­trag zur Ver­kehrs­si­cher­heit zu leis­ten, ist nicht schwie­rig. Dros­seln Sie Ihre Geschwin­dig­keit an Schu­len, Kin­der­gär­ten und Spiel­stra­ßen. Ver­ge­wis­sern Sie sich als beim Abbie­gen, dass sich kein Fahr­rad­fah­rer im toten Win­kel befin­det. Gehen Sie als Fuß­gän­ger auf­merk­sam durch die Stra­ßen. Denn „wenn die Gren­zen der Hilfs­mit­tel erreicht sind, dann sind blinde Men­schen für Hilfe sehr dank­bar“, erklärt Ren­zel. Vor allem an Flug­hä­fen und Bahn­hö­fen fällt die Ori­en­tie­rung oft schwer. Aber auch, wenn das neue Soft­ware­up­date der Navigations-​App noch nicht auf dem Smart­phone instal­liert wurde.