BMW 320i GT und Mercedes CLA 250

BMW 320i GT und Mercedes CLA 250

3er gegen A-​Klasse: Ein unfai­rer Ver­gleich, könnte man mei­nen. Dabei fol­gen BMW 320i GT und Mer­ce­des 250 CLA der­sel­ben Phi­lo­so­phie – aller­dings auf höchst unter­schied­li­che Art.

BMW 320i GT und Mercedes CLA 250
Neuer Zuschnitt: Der 3er GT setzt auf Raum­ge­winn, der CLA auf Sport­lich­keit

Im Fall des BMW 320i GT liegt das an der „neuen Größe“, wie die weiß-​blauen Wer­bely­ri­ker es for­mu­lie­ren. Hin­ter dem Kür­zel GT ver­birgt sich ein 3er mit um elf Zen­ti­me­ter ver­län­ger­tem Rad­stand und einer fast ver­ges­se­nen Karos­se­rie­form, die frü­her schlicht Fließ­heck hieß, bei den Bay­ern heute aber die ein­deu­tig coo­lere Bezeich­nung „Gran Turismo“ trägt. Wobei das „Gran“ durch­aus wört­lich zu neh­men ist: Der Kof­fer­raum unter der lan­gen Heck­klappe ist sogar grö­ßer als bei der Kom­bi­ver­sion des 3ers – und im Innen­raum pro­fi­tie­ren vor allem die Fond­pas­sa­giere vom Län­gen­wachs­tum: Der Knie­raum vor der Rück­bank fällt sehr üppig aus.

Eine neue Größe kenn­zeich­net auch den Mer­ce­des 250 CLA, der eine nor­male A-​Klasse um immer­hin 33 Zen­ti­me­ter über­ragt. Sti­lis­tisch ori­en­tiert er sich am teu­ren CLS, was aller­dings auf einer Gesamt­länge von nur 4,63 Metern zu einem ganz ande­ren Erschei­nungs­bild führt. Kna­ckige Fal­ten im Blech, das aus­ge­prägte Kup­pel­dach und kurze Über­hänge sor­gen hier für einen eher fre­chen als noblen Auf­tritt – und über die Frage, ob ein Coupé die­ses Zuschnitts tat­säch­lich vier Türen braucht, kann man ange­sichts des kar­gen Raum­an­ge­bots im Fond durch­aus unter­schied­li­cher Mei­nung sein: Kopf– und Knie­frei­heit sind auf län­ge­ren Stre­cken nur aus­ge­spro­chen zier­lich gewach­se­nen Pas­sa­gie­ren zuzu­mu­ten.

Sinn­volle Inves­ti­tion: Head-​Up-​Display im BMW

Mercedes-Benz CLA 250
Schö­ner woh­nen im Mer­ce­des: Das Zen­t­ral­dis­play im iPad-​Stil setzt einen Akzent

Sehr groß­zü­gig geht es dage­gen bei bei­den Model­len in der ers­ten Reihe zu: Im Mer­ce­des bie­ten die seri­en­mä­ßi­gen und gut kon­tu­rier­ten Sport­sitze fes­ten Halt in schnel­len Kur­ven, die Mit­tel­kon­sole war­tet mit drei gro­ßen Abla­gen auf, weil der Wähl­he­bel für die Auto­ma­tik aus der Lenk­säule wächst, und das Innen­raum­de­sign beein­druckt mit sport­lich ange­hauch­ter Ele­ganz. Kri­tik ern­tet hier nur ein wei­te­res Mal die kon­trast­arme Optik der Rund­in­stru­mente: Graue Zif­fern auf silb­ri­gem Grund erschwe­ren die Infor­ma­ti­ons­auf­nahme.

Wie man das bes­ser macht, zeigt BMW: Weiß auf Schwarz lässt sich ein­fach bes­ser lesen – und noch bes­ser geht es mit dem Head-​up-​Display, das die wich­tigs­ten Fahr– und Navi­ga­ti­ons­da­ten direkt in die Wind­schutz­scheibe ein­blen­det und damit ein sinn­vol­les Assis­tenz­sys­tem dar­stellt, für das sich der Auf­preis von 980 Euro wirk­lich lohnt. Für Sport­sitze wer­den hier aller­dings noch mal 550 Euro fäl­lig, und das etwas luf­ti­ger wir­kende Ambi­ente kann in Sachen Ele­ganz nicht mit dem des Mer­ce­des mit­hal­ten: Das ein­zige sti­lis­ti­sche High­light im 3er bil­det der skulp­tu­ral aus­ge­formte Automatik-​Wählhebel auf der Mit­tel­kon­sole. Die ansons­ten vor­herr­schende Reduk­tion auf das Wesent­li­che dürfte in die­ser Preis­klasse nicht jeder­manns Geschmack tref­fen.

Statt sechs Zylin­dern: vier Töpfe plus Turbo

BMW 320i GT und Mercedes CLA 250
Deut­li­cher Unter­schied: Klei­ner Deckel beim CLA, große Klappe am 3er GT

Nicht ganz klas­sen­kon­form wir­ken auf dem Papier auch die Moto­ren, denn wer hier ange­sichts der gebo­te­nen Leis­tung sechs Zylin­der erwar­tet, wird in bei­den Fäl­len ent­täuscht. Statt­des­sen sor­gen per Tur­bo­la­der unter Druck gesetzte Zweiliter-​Vierzylinder für den Vor­trieb – und das auf ganz unter­schied­li­che Weise: Das BMW-​Triebwerk läuft aus­ge­spro­chen leise und kul­ti­viert, gibt sich aber auch in der Leis­tungs­ent­fal­tung rela­tiv zurück­hal­tend.

In Sachen Tem­pe­ra­ment hat der Mer­ce­des ganz klar die Nase vorn. Schon akus­tisch macht sein heiser-​metallischer Sound mehr her als die tur­bi­nen­ar­tige Lauf­ruhe des BMW, und sein wuch­ti­ge­rer Antritt resul­tiert nicht nur aus dem im Test­wa­gen instal­lier­ten All­rad­an­trieb. Der Motor pro­du­ziert aus glei­chem Hub­raum deut­lich mehr Leis­tung und Dreh­mo­ment und gibt sich unge­mein dreh­freu­dig, wobei das ziem­lich bis­sig anspre­chende Dop­pel­kupp­lungs­ge­triebe zusätz­li­che Dyna­mik ins Spiel bringt. Auf den Sprit­kon­sum wirkt sich das nicht nega­tiv aus: Anders als im Norm­ver­brauch ange­ge­ben schluckt der CLA trotz Mehr­leis­tung und höhe­rer Rei­bungs­ver­luste im All­rad­an­trieb im rich­ti­gen Leben sogar weni­ger als der 3er GT und führt damit die in bei­den Fäl­len um rund 50 Pro­zent nied­ri­ger lie­gen­den Norm­ver­brauchs­werte end­gül­tig ad absur­dum.

Im Mer­ce­des: Mehr Freude beim Fah­ren

Unter­schied­li­che Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten mani­fes­tie­ren sich bei den Kon­tra­hen­ten auch im Fahr­ver­hal­ten: Die Freude am Fah­ren beschränkt sich beim BMW auf stoi­schen Gera­de­aus­lauf, hohe Sicher­heits­re­ser­ven, eine gefühl­volle Len­kung und die kom­for­ta­ble Fede­rung. BMW-​Fahrer vom alten Schlag dage­gen wer­den sich über eine gewisse Behä­big­keit wun­dern, die die neue Größe offen­bar mit sich bringt. Ein­deu­tig mehr Fahr­spaß ver­mit­telt der deut­lich agi­lere Mer­ce­des, der mit sei­nem zacki­gen Ein­lenk­ver­hal­ten förm­lich nach Kur­ven giert, wenn auch die Len­kung hier etwas syn­the­ti­scher wirkt. Die straf­fere Fede­rungs­ab­stim­mung dage­gen lässt sich mit etwas Sports­geist durch­aus ver­kraf­ten – und wer sich an den etwas ner­vö­se­ren Reak­tio­nen des Fahr­werks auf Quer­fu­gen stört, mag sich even­tu­ell mit dem erstaun­lich nied­ri­gen Geräusch­ni­veau trös­ten: Vom Fahrt­wind ist selbst bei 150 km/​h so gut wie nichts zu hören. Aus gutem Grund: Mit einem cW-​Wert von 0,22 hält der CLA der­zeit den Aerodynamik-​Weltrekord für Seri­en­fahr­zeuge.

Fazit: BMW 320i GT und Mer­ce­des CLA 250

Mer­ce­des sport­lich, BMW betu­lich? Ja, Sie haben rich­tig gele­sen. Zumin­dest in die­sem Ver­gleich ver­dre­hen sich die alten Werte ins Gegen­teil. Beim CLA beschränkt sich die Dyna­mik nicht auf die dra­ma­tisch gestylte Karos­se­rie, wäh­rend sich der 3er GT genau so fährt wie, er aus­sieht: wie ein gro­ßer, schwe­rer Wagen. Dar­aus resul­tie­ren natur­ge­mäß ein ent­spre­chend sou­ve­rä­nes Fahr­ver­hal­ten sowie ein gene­rö­ses Ange­bot an Lebens– und Kof­fer­raum. Wem Fahr­spaß aber wich­ti­ger ist als Kom­fort, der ist mit der neu­en Größe von Mer­ce­des ein­deu­tig bes­ser – und viel­leicht auch bil­li­ger – bera­ten, wenn er auf große Moto­ren und All­rad­an­trieb ver­zich­tet. Ein CLA 180 mit Front­an­trieb ist schon ab 29 214 Euro zu haben, ein 3er GT kos­tet min­des­tens 36 800 Euro.